Wein aus Südtirol
Südtirol – Wein zwischen Alpen und Mittelmeer
Südtirol ist ein kleines Weinland mit ungewöhnlich großer Vielfalt. Auf rund 5.860 Hektar Rebfläche treffen alpine Höhenlagen auf warme Luftströmungen aus dem Süden. Die Weinberge reichen von etwa 200 bis auf 1.000 Meter über dem Meeresspiegel.
Innerhalb kurzer Entfernungen ändern sich Höhenlage, Exposition, Temperatur und Boden. Genau darin liegt eine der Besonderheiten Südtirols: Nicht eine einzelne Rebsorte oder ein einheitlicher Weinstil definiert die Region, sondern das Zusammenspiel zahlreicher unterschiedlicher Standorte.
Heute entfallen rund 65 Prozent der Produktion auf Weißwein und 35 Prozent auf Rotwein. Etwa 20 Rebsorten werden angebaut – bemerkenswert für eine Region, die weniger als ein Prozent der italienischen Rebfläche umfasst.
Alpin und mediterran zugleich
Südtirol liegt an einer klimatischen Schnittstelle. Im Norden schützen die Alpen vor kalten und feuchten Luftmassen, während aus dem Süden wärmere mediterrane Einflüsse bis in die Täler vordringen.
Gleichzeitig sorgen die Berge für ausgeprägte Unterschiede zwischen Tag und Nacht. Warme Tage fördern die Reife, während kühlere Nächte dazu beitragen können, Säure und Aromatik in den Trauben zu bewahren.
Das ist besonders für Weißwein und Blauburgunder interessant. Doch auch wärmeliebende rote Rebsorten finden in geschützten Tallagen geeignete Bedingungen.
200 bis 1.000 Meter – Weinbau in der Vertikalen
Nur wenige europäische Weinregionen verbinden auf so kleiner Fläche derart unterschiedliche Höhenlagen. Südtiroler Weinberge beginnen in warmen Tallagen bei ungefähr 200 Metern und reichen bis etwa 1.000 Meter Höhe.
Dadurch können Winzer für unterschiedliche Rebsorten gezielt geeignete Standorte nutzen. Während wärmere Lagen etwa Lagrein zugutekommen können, bieten höher gelegene Weinberge interessante Voraussetzungen für Rebsorten, die von kühleren Bedingungen profitieren.
Höhe allein entscheidet allerdings nicht über die Qualität. Exposition, Hangneigung, Luftströmung, Boden und die konkrete Lage spielen ebenso eine Rolle.
Eine erstaunliche Vielfalt an Böden
Auch geologisch ist Südtirol ausgesprochen abwechslungsreich. Je nach Gebiet finden sich unter anderem Porphyr, Kalk- und Dolomitgestein, Quarz, Glimmer, Moränenablagerungen sowie sandige und lehmige Böden.
Diese Vielfalt ist eine Folge der komplexen Entstehungsgeschichte der Alpen und der Ablagerungen in den Tälern.
Für den Wein bedeutet das: Zwei Weinberge können nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen und dennoch völlig unterschiedliche Voraussetzungen für dieselbe Rebsorte bieten.
Südtirol ist heute vor allem Weißweinland
Obwohl Südtirol mit Vernatsch und Lagrein zwei ausgeprägt regionale rote Rebsorten besitzt, wird die heutige Produktion von Weißwein bestimmt.
Pinot Grigio und Chardonnay gehören zu den wichtigsten Sorten. Hinzu kommen unter anderem Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer, Müller-Thurgau, Kerner und weitere weiße Rebsorten.
Der Erfolg der Südtiroler Weißweine hängt eng mit den Höhenlagen und den Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht zusammen. Sie ermöglichen reife Trauben bei gleichzeitig erhaltener Frische.
Pinot Grigio – eine der wichtigsten Rebsorten
Pinot Grigio gehört zu den meistangebauten Rebsorten Südtirols. Die Sorte ist international vor allem für unkomplizierte italienische Weißweine bekannt, kann in geeigneten Lagen jedoch deutlich mehr zeigen.
In Südtirol entstehen sowohl frische und geradlinige Varianten als auch strukturierte Weine mit mehr Substanz und Reifepotenzial.
Je nach Standort und Ausbau können Aromen von Birne, Apfel und reifen Früchten ebenso auftreten wie würzige und mineralisch wirkende Noten.
Weißburgunder – Pinot Bianco
Weißburgunder, in Italien Pinot Bianco genannt, hat in Südtirol eine lange Tradition und findet besonders in geeigneten Höhenlagen gute Bedingungen.
Die Weine können von leicht und frisch bis zu konzentriert und im Holz ausgebaut reichen. Gute Exemplare verbinden Frucht und Frische mit einer feinen, eher zurückhaltenden Aromatik.
Südtirol gehört heute zu den italienischen Regionen, in denen Weißburgunder besonders ernst genommen wird.
Chardonnay zwischen Frische und Kraft
Auch Chardonnay gehört zu den wichtigsten weißen Rebsorten Südtirols. Seine Anpassungsfähigkeit macht ihn für unterschiedliche Standorte und Ausbauformen geeignet.
Frischere Varianten werden häufig im Edelstahl ausgebaut. Ambitioniertere Weine können dagegen auf der Feinhefe reifen oder in größeren und kleineren Holzfässern ausgebaut werden.
Dadurch reicht das Spektrum von geradlinigen, fruchtbetonten Chardonnay bis zu komplexeren, lagerfähigen Weinen.
Sauvignon Blanc – aromatisch und präzise
Sauvignon Blanc findet in den kühleren und höher gelegenen Weinbergen Südtirols interessante Voraussetzungen.
Typische Weine können Zitrusfrucht, Holunder, Kräuter und vegetabile Noten zeigen. Je nach Standort reicht der Stil von ausgeprägt aromatisch bis deutlich mineralischer und zurückhaltender.
Die Verbindung aus sonnigen Tagen und kühlen Nächten kann dabei helfen, reife Aromatik mit lebendiger Säure zu verbinden.
Gewürztraminer und das Dorf Tramin
Kaum eine Rebsorte wird so unmittelbar mit Südtirol verbunden wie Gewürztraminer. Der Name verweist auf Tramin an der Südtiroler Weinstraße.
Gewürztraminer ist ausgesprochen aromatisch. Rosen, Litschi, exotische Früchte und Gewürze gehören zu den typischen Assoziationen.
Die Weine können trocken bis süß ausgebaut werden. Entscheidend für ihre Balance ist häufig das Verhältnis von reifer Aromatik, Alkohol, Restzucker und Säure.
Vernatsch – die traditionelle rote Rebsorte
Vernatsch gehört zu den historisch wichtigsten Rotweinsorten Südtirols. In Italien wird die Rebsorte meist Schiava genannt.
Die Weine sind häufig eher hell in der Farbe, moderat im Tannin und von roten Früchten sowie einer feinen mandeligen oder würzigen Note geprägt.
Bekannte Herkünfte sind unter anderem Kalterersee und St. Magdalener. Vernatsch zeigt eine leichtere, ausgesprochen eigenständige Seite des Südtiroler Rotweins.
Lagrein – Südtirols kraftvolle rote Seite
Lagrein ist neben Vernatsch die zweite besonders charakteristische rote Rebsorte Südtirols.
Im Vergleich zu Vernatsch entstehen meist dunklere, kräftigere und tanninreichere Weine. Typisch können dunkle Beeren, Kirsche, Kräuter, Gewürze und florale Noten sein.
Besonders bekannt ist Lagrein rund um Bozen. Die Rebsorte profitiert dort von warmen, geschützten Standorten.
Blauburgunder – Pinot Noir aus den Bergen
Blauburgunder beziehungsweise Pinot Noir hat sich zu einer der wichtigsten roten Rebsorten Südtirols entwickelt.
Besonders geeignete kühlere Hügellagen ermöglichen einen Stil, der Frucht, Frische und feine Tanninstruktur miteinander verbindet.
Zu den bekannten Gebieten gehört Mazon oberhalb von Neumarkt. Dort findet Blauburgunder kalk-, lehm- und porphyrgeprägte Böden sowie ein geeignetes Mikroklima.
Das Südtiroler Unterland
Im Süden der Region liegt das Südtiroler Unterland. Entlang der Etsch und an den angrenzenden Hängen befinden sich zahlreiche bedeutende Weinorte, darunter Tramin, Kurtatsch, Margreid, Kurtinig, Neumarkt und Salurn.
Hier macht sich der wärmere Einfluss aus dem Süden besonders bemerkbar. Gleichzeitig reichen die Weinberge von der Talsohle weit hinauf in die angrenzenden Hänge.
Auf engem Raum entstehen dadurch sehr unterschiedliche Bedingungen für Weiß- und Rotwein.
Bozen – Heimat von Lagrein und St. Magdalener
Rund um Bozen wird es im Sommer ausgesprochen warm. Besonders Lagrein findet hier traditionelle Standorte.
Eine weitere klassische Herkunft ist St. Magdalener, dessen Rotweine vor allem auf Vernatsch basieren.
Damit bildet der Raum Bozen einen interessanten Gegenpol zu den kühleren und höher gelegenen Weißweinstandorten der Region.
Überetsch und Kalterer See
Südwestlich von Bozen liegt das Überetsch mit bekannten Weinorten wie Eppan und Kaltern.
Unterschiedliche Höhenlagen und Böden ermöglichen hier eine große Bandbreite an Rebsorten. Rund um den Kalterer See besitzt Vernatsch eine besonders lange Tradition.
Gleichzeitig entstehen im Überetsch heute zahlreiche hochwertige Weißweine und Burgundersorten.
Eisacktal – Weinbau in kühleren Höhenlagen
Das Eisacktal nördlich von Bozen zeigt wiederum eine andere Seite Südtirols. Die Weinberge liegen teilweise steil und vergleichsweise hoch.
Entsprechend konzentriert sich der Weinbau stark auf Weißwein. Sylvaner, Kerner, Müller-Thurgau und Riesling gehören zu den charakteristischen Sorten des Gebietes.
Das Eisacktal verdeutlicht besonders gut, wie stark die Höhenlage den Südtiroler Weinbau prägen kann.
Eine jahrtausendealte Weinkultur
Weinbau besitzt in Südtirol eine sehr lange Geschichte. Bereits vor der römischen Eroberung betrieben die Räter in diesem Gebiet Weinbau.
Im Mittelalter spielten Klöster aus dem nördlichen Alpenraum eine wichtige Rolle. Später wurde der Weinbau unter habsburgischem Einfluss weiterentwickelt.
Dadurch verbindet die Südtiroler Weinkultur bis heute Einflüsse des deutschsprachigen Alpenraums mit der italienischen Weintradition.
Warum die Weine deutsche und italienische Namen tragen
Südtirol ist offiziell zweisprachig. Das zeigt sich auch auf Weinetiketten und bei den Rebsortennamen.
Weißburgunder und Pinot Bianco bezeichnen dieselbe Rebsorte, ebenso Blauburgunder und Pinot Nero. Vernatsch begegnet einem auf italienischen Etiketten als Schiava.
Auch Orts- und Herkunftsnamen können in deutscher und italienischer Form erscheinen. Für Verbraucher wirkt das zunächst kompliziert, gehört aber zur kulturellen Identität der Region.
Südtirol DOC – Herkunft spielt eine große Rolle
Der überwiegende Teil des Südtiroler Weins wird unter einer kontrollierten Ursprungsbezeichnung erzeugt. Rund 96 Prozent der Produktion entfallen heute auf DOC-Weine.
Die Herkunftsbezeichnung Südtirol beziehungsweise Alto Adige kann dabei mit weiteren Angaben zu Rebsorte, Gebiet oder Lage kombiniert werden, sofern die jeweiligen Vorschriften erfüllt sind.
Die starke Bedeutung der DOC spiegelt den Qualitäts- und Herkunftsanspruch der kleinen Weinregion wider.
86 Lagen – das neue Herkunftssystem Südtirols
Mit dem Jahrgang 2024 hat Südtirol sein Herkunftssystem weiter verfeinert. 86 geografisch genau abgegrenzte Lagen dürfen als sogenannte UGA – Unità Geografica Aggiuntiva – auf geeigneten Südtirol-DOC-Weinen angegeben werden.
Für jede dieser Lagen wurden maximal fünf Rebsorten festgelegt, die als besonders geeignet für den jeweiligen Standort gelten. Die Trauben eines Lagenweins müssen vollständig aus der angegebenen Lage stammen.
Zusätzlich gelten niedrigere Höchsterträge als für gewöhnliche DOC-Weine. Damit rückt Südtirol den konkreten Standort eines Weines noch stärker in den Mittelpunkt.
Warum das Lagenkonzept interessant ist
Gerade für Südtirol ist eine präzisere Herkunftsangabe sinnvoll. Die großen Unterschiede bei Höhe, Boden, Exposition und Mikroklima lassen sich mit der Bezeichnung „Südtirol“ allein nur begrenzt darstellen.
Das neue System soll deshalb stärker zeigen, welche Rebsorten an welchen Standorten besonders charakteristische Ergebnisse liefern.
Für Weinfreunde wird es dadurch künftig leichter, nicht nur nach Rebsorte und Erzeuger, sondern auch gezielt nach einzelnen Südtiroler Lagen zu suchen.
Genossenschaften und Weingüter
Eine Besonderheit Südtirols ist die Struktur des Weinbaus. Rund 4.800 Weinbauern bewirtschaften die etwa 5.860 Hektar Rebfläche. Die durchschnittlichen Flächen der einzelnen Betriebe sind entsprechend klein.
Genossenschaftskellereien besitzen deshalb traditionell eine große Bedeutung. Daneben gibt es private Weingüter und freie Weinbauern.
Anders als in manchen Weinregionen ist die Genossenschaftsstruktur in Südtirol keineswegs automatisch mit einfacher Massenproduktion gleichzusetzen. Viele Betriebe verfolgen einen ausgeprägten Qualitätsanspruch.
Handarbeit in steilen Weinbergen
Die Hanglagen und kleinteiligen Rebflächen machen den Weinbau arbeitsintensiv. Viele Arbeiten müssen von Hand erledigt werden.
Gleichzeitig ermöglicht die kleinteilige Struktur eine genaue Anpassung an einzelne Standorte. Ertragsregulierung, Laubarbeit und der richtige Lesezeitpunkt können gezielt auf die jeweilige Parzelle abgestimmt werden.
Gerade in steilen und höher gelegenen Weinbergen ist diese Arbeit allerdings entsprechend aufwendig.
Der Pergelanbau
Traditionell wurden viele Südtiroler Reben in der sogenannten Pergel erzogen. Dabei bildet das Laub eine Art Dach über den Trauben.
Besonders bei Vernatsch war diese Erziehungsform lange verbreitet. Heute findet man daneben zunehmend moderne Drahtrahmen- beziehungsweise Guyot-Systeme.
Welche Erziehungsform sinnvoll ist, hängt von Rebsorte, Lage, Klima und den Zielen des Winzers ab.
Klimawandel und Höhenlagen
Der Klimawandel verändert auch den Südtiroler Weinbau. Wärmere Vegetationsperioden können die Reife beschleunigen und den Alkoholgehalt erhöhen.
Gleichzeitig verfügt Südtirol mit seinen höher gelegenen Weinbergen über Möglichkeiten, auf diese Veränderungen zu reagieren. Kühlere Standorte gewinnen für verschiedene Rebsorten zunehmend an Bedeutung.
Höhe allein löst jedoch nicht alle Probleme: Trockenheit, extreme Wetterereignisse und Veränderungen im Wasserhaushalt stellen auch hier neue Anforderungen an den Weinbau.
Südtiroler Wein bei WEIN KUSCH
Unser aktuelles Südtirol-Sortiment konzentriert sich auf das Familienweingut Peter Zemmer aus Kurtinig an der Südtiroler Weinstraße.
Die Weinberge des Weinguts verteilen sich auf sehr unterschiedliche Höhenlagen im südlichen Teil Südtirols. Zwischen den tiefsten und höchsten Weinbergen liegen nach Angaben des Weinguts rund 800 Höhenmeter. Dadurch kann Peter Zemmer unterschiedliche Rebsorten gezielt an geeigneten Standorten kultivieren.
Einen besonderen Schwerpunkt bilden Weißwein und Burgundersorten. Daneben erzeugt das Weingut auch klassische Südtiroler Rotweine. So lässt sich trotz unseres bewusst kompakten Sortiments die stilistische Bandbreite der Region entdecken.