Wein aus den Abruzzen
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Abruzzen – Wein zwischen Adria und Apennin
Die Abruzzen liegen im Herzen Italiens zwischen der Adriaküste und den hohen Gebirgszügen des Apennin. Kaum eine andere italienische Weinregion verbindet Meer und Hochgebirge auf so engem Raum.
Während im Osten die Adria das Klima beeinflusst, steigen im Landesinneren die Berge des Gran Sasso und der Majella auf weit über 2.000 Meter an. Dazwischen liegen Hügel und Hochflächen, auf denen sich ein großer Teil des Weinbaus konzentriert.
Montepulciano prägt die rote Seite der Region. Bei den weißen Rebsorten stehen Trebbiano, Pecorino und Passerina im Mittelpunkt. Mit Cerasuolo d’Abruzzo besitzt die Region außerdem einen der eigenständigsten Roséweinstile Italiens.
Meer und Berge bestimmen das Klima
Die besondere Lage der Abruzzen ist für den Weinbau entscheidend. Zwischen den Weinbergen und den hohen Gipfeln des Apennin liegen teilweise nur wenige Dutzend Kilometer.
Die Adria wirkt auf die küstennahen Gebiete temperaturausgleichend. Aus dem Gebirge strömt gleichzeitig kühlere Luft in die Hügelzonen.
Besonders in höher gelegenen Weinbergen können dadurch deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht entstehen. Diese langsamere Reifung hilft, Frische und Säure in den Trauben zu bewahren.
Die Weinberge liegen vor allem in den Hügeln
Der moderne Weinbau der Abruzzen konzentriert sich stark auf die Hügellandschaften zwischen Küste und Gebirge.
Die Böden unterscheiden sich von Ort zu Ort und enthalten unter anderem Ton, Kalk, Sand und unterschiedliche Sedimentgesteine.
Dadurch können selbst Weine derselben Rebsorte unterschiedliche Stilrichtungen entwickeln. Herkunft und Höhenlage gewinnen deshalb auch in den Abruzzen zunehmend an Bedeutung.
Montepulciano – die große rote Rebsorte der Abruzzen
Montepulciano ist die wichtigste rote Rebsorte der Abruzzen und wächst auf rund 17.000 Hektar. Damit stellt sie mehr als die Hälfte der regionalen Rebsortenbasis.
Die spät reifende Sorte fühlt sich im warmen, aber durch Meer und Gebirge beeinflussten Klima der Region besonders wohl.
Montepulciano kann tief gefärbte Rotweine mit dunklen Kirschen, Pflaumen, Beeren, Kräutern und Gewürzen hervorbringen. Je nach Ertrag und Ausbau reicht das Spektrum von saftig und unkompliziert bis zu konzentriert, strukturiert und lagerfähig.
Montepulciano d’Abruzzo – Rebsorte und Herkunft
Montepulciano d’Abruzzo bezeichnet einen Wein aus der Rebsorte Montepulciano, der innerhalb der geschützten Herkunft in den Abruzzen erzeugt wird.
Für die DOC sind ausschließlich geeignete Hügel- und Hochflächen zugelassen. Montepulciano bildet dabei die klare Grundlage der Weine.
Innerhalb der großen Herkunft existieren inzwischen zusätzliche geografische Unterteilungen, die den unterschiedlichen Teilgebieten der Abruzzen stärker Rechnung tragen.
Montepulciano d’Abruzzo ist nicht Vino Nobile di Montepulciano
Kaum ein italienischer Weinname sorgt häufiger für Verwechslungen.
Bei Montepulciano d’Abruzzo bezeichnet Montepulciano die Rebsorte. Der Wein stammt aus den Abruzzen.
Vino Nobile di Montepulciano kommt dagegen aus der toskanischen Stadt Montepulciano und wird hauptsächlich aus Sangiovese erzeugt. Die beiden Weine haben außer dem Namen „Montepulciano“ nichts miteinander zu tun.
Vom fruchtigen Rotwein bis zur Riserva
Montepulciano d’Abruzzo besitzt eine erstaunlich große stilistische Bandbreite.
Jüngere Weine können saftig, fruchtbetont und zugänglich sein. Bei niedrigeren Erträgen, geeigneten Standorten und längerer Reife entstehen dagegen kräftige Rotweine mit ausgeprägtem Tannin und gutem Reifepotenzial.
Gereifte Riserva-Weine können neben dunkler Frucht zunehmend würzige, erdige, balsamische und tabakartige Noten entwickeln.
Colline Teramane – die DOCG des Montepulciano
Im Norden der Abruzzen liegt mit Montepulciano d’Abruzzo Colline Teramane eine besonders herausgehobene Herkunft.
Sie besitzt DOCG-Status und umfasst Weinberge in der Provinz Teramo zwischen dem Gran-Sasso-Massiv und der Adriaküste.
Die Herkunft steht exemplarisch für die Entwicklung der Abruzzen weg vom reinen Mengenwein und hin zu stärker definierten regionalen Spitzenweinen.
Cerasuolo d’Abruzzo – viel mehr als gewöhnlicher Rosé
Cerasuolo d’Abruzzo wird aus Montepulciano-Trauben erzeugt, ist aber kein heller Nebenstil des Rotweins. Seit 2010 besitzt Cerasuolo d’Abruzzo eine eigene DOC.
Sein Name leitet sich von „cerasa“, dem regionalen Ausdruck für Kirsche, ab und verweist auf die charakteristische kirschrote Farbe.
Im Vergleich zu vielen sehr hellen Roséweinen besitzt Cerasuolo häufig mehr Farbe, Frucht, Körper und Struktur.
Wie entsteht Cerasuolo d’Abruzzo?
Die Grundlage bildet dieselbe dunkle Montepulciano-Traube, aus der auch Montepulciano d’Abruzzo erzeugt wird.
Für Cerasuolo bleibt der Most nur kurze Zeit mit den Beerenschalen in Kontakt oder die roten Trauben werden ähnlich wie Weißwein verarbeitet. Dadurch gelangt weniger Farbe und Tannin in den Wein.
Das Ergebnis verbindet häufig rote Kirschen und Beeren mit Frische und einer Struktur, die auch kräftigere Speisen begleiten kann.
Trebbiano d’Abruzzo – der weiße Klassiker
Trebbiano d’Abruzzo gehört zu den historischen Weißweinen der Region.
Die DOC erlaubt Trebbiano Abruzzese und Trebbiano Toscano als Grundlage. Die Bezeichnung Trebbiano umfasst also nicht einfach eine einzige klar abgegrenzte Rebsorte.
Je nach Ausgangsmaterial, Standort und Ertrag kann Trebbiano d’Abruzzo vom unkomplizierten, frischen Weißwein bis zu erstaunlich komplexen und langlebigen Weinen reichen.
Trebbiano kann wesentlich mehr als neutral
Trebbiano hatte lange den Ruf einer vor allem ertragreichen und neutralen Weißweinsorte. Dieses Bild ist nur teilweise gerechtfertigt.
Alte Rebanlagen, geringere Erträge und sorgfältige Arbeit können Weine mit Zitrusfrucht, gelbem Apfel, Kräutern, floralen Noten und einer feinen mandeligen Würze hervorbringen.
Gerade qualitätsorientierte Erzeuger haben dazu beigetragen, das Potential des Trebbiano d’Abruzzo wieder stärker sichtbar zu machen.
Pecorino – die Wiederentdeckung einer alten Rebsorte
Pecorino gehört heute zu den spannendsten weißen Rebsorten Mittelitaliens.
Die Sorte war lange stark zurückgegangen und wurde erst in den vergangenen Jahrzehnten wieder intensiver kultiviert. Heute spielt sie insbesondere in den Abruzzen und den angrenzenden Marken eine wichtige Rolle.
Pecorino kann Weißweine mit ausgeprägter Säure, Zitrusfrucht, gelben Früchten, Kräutern und floralen Noten hervorbringen. Gute Exemplare verbinden Reife mit bemerkenswerter Frische.
Hat Pecorino-Wein etwas mit Käse zu tun?
Nein. Pecorino-Wein wird nicht aus Käse hergestellt und schmeckt selbstverständlich auch nicht danach.
Die genaue Herkunft des Rebsortennamens ist nicht abschließend geklärt. Häufig wird eine Verbindung zu „pecora“, dem italienischen Wort für Schaf, hergestellt.
Wein und gleichnamiger Käse sind also zwei vollkommen unterschiedliche Produkte.
Passerina – die leichtere weiße Seite
Passerina ist eine weitere traditionelle weiße Rebsorte Mittelitaliens, die in den Abruzzen wieder an Bedeutung gewonnen hat.
Die Weine wirken häufig frisch und lebendig und können Zitrusfrucht, Apfel, weiße Blüten und feine Kräuternoten zeigen.
Neben stillen Weißweinen eignet sich Passerina aufgrund ihrer Frische auch für die Herstellung von Schaumwein.
Cococciola – eine regionale Spezialität
Cococciola ist eine weniger bekannte weiße Rebsorte, die besonders mit den Abruzzen verbunden ist.
Früher wurde sie häufig als Bestandteil von Cuvées verwendet. Heute wird sie zunehmend auch eigenständig ausgebaut.
Ihre natürliche Frische macht sie sowohl für Stillwein als auch für Schaumwein interessant. Die Abruzzo DOC erkennt Cococciola ausdrücklich als eigene Rebsortenbezeichnung an.
Malvasia in den Abruzzen
Auch Malvasia gehört zur weißen Rebsortenlandschaft der Abruzzen. Hinter dem Namen Malvasia steht allerdings keine einzelne Rebsorte, sondern eine größere Familie verschiedener Sorten.
In den Abruzzen entstehen daraus unter anderem aromatische Weißweine mit floralen und fruchtigen Noten.
Die Abruzzo DOC sieht Malvasia ausdrücklich auch als Rebsortenwein vor.
Abruzzo DOC – Bühne für Pecorino, Passerina und Co.
Neben den bekannten Herkunftsbezeichnungen Montepulciano d’Abruzzo, Trebbiano d’Abruzzo und Cerasuolo d’Abruzzo existiert die übergeordnete Abruzzo DOC.
Sie spielt insbesondere für regionale weiße Rebsorten eine wichtige Rolle. Pecorino, Passerina, Cococciola und Montonico können hier mit ihrer Rebsorte auf dem Etikett erscheinen.
Damit stärkt die Herkunft gerade jene Sorten, die lange im Schatten von Montepulciano und Trebbiano standen.
Terre di Chieti – eine wichtige IGT
Ein großer Teil des Weinbaus liegt in der Provinz Chieti im Südosten der Abruzzen. Hier befindet sich auch die geschützte geografische Angabe Terre di Chieti.
Sie ermöglicht eine große Bandbreite an Rebsorten und Weinstilen und gibt den Erzeugern mehr Freiheit als die enger gefassten DOC-Regelwerke.
Gerade regionale Rebsorten wie Passerina und Malvasia können deshalb auch unter dieser Herkunft auf den Markt kommen.
Pergola Abruzzese – die traditionelle Reberziehung
Ein charakteristisches Bild vieler Weinberge der Abruzzen ist die Pergola Abruzzese.
Dabei werden die Triebe hoch über dem Boden auf einem horizontalen Gerüst geführt. Die Trauben hängen unter einem schützenden Blätterdach.
Diese traditionelle Erziehungsform bietet im warmen Klima Schutz vor intensiver Sonne. Gleichzeitig ist ihre Bewirtschaftung arbeitsintensiver als bei modernen Spaliersystemen.
Bio-Wein aus den Abruzzen
Biologischer und biodynamischer Weinbau haben in den Abruzzen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Bedeutung gewonnen.
Das trockene Klima vieler Hügelzonen und die regelmäßige Luftbewegung zwischen Meer und Gebirge können günstige Voraussetzungen bieten.
Gleichzeitig verlangt biologischer Weinbau eine genaue Anpassung an Standort und Jahrgang. Bodenpflege, Biodiversität und die Widerstandskraft der Weinberge spielen dabei eine wichtige Rolle.
Cantina Orsogna – Bio aus den Hügeln der Majella
Einen besonderen Schwerpunkt unseres Abruzzen-Sortiments bilden die Weine der Bio Cantina Sociale Orsogna in der Provinz Chieti.
Die Genossenschaft wurde 1964 von 35 Winzern gegründet. Heute gehören ihr rund 450 Weinbauern an, deren überwiegend familiengeführte Betriebe die Grundlage der Kellerei bilden.
Der Standort Orsogna liegt in der Hügellandschaft zwischen Adriaküste und Majella und verbindet damit zwei der prägenden klimatischen Einflüsse der Region.
Lunaria – biologisch und biodynamisch
Das Lunaria-Projekt der Cantina Orsogna begann 2003, als bereits biologisch arbeitende Mitglieder der Genossenschaft ihre Weinberge zusätzlich nach biodynamischen Prinzipien bewirtschafteten.
Heute werden die Lunaria-Weine biologisch und biodynamisch nach Demeter-Richtlinien erzeugt. Die Weine vergären spontan.
Mit Trebbiano, Pecorino, Passerina und Malvasia zeigt Lunaria in unserem Sortiment besonders schön die weiße Rebsortenvielfalt der Abruzzen.
Montepulciano in unterschiedlichen Stilrichtungen
Auch beim Montepulciano zeigt unser Sortiment, wie unterschiedlich dieselbe Rebsorte interpretiert werden kann.
Neben fruchtbetonten Bio-Weinen führen wir kräftigere Varianten und gereifte Riserva-Weine. Dadurch wird die große Spannweite des Montepulciano d’Abruzzo unmittelbar sichtbar.
Der Vergleich lohnt sich besonders, weil Reifezeit, Jahrgang und Ausbau den Charakter dieser Rebsorte erheblich verändern können.
Wie schmeckt Wein aus den Abruzzen?
Einen einzigen Abruzzen-Stil gibt es nicht. Die wichtigsten regionalen Rebsorten besitzen sehr unterschiedliche Charaktere.
Montepulciano kann dunkel, saftig und fruchtbetont oder kräftig und strukturiert sein. Cerasuolo verbindet rote Frucht mit der Frische eines Roséweins.
Trebbiano zeigt häufig eine zurückhaltendere, klassische Weißweinstilistik, während Pecorino meist mit stärkerer Säure und aromatischer Intensität auftritt. Passerina wiederum zeigt häufig eine leichtere und besonders frische Seite.
Welcher Abruzzen-Wein passt zum Essen?
Montepulciano d’Abruzzo ist ein vielseitiger Begleiter zu Pasta mit kräftigen Saucen, Pizza, gegrilltem Fleisch und gereiftem Käse. Strukturierte Riserva-Weine passen auch zu Schmorgerichten und Wild.
Cerasuolo d’Abruzzo funktioniert durch seine Verbindung aus Frische und Struktur hervorragend zu Antipasti, Pizza, gegrilltem Gemüse, Fisch und hellem Fleisch.
Pecorino und Passerina passen zu Fisch, Meeresfrüchten und mediterranem Gemüse. Trebbiano ist je nach Ausbau ein klassischer Begleiter zu Antipasti und leichteren Gerichten.
Wein aus den Abruzzen bei WEIN KUSCH
Unser Abruzzen-Sortiment konzentriert sich auf die charakteristischen Rebsorten der Region und legt einen besonderen Schwerpunkt auf biologisch erzeugte Weine.
Von Cantina Orsogna führen wir unter anderem Trebbiano d’Abruzzo sowie Pecorino, Passerina und Malvasia aus der biodynamisch geprägten Lunaria-Linie.
Montepulciano d’Abruzzo ist in unterschiedlichen Stilrichtungen vertreten – vom fruchtbetonten Bio-Wein bis zur gereiften Riserva. Cerasuolo d’Abruzzo ergänzt die Auswahl um den charakteristischen Roséweinstil der Region.
So lässt sich trotz unserer bewusst ausgewählten Kollektion ein erstaunlich großer Teil der abruzzesischen Weinwelt entdecken: Rot, Weiß und Rosé, klassische Herkunft und wiederentdeckte Rebsorten.