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Tannat

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Tannat – vom französischen Südwesten bis nach Uruguay

Tannat ist eine alte rote Rebsorte aus dem französischen Südwesten und besonders eng mit den Weinbaugebieten am Fuß der Pyrenäen verbunden. Madiran gehört bis heute zu ihren klassischen Herkunftsgebieten.

Im 19. Jahrhundert gelangte die Sorte nach Uruguay und entwickelte sich dort zu einer der wichtigsten Rebsorten des Landes. Heute stehen Frankreich und Uruguay für zwei der bedeutendsten Weinwelten des Tannat.

Bekannt ist die Rebsorte vor allem für ihre farbintensiven Trauben und ihren hohen Gehalt an phenolischen Verbindungen. Daraus können gerbstoffreiche und langlebige Rotweine entstehen. Wie kräftig diese tatsächlich ausfallen, hängt jedoch entscheidend von Traubenreife, Extraktion und Ausbau ab.

Woher stammt Tannat?

Die historischen Wurzeln der Rebsorte liegen im Südwesten Frankreichs, insbesondere im Gebiet nahe der Pyrenäen.

Die französische Rebsortendatenbank PlantGrape ordnet Tannat den Weinbergen im Pyrenäenraum zu. Bis heute besitzt die Sorte dort eine besondere Bedeutung.

Zu den bekanntesten Herkunftsgebieten gehören Madiran und Irouléguy. Von Frankreich aus gelangte die Sorte später auch in andere Teile der Weinwelt.

Woher kommt der Name Tannat?

Der Name Tannat wird häufig mit dem hohen Gerbstoffgehalt der Sorte in Verbindung gebracht. Tatsächlich besitzt die Rebsorte einen ausgeprägten Gehalt an Tanninen und anderen phenolischen Verbindungen.

Aus der Ähnlichkeit zwischen „Tannat“ und „Tannin“ sollte jedoch keine zu einfache sprachgeschichtliche Herleitung konstruiert werden.

Für den Wein ist ohnehin wichtiger, dass die Beerenschalen und Kerne ein erhebliches Gerbstoffpotenzial besitzen, dessen Nutzung stark von der Weinbereitung abhängt.

Wo wird Tannat heute angebaut?

Die wichtigsten Anbaugebiete liegen heute in Frankreich und Uruguay.

In Frankreich konzentriert sich die Sorte besonders auf den Südwesten. In Uruguay besitzt Tannat dagegen eine landesweite Bedeutung und gilt als die charakteristische rote Rebsorte des Landes.

Kleinere Bestände existieren außerdem in weiteren Weinbauländern, darunter Argentinien, Brasilien und die USA.

Welche Bedeutung hat Tannat in Madiran?

Madiran im französischen Südwesten gehört zu den historischen Kerngebieten der Rebsorte.

Die offiziellen Stellen der Appellation bezeichnen Tannat als emblematische Rebsorte des Gebietes. Daneben können in Madiran weitere traditionelle rote Sorten vorkommen.

Die Verbindung zwischen Madiran und Tannat hat den internationalen Ruf der Sorte stark geprägt: strukturierte, gerbstoffreiche und zur Reife fähige Rotweine gehören zu den klassischen Ausdrucksformen der Region.

Welche Bedeutung hat Tannat in Irouléguy?

Auch Irouléguy im französischen Baskenland gehört zum historischen Verbreitungsgebiet der Rebsorte.

Die Weinberge liegen im westlichen Pyrenäenraum und besitzen damit andere klimatische und topografische Bedingungen als viele wärmere Tannat-Regionen außerhalb Europas.

Die Rebsorte ist dort Teil einer langen regionalen Weinbautradition und kann sowohl reinsortig als auch gemeinsam mit anderen roten Sorten verwendet werden.

Wie kam Tannat nach Uruguay?

Tannat gelangte im 19. Jahrhundert mit europäischen Einwanderern nach Uruguay.

Besonders eng ist ihre Geschichte mit Pascual Harriague verbunden, einem aus dem französischen Baskenland stammenden Einwanderer, der die Sorte in Uruguay kultivierte und zu ihrer Verbreitung beitrug.

Die Rebsorte wurde deshalb in Uruguay lange auch unter dem Namen Harriague geführt.

Warum ist Tannat für Uruguay so wichtig?

Tannat entwickelte sich in Uruguay von einer eingeführten europäischen Sorte zu einem zentralen Bestandteil der nationalen Weinkultur.

Die klimatischen Bedingungen unterscheiden sich deutlich vom trockenen Bild, das viele Menschen mit südamerikanischem Weinbau verbinden. Der Atlantik sorgt in großen Teilen Uruguays für maritimen Einfluss und vergleichsweise hohe Luftfeuchtigkeit.

Dadurch entstehen andere Wachstumsbedingungen als beispielsweise in vielen kontinental geprägten Regionen Argentiniens. Die unterschiedlichen Herkünfte Uruguays zeigen zugleich, dass auch „uruguayischer Tannat“ kein einheitlicher Weinstil ist.

Ist Tannat die Nationalrebsorte Uruguays?

Tannat wird häufig als Nationalrebsorte oder emblematische Rebsorte Uruguays bezeichnet.

Gemeint ist damit ihre besondere kulturelle und weinwirtschaftliche Bedeutung für das Land. Die Rebsorte stammt ursprünglich nicht aus Uruguay, sondern wurde im 19. Jahrhundert aus Europa eingeführt.

Ihre heutige Identifikation mit Uruguay ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass eine Rebsorte außerhalb ihres Ursprungsgebietes eine neue und eigenständige Weintradition entwickeln kann.

Ist Harriague dasselbe wie Tannat?

Ja. Harriague ist eine historische Bezeichnung für Tannat in Uruguay.

Der Name erinnert an Pascual Harriague, der bei der Etablierung der Rebsorte im uruguayischen Weinbau eine wichtige Rolle spielte.

Heute wird international überwiegend die Bezeichnung Tannat verwendet.

Wann reift Tannat?

Tannat gehört zu den spät reifenden Rebsorten. Die offizielle Appellation Madiran beschreibt die Sorte ausdrücklich als spät reifend.

Eine lange Vegetationsperiode kann deshalb von Vorteil sein, damit Zucker, Säure und insbesondere die phenolischen Bestandteile der Trauben eine geeignete Reife erreichen.

Der optimale Lesezeitpunkt richtet sich dennoch nach Standort, Jahrgang und gewünschtem Weinstil.

Warum ist die phenolische Reife bei Tannat wichtig?

Bei Rotwein geht es bei der Reife nicht ausschließlich um den Zuckergehalt der Trauben.

Auch Schalen und Kerne entwickeln sich während der Reife. Bei einer Rebsorte mit hohem Gerbstoffpotenzial wie Tannat ist diese phenolische Entwicklung besonders relevant.

Werden Trauben mit noch sehr unreifen phenolischen Bestandteilen stark extrahiert, können Gerbstoffe im fertigen Wein besonders hart, bitter oder austrocknend wirken.

Warum hat Tannat so viele Tannine?

Tannat besitzt Trauben mit einem hohen Gehalt an phenolischen Verbindungen. Dazu gehören auch die Gerbstoffe, die als Tannine bezeichnet werden.

Sie befinden sich unter anderem in Beerenschalen und Kernen und werden während der Rotweinbereitung in unterschiedlichem Umfang in den Wein übertragen.

Wie gerbstoffreich ein fertiger Tannat tatsächlich wirkt, hängt deshalb nicht nur von der Rebsorte, sondern auch von Reife und Extraktion ab.

Was sind Tannine?

Tannine gehören zu den phenolischen Verbindungen der Traube und sind besonders für die Struktur vieler Rotweine wichtig.

Im Mund können sie ein trockenes, zusammenziehendes Gefühl hervorrufen. Dieses Empfinden wird als Adstringenz bezeichnet.

Tannine sind dabei weder grundsätzlich gut noch schlecht. Entscheidend sind ihre Menge, Reife, Struktur und ihr Zusammenspiel mit Säure, Alkohol, Frucht und anderen Bestandteilen des Weines.

Was bedeutet Adstringenz bei Tannat?

Adstringenz ist das trockene oder zusammenziehende Mundgefühl, das Gerbstoffe hervorrufen können.

Tannine reagieren unter anderem mit Proteinen im Speichel. Dadurch verändert sich die Gleitfähigkeit im Mund und es entsteht der typische trockene Eindruck.

Bei Tannat kann diese Wahrnehmung aufgrund des hohen Gerbstoffpotenzials besonders deutlich sein. Durch Traubenreife, angepasste Extraktion und Reife des Weines kann sich die Wahrnehmung jedoch erheblich verändern.

Ist Tannat die tanninreichste Rebsorte?

Tannat gehört zweifellos zu den Rebsorten mit hohem Polyphenol- und Gerbstoffpotenzial.

Eine absolute Rangliste der „tanninreichsten Rebsorten“ ist jedoch wenig sinnvoll. Klon, Standort, Jahrgang, Reifegrad und Weinbereitung beeinflussen die gemessenen und sensorisch wahrgenommenen Werte erheblich.

Präziser ist deshalb die Aussage, dass Tannat von Natur aus ein hohes Potenzial für gerbstoffreiche Rotweine besitzt.

Hat Tannat eine dicke Beerenschale?

Tannat wird zu den eher dickschaligen roten Rebsorten gezählt.

Die Schalen besitzen einen hohen Anteil an Farbstoffen und weiteren phenolischen Verbindungen. Während der Maischegärung können diese Bestandteile in den Wein übergehen.

Genau deshalb spielt eine angepasste Extraktion bei Tannat eine besonders wichtige Rolle.

Warum ist Tannat so dunkel?

Tannat kann sehr farbintensive Rotweine hervorbringen. Dafür sind insbesondere Anthocyane verantwortlich, die sich in den Beerenschalen befinden.

Während der Maischegärung werden diese Farbstoffe aus den Schalen extrahiert.

Die tatsächliche Farbe des fertigen Weines hängt jedoch zusätzlich von Reife, Extraktion, Weinbereitung und Alter ab. Eine besonders dunkle Farbe ist für sich genommen kein Qualitätsmerkmal.

Wie schmeckt Tannat?

Bei Weinen aus Tannat werden häufig dunkle Früchte, Pflaumen, Brombeeren, Gewürze, Kräuter oder erdige Eindrücke beschrieben.

Charakteristisch kann außerdem eine deutliche Gerbstoffstruktur sein.

Diese Beschreibungen sind jedoch keine verbindliche Aromaliste. Klima, Reife, Extraktion, Gärung, Holz und Flaschenreife können das sensorische Bild erheblich verändern.

Ist Tannat immer schwer und kräftig?

Nein. Das hohe Gerbstoff- und Farbpotenzial der Rebsorte ermöglicht kräftige und konzentrierte Rotweine, schreibt diesen Stil aber nicht zwingend vor.

Eine frühere Lese, zurückhaltende Extraktion, unterschiedliche Ausbaugefäße und andere Kellerentscheidungen können frischere und weniger massive Interpretationen ermöglichen.

Auch Herkunft und Klima beeinflussen Alkohol, Säure und Struktur des späteren Weines.

Hat Tannat viel Säure?

Tannat kann neben einer deutlichen Gerbstoffstruktur auch eine ausgeprägte Säure besitzen.

Wie diese im fertigen Wein wahrgenommen wird, hängt von Traubenreife, Klima, Alkohol, Extrakt und Weinbereitung ab.

Gerade das Zusammenspiel aus Säure und Tannin kann zum Reifepotenzial hochwertiger Tannat-Weine beitragen.

Welche Rolle spielt die Extraktion bei Tannat?

Die Extraktion gehört zu den entscheidenden Stellschrauben bei der Weinbereitung von Tannat.

Während der Maischegärung werden Farbe, Gerbstoffe und weitere Verbindungen aus den Beerenschalen und Kernen gelöst. Temperatur, Dauer und mechanische Bearbeitung beeinflussen, wie intensiv dieser Prozess verläuft.

Gerade bei einer phenolreichen Rebsorte bedeutet maximale Extraktion nicht maximale Qualität. Eine kontrollierte, an das Traubenmaterial angepasste Verarbeitung kann entscheidend für Balance und Textur sein.

Was bedeutet Maischegärung bei Tannat?

Bei der Rotweinbereitung wird der Most gemeinsam mit Beerenschalen und weiteren festen Bestandteilen der Trauben vergoren.

Während dieses Kontakts gelangen Farbstoffe, Gerbstoffe und Aromavorstufen in den Wein.

Bei Tannat ist die Steuerung dieser Phase besonders wichtig, weil bereits das Ausgangsmaterial ein hohes phenolisches Potenzial besitzt.

Was ist Mikrooxygenation?

Mikrooxygenation bezeichnet die kontrollierte Zufuhr sehr kleiner Mengen Sauerstoff während bestimmter Phasen der Weinbereitung.

Das Verfahren wurde insbesondere im französischen Südwesten entwickelt und ist eng mit der Arbeit an gerbstoffreichen Weinen verbunden.

Sauerstoff kann chemische Reaktionen zwischen phenolischen Verbindungen beeinflussen und damit Farbe und Gerbstoffstruktur verändern.

Warum wird Mikrooxygenation bei Tannat eingesetzt?

Bei sehr gerbstoffreichen Rotweinen kann eine kontrollierte Sauerstoffzufuhr dazu beitragen, die Entwicklung der phenolischen Struktur während des Ausbaus zu steuern.

Tannat wurde deshalb zu einer der Rebsorten, bei denen Mikrooxygenation besondere Aufmerksamkeit erhielt.

Das Verfahren ist jedoch weder zwingend notwendig noch automatisch ein Qualitätsmerkmal. Auch traditioneller Fassausbau ermöglicht einen kontrollierten Sauerstoffkontakt.

Wird Tannat im Holzfass ausgebaut?

Besonders strukturierte Tannat-Weine werden häufig im Holzfass ausgebaut.

Holz kann über einen langsamen Sauerstoffaustausch die Entwicklung der Gerbstoffstruktur beeinflussen. Neue Fässer können zusätzlich eigene Aromastoffe beitragen.

Fassgröße, Alter des Holzes, Toasting und Dauer des Ausbaus bestimmen dabei, wie stark dieser Einfluss tatsächlich ausfällt.

Braucht Tannat Holz?

Nein. Holzfassausbau ist eine mögliche Weinbereitungsmethode, aber keine Voraussetzung für hochwertigen Tannat.

Die Rebsorte kann auch in Edelstahl, Beton oder anderen neutralen Gebinden ausgebaut werden.

Entscheidend ist, wie der Winzer mit der vorhandenen Gerbstoffstruktur umgeht und welchen Stil er erreichen möchte.

Kann Tannat spontan vergoren werden?

Ja. Tannat kann sowohl spontan mit natürlich vorhandenen Hefen als auch kontrolliert mit ausgewählten Reinzuchthefen vergoren werden.

Die Wahl der Gärführung kann den Verlauf und das spätere sensorische Ergebnis beeinflussen.

Spontangärung oder Reinzuchthefe sind jedoch für sich genommen keine Qualitätsmerkmale.

Was ist biologischer Säureabbau bei Tannat?

Wie bei vielen Rotweinen kann nach der alkoholischen Gärung ein biologischer Säureabbau stattfinden.

Dabei wird die stärker sauer wirkende Äpfelsäure durch Milchsäurebakterien in mildere Milchsäure umgewandelt.

Dieser Prozess verändert Säurewahrnehmung und Aromatik und kann bei strukturierten Rotweinen ein wichtiger Bestandteil der Weinbereitung sein.

Wird Tannat reinsortig ausgebaut?

Ja. Sowohl in Frankreich als auch in Uruguay werden reinsortige Tannat-Weine erzeugt.

Die Sorte kann jedoch ebenso Bestandteil von Cuvées sein.

Gerade im französischen Südwesten besitzt das Verschneiden mit anderen regionalen Rebsorten eine lange Tradition.

Welche Rebsorten werden mit Tannat verschnitten?

Die verwendeten Partner unterscheiden sich nach Herkunft.

Im französischen Südwesten können beispielsweise Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon gemeinsam mit Tannat auftreten.

Auch in Uruguay werden Cuvées aus Tannat und anderen internationalen oder regional angebauten roten Sorten erzeugt. Die konkrete Zusammensetzung richtet sich nach Herkunft und Stil des Weines.

Was ist der Unterschied zwischen Tannat und Cabernet Sauvignon?

Tannat und Cabernet Sauvignon sind eigenständige rote Rebsorten.

Beide besitzen ein hohes Potenzial für Farbe, Gerbstoffe und langlebige Rotweine. Ihre weinbaulichen Eigenschaften und ihre genetische Herkunft unterscheiden sich jedoch.

Auch bei beiden Sorten entscheidet die Weinbereitung wesentlich darüber, wie kräftig die Gerbstoffe im fertigen Wein tatsächlich wirken.

Was ist der Unterschied zwischen Tannat und Malbec?

Tannat und Malbec stammen beide aus dem französischen Rebsortenbestand, sind aber eigenständige Sorten.

Beide haben außerhalb Frankreichs eine zweite internationale Heimat gefunden: Tannat besonders in Uruguay, Malbec vor allem in Argentinien.

Diese Entwicklung macht beide Sorten zu spannenden Beispielen dafür, wie neue Standorte die internationale Wahrnehmung einer historischen europäischen Rebsorte verändern können.

Was ist der Unterschied zwischen Tannat und Cabernet Franc?

Tannat und Cabernet Franc sind eigenständige rote Rebsorten.

Beide können im französischen Südwesten gemeinsam in Cuvées vorkommen. Tannat besitzt dabei grundsätzlich ein besonders hohes Gerbstoff- und Farbpotenzial.

Welche Sorte einen fertigen Wein stärker prägt, lässt sich jedoch nicht allein aus allgemeinen Rebsortenbeschreibungen ableiten.

Kann Tannat lange reifen?

Hochwertige Tannat-Weine können ein erhebliches Reifepotenzial besitzen.

Gerbstoffe, Säure, Konzentration und eine sorgfältige Weinbereitung können dazu beitragen, dass sich strukturierte Weine über viele Jahre auf der Flasche entwickeln.

Nicht jeder Tannat ist jedoch für jahrzehntelange Lagerung gedacht. Moderne, fruchtbetontere Varianten können bewusst für einen früheren Genuss erzeugt werden.

Was passiert mit den Tanninen bei der Flaschenreife?

Während der Reife laufen zahlreiche chemische Veränderungen im Wein ab.

Phenolische Verbindungen reagieren miteinander und können größere Strukturen bilden. Ein Teil kann sich im Laufe der Zeit auch als Depot absetzen.

Dadurch kann sich die Gerbstoffwahrnehmung verändern und weniger kantig erscheinen. Die häufige Aussage, Tannine würden einfach „verschwinden“, beschreibt diese komplexen Vorgänge jedoch nur unzureichend.

Warum bildet gereifter Tannat Depot?

Bei gereiften, wenig filtrierten Rotweinen können sich Farbstoffe und phenolische Verbindungen im Laufe der Zeit verbinden und als Sediment ausfallen.

Bei einem phenolreichen Wein wie Tannat kann ein solches Depot besonders sichtbar sein.

Es handelt sich dabei nicht um einen Weinfehler. Gereifte Flaschen können vor dem Servieren vorsichtig dekantiert werden, wenn das Depot vom Wein getrennt werden soll.

Sollte man Tannat dekantieren?

Das hängt vom Alter und Stil des konkreten Weines ab.

Ein junger, verschlossener und gerbstoffreicher Tannat kann von zusätzlichem Luftkontakt profitieren. Bei einem alten, empfindlichen Wein kann zu viel Sauerstoff dagegen nachteilig sein.

Bei gereiften Flaschen dient das Dekantieren häufig vor allem dazu, vorhandenes Depot vom klaren Wein zu trennen.

Ist Tannat ein gesunder Wein?

Tannat besitzt aufgrund seines hohen Polyphenolgehalts häufig vergleichsweise hohe Mengen bestimmter phenolischer Verbindungen.

Daraus sollte jedoch keine pauschale Gesundheitswirkung des Weines abgeleitet werden. Wein ist ein alkoholisches Getränk und enthält Ethanol.

Ein hoher Polyphenolgehalt macht alkoholischen Wein deshalb nicht zu einem Gesundheitsprodukt.

Hat Tannat besonders viele Antioxidantien?

Tannat ist für einen hohen Gehalt an Polyphenolen bekannt. Einige dieser Verbindungen besitzen in chemischen beziehungsweise biologischen Systemen antioxidative Eigenschaften.

Die Übertragung solcher Laborbefunde auf eine gesundheitliche Empfehlung zum Weinkonsum wäre jedoch nicht gerechtfertigt.

Für die Weinqualität sind Polyphenole vor allem wegen ihrer Bedeutung für Farbe, Gerbstoffstruktur und Reifefähigkeit interessant.

Warum schmeckt Tannat aus Uruguay anders als Tannat aus Madiran?

Die Rebsorte ist dieselbe, die Wachstumsbedingungen sind es nicht.

Klima, Niederschlag, maritime Einflüsse, Bodenverhältnisse, Ertrag und Lesezeitpunkt können die Zusammensetzung der Trauben verändern.

Zusätzlich unterscheiden sich die Entscheidungen im Keller. Deshalb können zwei Tannat-Weine aus Uruguay und Madiran – oder sogar zwei Weine aus derselben Region – deutlich unterschiedlicher wirken, als der gemeinsame Rebsortenname vermuten lässt.

Rebsorte ist nicht gleich Weinstil

Tannat besitzt reale sortentypische Eigenschaften: ein hohes Potenzial für Farbe und phenolische Verbindungen gehört dazu.

Daraus folgt aber nicht, dass jeder Wein aus der Rebsorte massiv, schwer oder aggressiv tanninreich sein muss.

Traubenreife, Standort, Ertrag, Maischeführung, Extraktion, Sauerstoffkontakt, Ausbau und Flaschenreife bestimmen entscheidend mit, wie sich dieses genetische Potenzial später im Glas zeigt.

Welches Essen passt zu Tannat?

Gerbstoffreiche Tannat-Weine können besonders gut mit kräftigen Speisen funktionieren. Fleischgerichte, Geschmortes, Lamm oder gegrillte Speisen sind klassische Möglichkeiten.

Fett und Protein können die Wahrnehmung von Tanninen verändern und dadurch die Kombination harmonischer erscheinen lassen.

Ein frischer, weniger extrahierter Tannat verlangt allerdings nach einer anderen Speise als ein konzentrierter, lange gereifter Wein. Entscheidend bleibt deshalb immer der konkrete Weinstil.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Tannat

Was ist Tannat?
Tannat ist eine alte rote Rebsorte aus dem französischen Südwesten. Heute besitzt sie insbesondere in Madiran und Uruguay große Bedeutung.
Woher kommt Tannat?
Die historischen Wurzeln der Rebsorte liegen im französischen Pyrenäenraum. Madiran und Irouléguy gehören zu ihren klassischen Herkunftsgebieten.
Ist Tannat eine französische oder uruguayische Rebsorte?
Tannat stammt ursprünglich aus Frankreich. Im 19. Jahrhundert wurde die Sorte nach Uruguay gebracht und entwickelte sich dort zu einer der wichtigsten Rebsorten des Landes.
Ist Tannat die Nationalrebsorte Uruguays?
Tannat wird häufig als Nationalrebsorte oder emblematische Rebsorte Uruguays bezeichnet. Gemeint ist ihre besondere kulturelle und weinwirtschaftliche Bedeutung für das Land.
Wer brachte Tannat nach Uruguay?
Besonders eng ist die Einführung und Verbreitung der Sorte mit Pascual Harriague verbunden, einem Einwanderer aus dem französischen Baskenland.
Ist Harriague dasselbe wie Tannat?
Ja. Harriague ist eine historische uruguayische Bezeichnung für Tannat und erinnert an Pascual Harriague.
Wann reift Tannat?
Tannat gehört zu den spät reifenden Rebsorten. Eine ausreichend lange Vegetationsperiode ist deshalb besonders wichtig.
Hat Tannat viele Tannine?
Tannat besitzt ein hohes natürliches Potenzial für Gerbstoffe und andere phenolische Verbindungen. Wie tanninreich der fertige Wein wirkt, hängt jedoch stark von Reife und Weinbereitung ab.
Was bedeutet Tannin?
Tannine sind phenolische Verbindungen, die im Mund ein trockenes und zusammenziehendes Gefühl erzeugen können. Sie stammen bei Rotwein unter anderem aus Beerenschalen und Kernen sowie teilweise aus dem Holzfass.
Was bedeutet adstringierend?
Adstringenz bezeichnet das trockene, zusammenziehende Mundgefühl, das Gerbstoffe hervorrufen können.
Ist Tannat die tanninreichste Rebsorte?
Tannat gehört zu den Rebsorten mit besonders hohem Gerbstoffpotenzial. Eine allgemeingültige Rangliste ist jedoch wenig sinnvoll, weil Standort, Reife und Weinbereitung die Werte stark beeinflussen.
Wie schmeckt Tannat?
Häufig werden dunkle Früchte, Pflaumen, Brombeeren, Gewürze oder Kräuter beschrieben. Typisch kann eine deutliche Gerbstoffstruktur sein. Ein festes Aromaprofil besitzt die Rebsorte jedoch nicht.
Ist Tannat immer schwer?
Nein. Tannat kann sehr konzentrierte Rotweine hervorbringen, aber durch Herkunft, Lesezeitpunkt und zurückhaltende Extraktion sind auch frischere und weniger massive Stile möglich.
Warum ist Tannat so dunkel?
Die Beerenschalen besitzen viele Farbstoffe beziehungsweise Anthocyane. Während der Maischegärung können diese in den Wein extrahiert werden.
Welche Rolle spielt die Extraktion bei Tannat?
Eine sehr große. Tannat besitzt bereits von Natur aus viele phenolische Verbindungen. Dauer, Temperatur und Intensität der Maischearbeit bestimmen wesentlich mit, wie viel davon in den fertigen Wein gelangt.
Was ist Mikrooxygenation bei Tannat?
Mikrooxygenation ist die kontrollierte Zufuhr sehr kleiner Sauerstoffmengen während der Weinbereitung. Sie kann die Entwicklung von Farbe und Gerbstoffstruktur beeinflussen.
Muss Tannat im Holzfass ausgebaut werden?
Nein. Holz kann die Entwicklung strukturierter Tannat-Weine unterstützen, ist aber keine Voraussetzung. Auch Edelstahl, Beton und andere Gebinde sind möglich.
Wird Tannat reinsortig ausgebaut?
Ja. Sowohl in Frankreich als auch in Uruguay gibt es reinsortige Tannat-Weine. Die Sorte wird jedoch auch für Cuvées verwendet.
Kann Tannat lange lagern?
Hochwertige, strukturierte Tannat-Weine können ein erhebliches Reifepotenzial besitzen. Gerbstoffe, Säure und Konzentration können eine lange Flaschenentwicklung ermöglichen.
Sollte man Tannat dekantieren?
Junge, gerbstoffreiche Weine können von Luftkontakt profitieren. Bei gereiften Flaschen kann Dekantieren außerdem helfen, vorhandenes Depot vom Wein zu trennen.
Ist Tannat gesund?
Tannat kann viele Polyphenole enthalten. Daraus sollte jedoch keine pauschale Gesundheitswirkung abgeleitet werden: Wein enthält Alkohol und ist kein Gesundheitsprodukt.
Was ist der Unterschied zwischen Tannat und Malbec?
Es handelt sich um eigenständige französische Rebsorten. Beide wurden außerhalb Frankreichs besonders bekannt: Tannat in Uruguay und Malbec in Argentinien.
Was ist der Unterschied zwischen Tannat und Cabernet Sauvignon?
Beide können farbintensive, gerbstoffreiche und langlebige Rotweine hervorbringen, sind aber eigenständige Rebsorten mit unterschiedlichen genetischen und weinbaulichen Eigenschaften.
Welches Essen passt zu Tannat?
Strukturierte Tannat-Weine können gut zu Fleischgerichten, Lamm, Gegrilltem oder Schmorgerichten passen. Bei leichteren Varianten sollte die Speise entsprechend weniger kräftig gewählt werden.