Bacchus
Die Rebsorte Bacchus – deutsche Neuzüchtung mit Geschichte
Die Rebsorte Bacchus gehört zu den deutschen Neuzüchtungen des 20. Jahrhunderts. Sie wurde 1933 von Peter Morio am Geilweilerhof in Siebeldingen gekreuzt und 1972 in die deutsche Sortenliste eingetragen.
Ihren Namen verdankt die weiße Rebsorte Bacchus, dem römischen Gott des Weines. Nach einer Phase großer Popularität in den 1970er- und 1980er-Jahren ist ihre Rebfläche in Deutschland inzwischen deutlich kleiner geworden. Besonders in Franken besitzt die Sorte jedoch bis heute eine regionale Bedeutung.
Woher stammt die Rebsorte Bacchus?
Die Rebsorte Bacchus entstand aus der Kreuzung (Silvaner × Riesling) × Müller-Thurgau. Damit vereint die Sorte genetisches Material mehrerer bedeutender mitteleuropäischer Rebsorten.
Gezüchtet wurde sie am Geilweilerhof in der Pfalz. Der Standort gehört heute zum Institut für Rebenzüchtung des Julius Kühn-Instituts und zählt zu den traditionsreichen Zentren der deutschen Rebenzüchtung.
Peter Morio und die Entstehung der Rebsorte
Der Rebenzüchter Peter Morio nahm seine Arbeit am Geilweilerhof bereits in den 1920er-Jahren auf. Aus seiner Züchtungsarbeit gingen neben der Rebsorte Bacchus weitere bekannte Sorten hervor.
Die Kreuzung erfolgte 1933. Bis zur offiziellen Eintragung in die deutsche Sortenliste vergingen allerdings fast vier Jahrzehnte: Sie erfolgte erst im Jahr 1972.
Warum wurde die Rebsorte Bacchus so populär?
Eine wichtige Eigenschaft der Rebsorte ist ihre vergleichsweise frühe Reife. Dadurch kann sie früh hohe Reifegrade erreichen und wurde historisch auch in Lagen kultiviert, in denen später reifende Sorten wie Riesling schwieriger zur vollständigen Reife gelangten.
Hinzu kamen ihre Fruchtbarkeit und die Fähigkeit, vergleichsweise hohe Mostgewichte zu erreichen. Diese Eigenschaften trugen wesentlich zur starken Verbreitung der Sorte im deutschen Weinbau des späten 20. Jahrhunderts bei.
Der Bacchus-Boom der 1970er- und 1980er-Jahre
Besonders in den 1970er- und 1980er-Jahren nahm die Bedeutung der Rebsorte stark zu. Ihren Höhepunkt erreichte sie 1985: Damals waren 3,6 Prozent der gesamten deutschen Rebfläche mit Bacchus bestockt.
Seit Beginn der 1990er-Jahre ist die Anbaufläche deutlich zurückgegangen. 2023 standen in Deutschland noch rund 1.539 Hektar im Ertrag, entsprechend etwa 1,6 Prozent der deutschen Rebfläche.
Wo wird die Rebsorte Bacchus heute angebaut?
Die wichtigsten deutschen Anbaugebiete für die Rebsorte Bacchus sind heute Rheinhessen und Franken. Kleinere Bestände finden sich außerdem an der Nahe und in der Pfalz.
Besonders in Franken besitzt die Rebsorte bis heute einen eigenen Stellenwert. Das Deutsche Weininstitut ordnet sie dort als regionale Spezialität ein.
Welche Ansprüche stellt die Rebsorte im Weinberg?
Die Rebsorte Bacchus stellt mittlere Ansprüche an ihre Lage. Sie bevorzugt tiefgründige, frische und ausreichend nährstoffhaltige Böden.
Die Rebe wächst aufrecht und weist eine gute Holzreife auf. Gegenüber Winterfrost gilt sie als vergleichsweise wenig empfindlich.
Gleichzeitig besitzt die Sorte eine vergleichsweise dünne Beerenhaut. Das Julius Kühn-Institut weist unter anderem auf eine Empfindlichkeit gegenüber Sonnenbrand hin.
Frühe Reife als wichtiges Merkmal
Im Vergleich zu vielen anderen Rebsorten setzt die Reife bei Bacchus früh ein. Diese Eigenschaft war historisch einer der wesentlichen Gründe für die Attraktivität der Sorte im deutschen Weinbau.
Gerade unter den klimatischen Bedingungen früherer Jahrzehnte konnten damit auch Standorte genutzt werden, an denen spät reifende Rebsorten größere Schwierigkeiten hatten, zuverlässig hohe Reifegrade zu erreichen.
Wie schmeckt Wein aus der Rebsorte Bacchus?
Einen festgelegten Geschmack für Weine aus der Rebsorte Bacchus gibt es nicht. Wie sich ein Wein schließlich präsentiert, wird nicht allein durch seine Rebsorte bestimmt. Standort, Boden, Klima, Ertrag und Lesezeitpunkt haben ebenso Einfluss wie die Entscheidungen des Winzers im Keller.
Dennoch besitzt die Rebsorte bestimmte Eigenschaften und aromatische Möglichkeiten. Das Julius Kühn-Institut beschreibt daraus erzeugte Weine häufig als fruchtbetont und leicht bukettiert sowie als eher säurearm.
Das Deutsche Weininstitut nennt unter anderem Assoziationen an schwarze Johannisbeere und Orange. Daneben können florale und würzige Eindrücke, Muskatnoten oder gelegentlich an Kümmel erinnernde Nuancen auftreten.
Rebsorte ist nicht gleich Weinstil
Gerade bei aromatischen Rebsorten liegt die Versuchung nahe, aus dem Namen der Sorte unmittelbar auf den Geschmack eines Weines zu schließen. In der Praxis funktioniert diese Gleichung jedoch nur sehr eingeschränkt.
Trauben aus unterschiedlichen Lagen und Jahrgängen können sich bereits in Reife, Säure und Aromatik deutlich unterscheiden. Hinzu kommen Entscheidungen im Weinberg und im Keller – etwa Ertrag, Lesezeitpunkt, Maischestandzeit, Gärung und Ausbau.
Die Rebsorte gibt damit einen genetischen Rahmen vor. Herkunft, Jahrgang und die Arbeit des Winzers entscheiden wesentlich darüber, welche Eigenschaften im fertigen Wein tatsächlich hervortreten.
Die Rebsorte Bacchus und ihre Säure
Zu den Eigenschaften der Rebsorte Bacchus gehört, dass die daraus erzeugten Weine bei zunehmender Reife vergleichsweise moderate Säurewerte zeigen können.
Für Frische und Balance des fertigen Weines spielen deshalb unter anderem Standort, Jahrgang, Reifegrad und Lesezeitpunkt eine wichtige Rolle. Auch hier zeigt sich, warum sich aus dem Namen der Rebsorte allein kein einheitlicher Weinstil ableiten lässt.
Bacchus und Scheurebe – warum werden die Rebsorten verglichen?
Weine aus der Rebsorte Bacchus werden aufgrund ihres möglichen ausgeprägten Buketts gelegentlich mit Weinen aus der Scheurebe verglichen. Das Deutsche Weininstitut verweist bei Bacchus insbesondere auf den blumigen Muskatton, der auftreten kann.
Bacchus und Scheurebe sind dennoch eigenständige Rebsorten mit unterschiedlicher Abstammung und unterschiedlichen weinbaulichen Eigenschaften. Der Vergleich bezieht sich daher auf mögliche aromatische Überschneidungen und nicht darauf, dass beide Sorten denselben Weinstil hervorbringen.
Welches Essen passt zu Wein aus der Rebsorte Bacchus?
Auch bei der Speisenbegleitung ist der konkrete Wein wichtiger als allein die verwendete Rebsorte. Frische und aromatische Bacchus-Weine können beispielsweise gut zu Gemüse, hellem Fleisch, würzigen Speisen oder asiatisch geprägter Küche passen.
Fruchtbetontere oder restsüße Varianten können dagegen auch schärfere Speisen begleiten. Entscheidend für die Kombination mit Essen sind letztlich Säure, Süße, Alkohol, Körper und aromatische Intensität des jeweiligen Weines.
Bacchus-Wein bei WEIN KUSCH
In unserem Sortiment finden Sie ausgewählte Weine aus der Rebsorte Bacchus. Dabei verstehen wir die Rebsorte nicht als festgelegtes Geschmacksprofil, sondern als einen von mehreren Faktoren, die den Charakter eines Weines bestimmen.
Herkunft, Jahrgang und die Arbeit des jeweiligen Winzers sind mindestens ebenso spannend. Genau diese Unterschiede machen es interessant, sich einer Rebsorte über verschiedene Weine zu nähern.