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Carignan

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Die Rebsorte Carignan – alte Reben, mediterrane Herkunft und neue Aufmerksamkeit

Die Rebsorte Carignan gehört zu den traditionsreichen roten Rebsorten des westlichen Mittelmeerraums. Über lange Zeit war sie vor allem als ertragreiche Sorte bekannt und wurde in großen Mengen angebaut. Dieses Kapitel ihrer Geschichte prägt ihr Image teilweise bis heute.

Die Rebsorte darauf zu reduzieren, wird ihr jedoch nicht gerecht. Besonders alte Rebanlagen und sorgfältig bewirtschaftete Weinberge haben in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt, dass aus Carignan auch eigenständige, strukturierte und langlebige Rotweine entstehen können. Entscheidend sind dabei nicht allein die Eigenschaften der Sorte, sondern ebenso Standort, Ertrag, Reife der Trauben und die Arbeit des Winzers.

Woher stammt die Rebsorte Carignan?

Die Geschichte der Rebsorte ist eng mit dem westlichen Mittelmeerraum verbunden. Besonders bedeutend wurde sie sowohl in Spanien als auch im Süden Frankreichs, wo sie über lange Zeit große Rebflächen einnahm.

Schon die verschiedenen Namen der Sorte spiegeln ihre Verbreitung wider. In Frankreich ist sie als Carignan bekannt, in Spanien begegnet man ihr unter anderem als Cariñena und Mazuelo. In Katalonien wird außerdem die Bezeichnung Samsó verwendet.

Carignan, Cariñena und Mazuelo – ist das dieselbe Rebsorte?

Ja. Carignan, Cariñena und Mazuelo sind unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Rebsorte. Welche Bezeichnung verwendet wird, hängt vor allem von Land und Region ab.

Für Weine aus Frankreich ist Carignan die gebräuchliche Bezeichnung. In Spanien finden sich insbesondere die Namen Cariñena und Mazuelo. Wer auf einem spanischen Weinetikett Mazuelo liest, begegnet damit derselben Rebsorte, die in Frankreich Carignan genannt wird.

Welche Eigenschaften besitzt die Rebsorte?

Die Rebsorte Carignan ist wuchskräftig und kann hohe Erträge hervorbringen. Gleichzeitig besitzt sie einen vergleichsweise hohen Wärmebedarf und erreicht ihre Reife eher spät.

Diese Kombination erklärt einen Teil ihrer historischen Bedeutung in warmen mediterranen Weinregionen. Unter geeigneten Bedingungen kann die Sorte auch in heißen und trockenen Gebieten lange in der Vegetationsperiode verbleiben.

Die Rebsorte kann Weine mit ausgeprägter Säure- und Tanninstruktur hervorbringen. Wie harmonisch sich diese Eigenschaften im fertigen Wein präsentieren, hängt jedoch wesentlich von Ertrag und Reife der Trauben sowie von der Vinifikation ab.

Warum hatte die Rebsorte Carignan lange einen schwierigen Ruf?

Ein wichtiger Grund liegt in ihrer Fähigkeit, hohe Erträge zu liefern. Über Jahrzehnte wurde Carignan in Teilen des Mittelmeerraums stark auf Menge ausgerichtet angebaut. Hohe Erträge in Verbindung mit nicht vollständig ausgereiften Trauben konnten Weine hervorbringen, bei denen Säure, Gerbstoff und pflanzliche Eindrücke wenig harmonisch wirkten.

Daraus entstand das Bild einer einfachen Rebsorte für einfache Weine. Tatsächlich sagt diese historische Nutzung jedoch mehr über Bewirtschaftung, Ertrag und Produktionsziel aus als über das qualitative Potenzial der Rebsorte selbst.

Warum sind alte Carignan-Reben so interessant?

Ein erheblicher Teil der heutigen Neubewertung der Rebsorte hängt mit alten Rebanlagen zusammen. Alte Rebstöcke liefern nicht automatisch bessere Weine, können unter geeigneten Bedingungen jedoch ein wichtiger Bestandteil hochwertiger Weinberge sein.

Besonders interessant wird Carignan dort, wo alte Reben auf geeigneten Standorten stehen und die Erträge bewusst begrenzt werden. Unter solchen Voraussetzungen können konzentriertere Trauben entstehen, deren Säure- und Tanninstruktur anders zur Geltung kommt als bei sehr hohen Erträgen.

Deshalb taucht die Bezeichnung „Vieilles Vignes“ – alte Reben – bei ambitionierten Weinen aus Carignan vergleichsweise häufig auf. Sie sollte dennoch nicht als eigenständiges Qualitätsversprechen verstanden werden: Alter der Reben, Standort und Bewirtschaftung müssen zusammen betrachtet werden.

Carignan im Languedoc

Besonders eng ist die jüngere Geschichte der Rebsorte mit dem Weinbau im Languedoc verbunden. Carignan gehörte dort über Jahrzehnte zu den prägenden roten Rebsorten und ist bis heute Bestandteil zahlreicher traditioneller Cuvées.

Gleichzeitig finden sich im Languedoc noch alte Carignan-Parzellen, die heute von verschiedenen Winzern bewusst erhalten und teilweise separat vinifiziert werden. Dadurch hat sich der Blick auf die Sorte verändert: Neben ihrer historischen Rolle als ertragreiche Rebsorte steht zunehmend ihr Potenzial auf geeigneten Standorten im Mittelpunkt.

Welche Rolle spielt Carignan in Spanien?

Auch in Spanien besitzt die Rebsorte eine lange Geschichte. Dort begegnet sie je nach Region unter verschiedenen Namen. Besonders bekannt sind Cariñena und Mazuelo.

In der Weinregion Rioja ist Mazuelo eine zugelassene rote Rebsorte und bereits seit mehreren Jahrhunderten dokumentiert. Heute besitzt sie dort gegenüber Tempranillo zwar nur eine kleine Rebfläche, wird aber weiterhin für Rotweine und Cuvées verwendet.

Der Consejo Regulador der Rioja hebt insbesondere Säure und Tannin der Sorte hervor. Dadurch kann Mazuelo in Assemblagen Eigenschaften beitragen, die für Struktur und Reifung eines Weines interessant sein können.

Carignan als Bestandteil von Cuvées

Sowohl in Frankreich als auch in Spanien wird die Rebsorte häufig gemeinsam mit anderen Sorten verwendet. Im mediterranen Frankreich begegnet sie beispielsweise in Cuvées mit Grenache, Syrah, Mourvèdre oder Cinsault.

Dabei gibt es keine allgemeingültige Formel. Welchen Anteil Carignan besitzt und welche Funktion die Sorte in einer Cuvée übernimmt, hängt von Herkunft, Jahrgang, Reifegrad und den Entscheidungen des jeweiligen Winzers ab.

In Spanien kann die Sorte unter dem Namen Mazuelo unter anderem mit Tempranillo kombiniert werden. Ihre Säure- und Tanninstruktur kann dabei insbesondere für Weine interessant sein, die für eine längere Entwicklung vorgesehen sind.

Gibt es auch reinsortigen Carignan?

Ja. Obwohl die Rebsorte traditionell häufig in Cuvées verwendet wird, entstehen heute auch reinsortige Weine aus Carignan. Besonders alte Rebanlagen haben dabei das Interesse vieler Winzer neu geweckt.

Ein reinsortiger Ausbau macht die Rebsorte allerdings nicht automatisch hochwertiger. Entscheidend bleiben die Qualität der Trauben, der Standort und die Vinifikation.

Wie schmeckt Wein aus der Rebsorte Carignan?

Einen festgelegten Carignan-Geschmack gibt es nicht. Die Rebsorte kann zwar bestimmte strukturelle und aromatische Eigenschaften mitbringen, der fertige Wein wird jedoch wesentlich durch Herkunft, Ertrag, Reifegrad, Jahrgang und Ausbau geprägt.

Weine aus der Rebsorte Carignan können rote und dunkle Frucht, Kräuter, Gewürze und erdige oder balsamische Nuancen zeigen. Gleichzeitig können eine lebendige Säure und deutlich wahrnehmbare Gerbstoffe zur Struktur beitragen.

Gerade bei weniger reifen Trauben oder sehr hohen Erträgen können herb-pflanzliche und adstringierende Eindrücke stärker hervortreten. Bei gut ausgereiften Trauben aus geeigneten Weinbergen kann sich die Sorte dagegen vollkommen anders präsentieren.

Warum sind Ertrag und Reife bei Carignan so wichtig?

Die Rebsorte kann vergleichsweise produktiv sein. Gleichzeitig benötigt sie ausreichend Wärme und Zeit, um ihre Trauben zur Reife zu bringen. Das Zusammenspiel dieser beiden Eigenschaften ist für die Qualität besonders wichtig.

Bei hohen Erträgen und unzureichender Reife können Säure und Tannin dominant oder kantig erscheinen. Begrenztere Erträge und vollständig ausgereifte Trauben können dagegen eine andere Balance ermöglichen.

Auch daraus lässt sich allerdings keine einfache Qualitätsformel ableiten. Der passende Ertrag hängt immer vom jeweiligen Standort, vom Jahrgang und von der Bewirtschaftung des Weinbergs ab.

Rebsorte ist nicht gleich Weinstil

Die Geschichte der Rebsorte Carignan zeigt besonders gut, warum sich Qualität und Geschmack nicht allein aus einer Rebsorte ableiten lassen. Dieselbe Sorte konnte über Jahrzehnte sowohl Grundlage einfacher Mengenweine als auch Ausgangspunkt für anspruchsvolle, langlebige Rotweine sein.

Standort, Alter und Zustand der Reben, Ertrag, Lesezeitpunkt und Kellerarbeit verändern das Ergebnis erheblich. Hinzu kommt die Frage, ob Carignan reinsortig oder gemeinsam mit anderen Rebsorten ausgebaut wird.

Die Rebsorte liefert daher einen genetischen Rahmen. Was daraus im Glas entsteht, wird erst durch Herkunft, Jahrgang und die Entscheidungen des Winzers bestimmt.

Welche Rolle spielt die Kohlensäuremaischung?

Carignan wurde und wird teilweise mithilfe der Kohlensäuremaischung beziehungsweise Macération carbonique vinifiziert. Diese Technik ist besonders aus dem Beaujolais bekannt, wird aber auch bei anderen Rebsorten und in anderen Regionen eingesetzt.

Bei Carignan kann diese Art der Vinifikation dazu dienen, fruchtbetontere, früh zugängliche Weinstile mit einer anderen Wahrnehmung der Gerbstoffe zu erzeugen. Sie ist jedoch nur eine von zahlreichen Möglichkeiten, mit der Rebsorte im Keller zu arbeiten.

Warum erlebt die Rebsorte heute neue Aufmerksamkeit?

Das Interesse an Carignan hängt unter anderem mit der Wiederentdeckung alter Weinberge und einer stärkeren Beschäftigung mit traditionellen mediterranen Rebsorten zusammen.

Statt die Sorte vor allem über hohe Erträge zu definieren, arbeiten verschiedene Erzeuger heute gezielt mit alten Anlagen, ausgewählten Standorten und niedrigeren Erträgen. Dadurch werden Eigenschaften sichtbar, die im früheren Mengenweinbau häufig kaum zur Geltung kamen.

Die Geschichte der Rebsorte ist damit auch ein Beispiel dafür, wie stark sich die Bewertung einer Sorte verändern kann, wenn sich Weinbau, Produktionsziele und die Wahrnehmung von Herkunft verändern.

Welches Essen passt zu Carignan?

Bei der Speisenbegleitung sollte der konkrete Wein entscheidend sein und nicht allein die Rebsorte. Strukturierte, würzige Carignan-Weine können beispielsweise gut zu geschmortem Fleisch, Lamm, gegrilltem Gemüse oder mediterran gewürzten Gerichten passen.

Fruchtbetontere und leichter vinifizierte Varianten können dagegen auch zu weniger kräftigen Speisen funktionieren. Entscheidend sind Körper, Säure, Tannin, Alkohol und aromatische Intensität des jeweiligen Weines.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Rebsorte Carignan

Was ist Carignan für eine Rebsorte?
Carignan ist eine alte rote Rebsorte des westlichen Mittelmeerraums. Sie ist besonders mit Südfrankreich und Spanien verbunden und wird sowohl für Cuvées als auch für reinsortige Rotweine verwendet.
Ist Carignan dasselbe wie Cariñena und Mazuelo?
Ja. Carignan, Cariñena und Mazuelo sind unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Rebsorte. In Frankreich ist Carignan gebräuchlich, während in Spanien unter anderem die Namen Cariñena und Mazuelo verwendet werden.
Wo wird die Rebsorte Carignan angebaut?
Die Rebsorte ist besonders im westlichen Mittelmeerraum verbreitet. Eine lange Tradition besitzt sie in Südfrankreich, insbesondere im Languedoc, sowie in verschiedenen spanischen Weinregionen.
Wie schmeckt Carignan-Wein?
Weine aus der Rebsorte Carignan können rote und dunkle Frucht, Kräuter, Gewürze sowie erdige oder balsamische Nuancen zeigen. Die Sorte kann außerdem eine ausgeprägte Säure- und Tanninstruktur mitbringen. Wie der konkrete Wein schmeckt, hängt jedoch wesentlich von Herkunft, Reifegrad, Ertrag und Vinifikation ab.
Warum haben alte Carignan-Reben einen guten Ruf?
Alte Rebanlagen stehen häufig im Mittelpunkt hochwertiger Carignan-Weine. Das Alter allein garantiert jedoch keine Qualität. Entscheidend sind zusätzlich Standort, Zustand der Reben, Ertrag, Traubenreife und die Arbeit des jeweiligen Winzers.
Warum hatte Carignan lange einen schlechten Ruf?
Die Rebsorte kann hohe Erträge liefern und wurde über lange Zeit stark für die Erzeugung großer Weinmengen genutzt. Bei hohen Erträgen und unzureichender Reife konnten wenig ausgewogene Weine entstehen. Dieses Image wurde später auf die Rebsorte selbst übertragen, obwohl Standort und Bewirtschaftung einen erheblichen Einfluss auf die Qualität besitzen.
Ist Carignan eine spät reifende Rebsorte?
Ja. Die Rebsorte benötigt vergleichsweise viel Wärme und erreicht ihre Reife eher spät. Dadurch ist sie besonders mit warmen mediterranen Weinregionen verbunden.
Wird Carignan reinsortig ausgebaut?
Ja. Carignan wird sowohl reinsortig als auch als Bestandteil von Cuvées ausgebaut. Besonders Weine aus alten Rebanlagen werden heute teilweise bewusst reinsortig vinifiziert.
Welche Rolle spielt Carignan in Rioja?
In Rioja ist die Rebsorte unter dem Namen Mazuelo zugelassen und seit mehreren Jahrhunderten dokumentiert. Sie besitzt heute nur einen vergleichsweise kleinen Anteil an der Rebfläche, wird aber unter anderem aufgrund ihrer Säure- und Tanninstruktur für Cuvées eingesetzt.
Was bedeutet Vieilles Vignes bei Carignan?
„Vieilles Vignes“ bedeutet „alte Reben“. Die Bezeichnung findet sich häufig bei Carignan-Weinen aus älteren Rebanlagen. Sie ist jedoch für sich allein kein Qualitätsversprechen: Standort, Ertrag, Zustand der Reben und Vinifikation bleiben entscheidend.
Was passt zu Carignan?
Das hängt vom jeweiligen Wein ab. Strukturierte und würzige Varianten können beispielsweise zu Lamm, Schmorgerichten, gegrilltem Gemüse und mediterran gewürzten Speisen passen. Leichtere, fruchtbetontere Interpretationen können auch weniger kräftige Gerichte begleiten.