Wein aus Württemberg
Württemberg – Deutschlands großes Rotweinland
Mit rund 10.700 Hektar Rebfläche gehört Württemberg zu den vier größten deutschen Weinbaugebieten. Seine eigentliche Besonderheit zeigt jedoch ein anderer Wert: Rund 65 Prozent der Rebfläche sind mit roten Rebsorten bepflanzt.
Lemberger, Trollinger, Spätburgunder und Schwarzriesling bestimmen deshalb einen großen Teil des regionalen Weinbaus. Gleichzeitig steht ausgerechnet eine weiße Rebsorte auf besonders großer Fläche: Riesling wächst auf knapp 2.000 Hektar und ist damit für das Weinland Württemberg ebenfalls von zentraler Bedeutung.
Zwischen Neckar, Rems, Enz und ihren Seitentälern entsteht so eine Weinlandschaft, die wesentlich vielfältiger ist als ihr traditionelles Trollinger-Image vermuten lässt. Historische Terrassenweinberge, Muschelkalk und Keuper, kleine Familienbetriebe und große Weingärtnergenossenschaften gehören gleichermaßen dazu.
Der Neckar als Lebensader des Weinbaus
Das Herz des württembergischen Weinbaus liegt am Neckar und seinen Nebenflüssen. Besonders nördlich und östlich von Stuttgart ziehen sich die Weinberge entlang der Flusstäler und über die angrenzenden Hügel.
Die Reben stehen dabei keineswegs flächendeckend in der Landschaft. Weinbau konzentriert sich auf Standorte, deren Ausrichtung, Hangneigung und Mikroklima ausreichend günstige Bedingungen für die Traubenreife schaffen.
Rems, Enz, Kocher und Jagst sowie kleinere Seitentäler erweitern die Weinlandschaft. Dadurch entstehen zahlreiche voneinander getrennte Weinorte und Lagen mit teilweise sehr unterschiedlichen Bedingungen.
Muschelkalk und Keuper – zwei prägende Bodenwelten
Geologisch wird ein großer Teil Württembergs von Muschelkalk und Keuper geprägt. Beide Formationen gehören zur süddeutschen Trias, schaffen aber unterschiedliche Voraussetzungen für den Weinbau.
Muschelkalk findet sich besonders in zahlreichen Flusstälern. Keuper prägt viele höher gelegene Hanglagen und kann aus unterschiedlichen Ton-, Mergel- und Sandsteinschichten bestehen. Lokal kommen weitere Gesteine und mächtige Lössauflagen hinzu.
Boden allein bestimmt dabei niemals den Geschmack eines Weines. Er beeinflusst jedoch Wasserhaushalt, Erwärmung und Durchwurzelbarkeit. Zusammen mit Exposition, Mikroklima, Rebsorte und Bewirtschaftung entstehen daraus die Unterschiede zwischen einzelnen Herkünften.
Eine Landschaft voller Terrassenweinberge
Eine der eindrucksvollsten Seiten Württembergs sind seine Terrassenweinberge. Entlang von Neckar und Enz wurden über Generationen Mauern errichtet, um selbst sehr steile Hänge für den Weinbau nutzbar zu machen.
Bekannte Beispiele finden sich unter anderem bei Besigheim, Mundelsheim, Hessigheim und Rosswag. Die oft kleinen Parzellen sind landschaftlich spektakulär, aber arbeitsintensiv.
Wo Maschinen nicht eingesetzt werden können, müssen zahlreiche Arbeiten von Hand erfolgen. Der Erhalt solcher Weinberge ist deshalb nicht nur eine Frage der Weinqualität, sondern auch eine wirtschaftliche und kulturhistorische Herausforderung.
Warum Württemberg so stark von Genossenschaften geprägt ist
Württemberg besitzt traditionell eine sehr kleinteilige Besitzstruktur. Viele Familien bewirtschafteten und bewirtschaften nur kleine Rebflächen, häufig im Neben- oder Zuerwerb.
Diese Struktur begünstigte früh die Entstehung von Weingärtnergenossenschaften. Einzelne Winzer konnten ihre Weinberge selbst bewirtschaften, während Verarbeitung und Vermarktung gemeinschaftlich organisiert wurden.
Bis heute spielen Genossenschaften in Württemberg eine größere Rolle als in vielen anderen deutschen Weinregionen. Gleichzeitig existiert eine lebendige Landschaft selbstvermarktender Familienweingüter, die eigene Stilrichtungen und Herkunftskonzepte entwickelt haben.
Trollinger – schwäbische Weinkultur in der Flasche
Keine Rebsorte ist kulturell so eng mit Württemberg verbunden wie Trollinger. Außerhalb der Region besitzt sie vergleichsweise geringe Bedeutung, im württembergischen Weinbau ist sie dagegen seit Generationen fest verankert.
Klassischer Trollinger ist meist hell in der Farbe, moderat im Alkohol und besitzt eine lebendige, unkomplizierte Art. Er ist weniger auf Konzentration als auf Trinkfluss ausgelegt und gehört traditionell zur schwäbischen Alltags- und Gastronomiekultur.
Gleichzeitig wird Trollinger heute neu interpretiert. Niedrigere Erträge, alte Reben, längere Maischestandzeiten oder ein differenzierter Ausbau können deutlich ernsthaftere Weine hervorbringen, ohne der Sorte ihren charakteristischen Charakter zu nehmen.
Lemberger – Württembergs große Rotweinsorte
Lemberger hat in Württemberg in den vergangenen Jahrzehnten erheblich an Bedeutung gewonnen. Mit rund 1.660 Hektar steht inzwischen sogar etwas mehr Lemberger als Trollinger in den württembergischen Weinbergen.
International ist die Rebsorte unter anderem als Blaufränkisch bekannt. Sie kann farbintensive, würzige und strukturierte Rotweine hervorbringen und eignet sich sowohl für einen fruchtbetonten Ausbau als auch für anspruchsvolle Weine mit längerer Reife und Holzeinsatz.
Gerade auf guten Standorten zeigt Lemberger eine ganz andere Seite Württembergs als der traditionelle leichte Trollinger: präzise Säure, dunkle Frucht, Würze und eine ausgeprägte Tanninstruktur können komplexe und langlebige Rotweine ergeben.
Spätburgunder und Schwarzriesling
Zwei weitere wichtige rote Sorten gehören zur Burgunderfamilie. Spätburgunder wächst heute auf mehr als 1.200 Hektar und wird von zahlreichen qualitätsorientierten Betrieben als anspruchsvoller Rotwein ausgebaut.
Schwarzriesling ist trotz seines Namens kein Riesling, sondern eine Burgundersorte und international als Pinot Meunier bekannt. In Württemberg besitzt sie mit mehr als 1.000 Hektar eine ungewöhnlich große Bedeutung.
Beide Sorten erweitern das rote Spektrum erheblich: vom unkomplizierten, fruchtbetonten Rotwein bis zu differenzierten Weinen aus einzelnen Weinbergslagen.
Riesling – die starke weiße Seite Württembergs
Württemberg als Rotweinland zu bezeichnen ist richtig – aber unvollständig. Riesling wächst auf knapp 2.000 Hektar und ist damit die mit Abstand wichtigste weiße Rebsorte der Region.
Besonders in gut exponierten Hanglagen kann Riesling eine spannende Verbindung aus Reife und Frische entwickeln. Muschelkalk, Keuper und Sandstein schaffen dabei unterschiedliche Bedingungen.
Die Stilistik reicht von unkomplizierten trockenen Weinen bis zu konzentrierten Lagenrieslingen. Damit besitzt Württemberg neben seiner eigenständigen Rotweinkultur auch eine bemerkenswerte Rieslingtradition.
Das Remstal – eine dynamische Weinlandschaft
Östlich von Stuttgart erstreckt sich das Remstal, eine der bekannten Weinlandschaften Württembergs. Die Weinberge liegen entlang der Rems und an den angrenzenden Hängen.
Riesling, Lemberger und Burgundersorten gehören hier zu den wichtigen Rebsorten. Unterschiedliche Höhenlagen und Keuperformationen sorgen für eine kleinteilige Struktur.
Gleichzeitig hat sich das Remstal zu einer Region entwickelt, in der zahlreiche Betriebe verstärkt auf einzelne Herkünfte, niedrigere Erträge und anspruchsvollere Rot- und Weißweine setzen.
Unterland – das große Herz des Württemberger Weinbaus
Der mengenmäßig wichtigste Teil des Anbaugebiets liegt nördlich von Stuttgart und wird häufig als Württembergisches Unterland bezeichnet. Heilbronn und die umliegenden Weinorte bilden eines seiner Zentren.
Hier finden sich viele der für Württemberg typischen Rebsorten nebeneinander. Trollinger, Lemberger und Schwarzriesling stehen neben Riesling und weiteren weißen Sorten.
Die Region zeigt außerdem besonders deutlich die Mischung aus Genossenschaften, kleinen Nebenerwerbsflächen und selbstvermarktenden Familienweingütern, die Württemberg bis heute prägt.
Happenbach – Familienweinbau bei Heilbronn
Südlich von Heilbronn liegt Happenbach, heute ein Ortsteil von Abstatt. Die Weinlandschaft gehört zum württembergischen Unterland und liegt in unmittelbarer Nähe weiterer traditionsreicher Weinorte.
Familienweingüter zeigen hier eine andere Seite Württembergs als die großen Genossenschaften. Sie bewirtschaften eigene Weinberge, bauen ihre Weine selbst aus und können dadurch ein individuelles Sortiment aus Guts- und Lagenweinen entwickeln.
Das Weingut Roth ist seit 1867 in Happenbach verwurzelt und wird heute von Sabrina und Christian Roth geführt. Sein breites Sortiment macht diese familiengeprägte Seite des württembergischen Weinbaus besonders gut sichtbar.
Weinsberg – Weinbau, Ausbildung und Rebenzüchtung
Eine Besonderheit Württembergs liegt in Weinsberg bei Heilbronn. Dort wurde 1868 eine staatliche Weinbauschule gegründet. Damit wurde Weinsberg zu einem wichtigen Ort für Ausbildung, Forschung und Entwicklung im deutschen Weinbau.
Die heutige Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau ist eng mit dem Staatsweingut Weinsberg verbunden. Neben der praktischen Weinbereitung spielte dabei insbesondere die Rebenzüchtung eine wichtige Rolle.
Zwei Rebsorten, die heute weit über Württemberg hinaus bekannt sind, entstanden in Weinsberg: Kerner im Jahr 1929 und Dornfelder im Jahr 1955. Auch weitere Sorten wie Acolon, Cabernet Dorsa oder Cabernet Mitos gehen auf die dortige Züchtungsarbeit zurück.
Kerner – eine württembergische Erfolgsgeschichte
Kerner entstand aus einer Kreuzung von Trollinger und Riesling. Die Sorte verbindet damit ausgerechnet zwei Rebsorten, die für Württemberg besonders charakteristisch sind.
Kerner verbreitete sich nach seiner Zulassung weit über die Region hinaus und gehörte zeitweise zu den wichtigsten weißen Neuzüchtungen Deutschlands.
Stilistisch kann Kerner frisch, aromatisch und säurebetont ausfallen. Heute ist seine Rebfläche deutlich kleiner als zu seinen Hochzeiten, doch seine Entstehung bleibt ein interessantes Kapitel der württembergischen Weinbaugeschichte.
Dornfelder – ebenfalls „made in Weinsberg“
Auch Dornfelder hat seine Wurzeln in Weinsberg. Die 1955 entstandene Kreuzung wurde nach Immanuel Dornfeld benannt, einem Mitbegründer der Weinbauschule.
Die Sorte verbreitete sich später in zahlreichen deutschen Anbaugebieten. Ihre intensive Farbe, zuverlässige Reife und vielseitigen Ausbaumöglichkeiten machten sie zu einer der erfolgreichsten deutschen Rotweinneuzüchtungen.
Damit hat Württemberg die deutsche Rebsortenlandschaft nicht nur durch seine traditionellen Sorten geprägt, sondern auch aktiv an ihrer Weiterentwicklung mitgewirkt.
Alte Reben, neue Ideen
Der moderne württembergische Weinbau beschäftigt sich zunehmend mit der Frage, welches Potenzial in seinen historischen Weinbergen steckt. Gerade alte Terrassenanlagen sind arbeitsintensiv, bieten aber besondere Standorte und teilweise sehr alte Rebbestände.
Gleichzeitig werden traditionelle Sorten neu bewertet. Trollinger muss nicht zwangsläufig als einfacher, ertragsreicher Alltagswein verstanden werden. Lemberger wird zunehmend differenziert nach Herkunft ausgebaut, und Spätburgunder hat qualitativ erheblich an Bedeutung gewonnen.
Hinzu kommen internationale Rebsorten und neue Züchtungen. Württemberg ist damit heute wesentlich experimentierfreudiger, als das traditionelle Bild der Region vermuten lässt.
Terrassenweinbau zwischen Kulturlandschaft und Wirtschaftlichkeit
Gleichzeitig steht die Region vor einer schwierigen Aufgabe. Viele historische Terrassenweinberge können nur mit erheblichem Handarbeitsaufwand bewirtschaftet werden.
Wenn die erzielbaren Trauben- oder Weinpreise diesen Aufwand nicht decken, droht die Aufgabe solcher Parzellen. Damit ginge nicht nur Rebfläche verloren, sondern auch eine über Generationen entstandene Kulturlandschaft.
Qualitätsorientierter Weinbau kann deshalb eine Möglichkeit sein, solchen Standorten wieder einen höheren Wert zu geben. Je klarer eine besondere Herkunft im Wein erkennbar und kommunizierbar wird, desto eher lassen sich aufwendige Bewirtschaftungsformen auch wirtschaftlich rechtfertigen.
Württemberg zwischen Tradition und neuer Qualität
Die Stärke Württembergs liegt heute gerade im Nebeneinander verschiedener Weinkulturen. Trollinger und traditionelle Viertele-Kultur verschwinden nicht, nur weil anspruchsvollere Lemberger oder Rieslinge stärker wahrgenommen werden.
Gleichzeitig lösen sich immer mehr Erzeuger von der Vorstellung, dass württembergischer Wein ausschließlich für den regionalen Konsum gedacht sein müsse. Herkunft, einzelne Weinberge, alte Reben und differenzierte Ausbauweisen rücken stärker in den Mittelpunkt.
Das Ergebnis ist eine Region, deren Weinbild heute breiter ist als je zuvor: vom leichten Trollinger über charaktervolle Rieslinge bis zu strukturierten Lembergern und anspruchsvollen Spätburgundern.
Württembergwein bei WEIN KUSCH
Den Schwerpunkt unseres Württemberg-Sortiments bildet das Weingut Roth von Sabrina und Christian Roth aus Happenbach. Mit einer breiten Auswahl an Guts- und Lagenweinen können wir unterschiedliche Rebsorten und Stilrichtungen der Region zeigen, statt Württemberg auf einen einzelnen Weintyp zu reduzieren.
Ergänzt wird diese Auswahl durch drei gezielt ausgewählte Weine der Quintessenz-Linie des Staatsweinguts Weinsberg. Damit treffen in unserem Sortiment ein familiengeführtes Weingut aus dem württembergischen Unterland und ausgewählte Weine eines traditionsreichen Staatsweinguts aufeinander, dessen Geschichte eng mit Ausbildung, Forschung und Rebenzüchtung verbunden ist.