Wein aus der Toskana
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Toskana – eine der großen Weinlandschaften Italiens
Die Toskana gehört zu den bekanntesten Weinregionen Italiens. Zwischen Apennin, sanften Hügellandschaften und der Küste des Tyrrhenischen Meeres liegen einige der berühmtesten Weinherkünfte des Landes: Chianti und Chianti Classico, Brunello di Montalcino, Vino Nobile di Montepulciano, Bolgheri und Vernaccia di San Gimignano.
Die wichtigste Rebsorte ist Sangiovese. Sie verbindet viele der klassischen Rotweine der Region miteinander und kann je nach Herkunft vollkommen unterschiedliche Ausdrucksformen annehmen. Gleichzeitig hat die Toskana mit internationalen Rebsorten und den sogenannten Super Tuscans einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung des italienischen Weinbaus geleistet.
Trotz ihres berühmten Landschaftsbildes ist die Toskana deshalb keineswegs eine einheitliche Weinregion. Höhenlage, Entfernung zum Meer, Boden und lokale Traditionen sorgen für erhebliche Unterschiede zwischen ihren einzelnen Gebieten.
Weinbau zwischen Apennin und Mittelmeer
Die Toskana liegt in Mittelitalien und reicht vom Apennin bis an die Küste des Tyrrhenischen Meeres. Ein großer Teil der Weinberge befindet sich in hügeligem Gelände.
Das Klima ist grundsätzlich mediterran geprägt, wird im Landesinneren jedoch durch Höhenlage und Entfernung zum Meer beeinflusst. Küstengebiete wie Bolgheri unterscheiden sich deshalb deutlich von höher gelegenen Weinbergen im Chianti.
Die Kombination aus Wärme, sonnigen Vegetationsperioden und kühleren Nächten in geeigneten Höhenlagen schafft besonders für Sangiovese gute Voraussetzungen.
Galestro, Alberese und die Böden der Toskana
Zwei Begriffe begegnen einem bei toskanischem Wein besonders häufig: Galestro und Alberese. Sie bezeichnen typische geologische Formationen, die insbesondere in klassischen Sangiovese-Gebieten vorkommen.
Galestro ist ein brüchiges, schieferartig verwitterndes Gestein, während Alberese stark von Kalkstein geprägt ist. Daneben besitzt die Toskana zahlreiche weitere Bodentypen, von Ton und Sand bis zu kiesigen und maritim beeinflussten Ablagerungen an der Küste.
Gerade diese Unterschiede helfen zu erklären, warum Sangiovese aus verschiedenen Teilen der Toskana so unterschiedlich ausfallen kann.
Sangiovese – die Leitrebsorte der Toskana
Keine Rebsorte ist so eng mit der Toskana verbunden wie Sangiovese. Sie bildet die Grundlage für Chianti und Chianti Classico sowie für Brunello di Montalcino, Vino Nobile di Montepulciano und Morellino di Scansano.
Typische Sangiovese-Weine verbinden häufig rote Früchte wie Kirsche mit Kräutern, Gewürzen, einer lebendigen Säure und spürbarem Tannin. Je nach Herkunft und Ausbau reicht das Spektrum vom unkomplizierten Alltagswein bis zum jahrzehntelang lagerfähigen Spitzenwein.
Die natürliche Säure der Rebsorte ist dabei ein wichtiger Bestandteil ihres Charakters und macht viele Sangiovese-Weine zu hervorragenden Essensbegleitern.
Sangiovese heißt nicht überall Sangiovese
In verschiedenen Teilen der Toskana haben sich lokale Namen für Sangiovese erhalten. In Montalcino wird die dortige Ausprägung traditionell Brunello genannt, während in Montepulciano die Bezeichnung Prugnolo Gentile gebräuchlich ist.
Dahinter stehen keine völlig verschiedenen Rebsorten, sondern lokale Ausprägungen und Traditionen innerhalb der Sangiovese-Familie.
Chianti – einer der bekanntesten Namen Italiens
Kaum ein italienischer Weinname ist international so bekannt wie Chianti. Über Jahrzehnte war er für viele Verbraucher geradezu ein Synonym für italienischen Rotwein.
Die DOCG Chianti erstreckt sich über ein großes Gebiet in der Toskana. Innerhalb der Appellation existieren zusätzlich geografische Unterzonen, die eine präzisere Herkunft angeben können.
Sangiovese bildet die Grundlage. Je nach Herkunft und Weintyp können weitere zugelassene Rebsorten hinzukommen.
Chianti Classico ist nicht einfach Chianti
Eine wichtige Unterscheidung: Chianti und Chianti Classico sind heute zwei eigenständige DOCG mit unterschiedlichen Produktionsgebieten und eigenen Vorschriften.
Chianti Classico stammt aus dem historischen Kerngebiet zwischen Florenz und Siena. Das Gebiet umfasst unter anderem bekannte Orte wie Greve, Radda, Gaiole und Castellina in Chianti.
Nur Chianti Classico trägt den berühmten Gallo Nero, den Schwarzen Hahn, als Zeichen seines Schutzkonsortiums.
1716 – eine frühe Definition von Weinherkunft
Die Geschichte der abgegrenzten Herkunft reicht weit zurück. Im Jahr 1716 definierte der toskanische Großherzog Cosimo III. de’ Medici die Grenzen mehrerer bedeutender Weinbaugebiete, darunter das historische Chianti.
Damit gehört Chianti zu den frühen Beispielen Europas für eine offiziell abgegrenzte Weinherkunft.
Die damalige Grenzziehung bildet einen wichtigen historischen Ausgangspunkt für das heutige Chianti-Classico-Gebiet.
Bettino Ricasoli und die historische Chianti-Formel
Im 19. Jahrhundert beschäftigte sich Baron Bettino Ricasoli intensiv mit der Zusammensetzung des Chianti. Zwischen 1834 und 1837 beschrieb er eine Mischung, die Sangiovese mit Canaiolo und Malvasia verband.
Diese historische Rezeptur prägte die Entwicklung des Chianti über lange Zeit. Die heutigen Produktionsregeln unterscheiden sich davon jedoch deutlich.
Moderne Chianti und Chianti Classico können reinsortiger beziehungsweise sehr stark von Sangiovese geprägt sein. Je nach Appellation sind außerdem weitere zugelassene Rebsorten möglich.
Vom Fiasco zum modernen Chianti
Ältere Generationen verbinden Chianti häufig mit dem traditionellen Fiasco – der bauchigen, mit Bast umwickelten Flasche, die besonders im 20. Jahrhundert zum internationalen Erkennungszeichen des Weines wurde.
Das Bild hatte allerdings zwei Seiten. Einerseits machte es Chianti weltweit bekannt, andererseits wurde der Name lange stark mit unkompliziertem und günstigem italienischem Alltagswein verbunden.
Heute zeigt die Region ein wesentlich differenzierteres Bild: Neben zugänglichen Chianti stehen terroirgeprägte Chianti Classico, Riserva und langlebige Spitzenweine.
Chianti Classico Annata, Riserva und Gran Selezione
Innerhalb des Chianti Classico existieren verschiedene Qualitäts- und Reifestufen. Annata bildet die Basis, darüber stehen Riserva und Gran Selezione mit strengeren Anforderungen und längeren vorgeschriebenen Reifezeiten.
Die Begriffe sagen allerdings nicht automatisch etwas über einen bestimmten Geschmacksstil aus. Auch hier bleiben Erzeuger, Weinberg, Jahrgang und Ausbau entscheidend.
Chianti Rufina – eine eigene Herkunft innerhalb des Chianti
Chianti Rufina gehört zu den traditionellen Unterzonen der Chianti DOCG. Das Gebiet liegt nordöstlich von Florenz und ist deutlich kleiner als die gesamte Chianti-Appellation.
Die vergleichsweise hohe Lage und die Nähe zum Apennin sorgen für kühlere Bedingungen. Sangiovese kann hier besonders frische, strukturierte und langlebige Rotweine hervorbringen.
Rufina sollte deshalb nicht mit Chianti Classico verwechselt werden. Beide stehen für eigenständige geografische Bereiche innerhalb der größeren Chianti-Welt.
Brunello di Montalcino
Südlich von Siena liegt Montalcino, Heimat des Brunello di Montalcino. Brunello wird ausschließlich aus Sangiovese erzeugt und gehört zu den international bekanntesten Rotweinen Italiens.
Die warmen, vergleichsweise trockenen Bedingungen rund um Montalcino ermöglichen eine zuverlässige Reife. Gleichzeitig sorgen Höhenunterschiede und verschiedene Expositionen für erhebliche Unterschiede innerhalb des Gebiets.
Brunello besitzt lange vorgeschriebene Reifezeiten und kann sich in guten Jahrgängen über Jahrzehnte entwickeln.
Vino Nobile di Montepulciano
Östlich von Montalcino liegt Montepulciano. Der dortige Vino Nobile di Montepulciano basiert auf Sangiovese, der lokal traditionell Prugnolo Gentile genannt wird.
Trotz des Namens hat Vino Nobile di Montepulciano nichts mit der Rebsorte Montepulciano zu tun. Genau diese Namensähnlichkeit sorgt häufig für Verwechslungen.
Montepulciano ist hier der Name der toskanischen Stadt. Montepulciano d’Abruzzo dagegen ist ein Wein aus den Abruzzen und basiert auf der Rebsorte Montepulciano.
Morellino di Scansano und die Maremma
Im Süden der Toskana liegt die Maremma. Das Gebiet war lange weniger berühmt als das zentrale Hügelland, hat sich aber zu einer wichtigen Weinlandschaft entwickelt.
Morellino di Scansano gehört zu ihren bekanntesten Herkünften. Auch hier spielt Sangiovese die Hauptrolle – lokal wird die Rebsorte traditionell Morellino genannt.
Das wärmere, mediterranere Klima kann fruchtbetontere und zugänglichere Interpretationen von Sangiovese hervorbringen.
Montecucco – zwischen Montalcino und der Maremma
Montecucco liegt im südlichen Teil der Toskana in der Provinz Grosseto, südwestlich von Montalcino.
Sangiovese spielt auch hier eine zentrale Rolle. Die Region ist wesentlich weniger bekannt als Chianti Classico oder Brunello, kann aber strukturierte und charaktervolle Rotweine hervorbringen.
Gerade für Weinfreunde, die abseits der berühmtesten Namen suchen, gehört Montecucco zu den interessanten Herkünften der südlichen Toskana.
Bolgheri – die andere Toskana
Bolgheri liegt nahe der tyrrhenischen Küste und unterscheidet sich deutlich von den klassischen Sangiovese-Gebieten des Landesinneren.
Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot sowie weitere internationale Sorten besitzen hier große Bedeutung. Das maritime Klima und die vielfältigen kiesigen, sandigen und lehmigen Böden bieten völlig andere Voraussetzungen als die Hügel des Chianti.
Heute gehört Bolgheri zu den prestigeträchtigsten Rotweinherkünften Italiens.
Sassicaia und der Beginn einer neuen Ära
Eine Schlüsselrolle in der Entwicklung Bolgheris spielte Sassicaia. Marchese Mario Incisa della Rocchetta begann in den 1940er Jahren, Cabernet in Bolgheri anzubauen.
Der Wein wurde zunächst nur privat erzeugt. Der Jahrgang 1968 war schließlich der erste kommerziell veröffentlichte Sassicaia und kam Anfang der 1970er Jahre auf den Markt.
Gemeinsam mit weiteren neuartigen toskanischen Weinen entwickelte sich daraus eine Bewegung, die später unter dem Begriff „Super Tuscan“ bekannt wurde.
Was ist ein Super Tuscan?
„Super Tuscan“ ist keine offizielle italienische Qualitätsstufe und keine geschützte Appellation. Der Begriff entstand als Bezeichnung für hochwertige toskanische Weine, die bewusst außerhalb der damaligen traditionellen Herkunftsvorschriften erzeugt wurden.
Manche basierten auf Sangiovese, andere auf Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc oder Merlot, wieder andere kombinierten italienische und internationale Rebsorten.
Einige dieser Weine mussten zunächst als einfache Vini da Tavola verkauft werden, obwohl sie qualitativ zu den ambitioniertesten Weinen Italiens gehörten.
IGT Toscana – Freiheit für die Winzer
Die Herkunftsbezeichnung Toscana IGT bietet Erzeugern größere Freiheit bei Rebsortenwahl und Ausbau als viele klassische DOC- und DOCG-Appellationen.
Deshalb findet man unter Toscana IGT sowohl unkomplizierte Weine als auch ausgesprochen hochwertige und international renommierte Gewächse.
Die Einstufung IGT sollte deshalb nicht automatisch als niedrigere Qualitätsaussage verstanden werden. Sie beschreibt in erster Linie einen anderen rechtlichen Rahmen.
Vernaccia di San Gimignano – die weiße Ausnahme
Obwohl die Toskana stark von Rotwein geprägt ist, besitzt sie auch eine historische Weißweinherkunft von großer Bedeutung: Vernaccia di San Gimignano.
Der Wein stammt aus den Hügeln rund um die mittelalterliche Stadt San Gimignano und wird überwiegend aus der gleichnamigen Rebsorte erzeugt.
Vernaccia di San Gimignano kann frisch und geradlinig sein, aber auch deutlich strukturierter ausgebaut werden und als Riserva reifen. Typisch sind neben Frucht und Kräutern häufig eine herbe, mandelartige Note im Finale.
Ein historischer Meilenstein des italienischen Weinrechts
Vernaccia di San Gimignano schrieb italienische Weingeschichte: 1966 erhielt sie als erster italienischer Wein den Status einer Denominazione di Origine Controllata, kurz DOC.
1993 folgte die Anerkennung als DOCG. Damit besitzt die Weißweinherkunft eine Bedeutung, die weit über ihre vergleichsweise kleine Produktionsregion hinausgeht.
Vin Santo – die traditionelle Süßweinspezialität
Vin Santo gehört zu den traditionsreichsten Weinstilen der Toskana. Für seine Herstellung werden Trauben nach der Lese getrocknet, wodurch Wasser verloren geht und Zucker sowie Aromen konzentriert werden.
Anschließend erfolgt traditionell eine lange Gärung und Reifung in kleinen Holzfässern. Je nach Herkunft und Herstellung können sich unterschiedliche Süßegrade und Stilrichtungen ergeben.
Zu den klassischen weißen Rebsorten für toskanischen Vin Santo gehören Trebbiano Toscano und Malvasia Bianca Lunga.
Vin Santo del Chianti
Vin Santo del Chianti besitzt eine eigene geschützte Herkunft und verbindet konzentrierte Frucht mit Noten, die an Nüsse, Trockenfrüchte, Honig und Gewürze erinnern können.
Traditionell wird Vin Santo in der Toskana gern mit Cantuccini serviert. Gute Exemplare sind jedoch weit mehr als ein Begleiter zum Dessert und können eine erstaunliche Komplexität und Länge besitzen.
Tradition oder Moderne? In der Toskana gibt es beides
Die Diskussion um traditionellen und modernen Ausbau hat die Toskana über Jahrzehnte begleitet.
Große Fässer aus traditionellem Holz stehen neben kleineren französischen Barriques. Reinsortiger Sangiovese steht neben Cuvées mit Cabernet oder Merlot. Alte regionale Rebsorten werden ebenso gepflegt wie internationale Sorten.
Eine pauschale Einteilung in „traditionell gleich gut“ oder „modern gleich schlecht“ greift deshalb zu kurz. Entscheidend ist, ob Rebsorte, Herkunft und Ausbau miteinander harmonieren.
Bio-Wein aus der Toskana
Das warme und in vielen Gebieten vergleichsweise trockene Klima bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für biologischen Weinbau.
Gleichzeitig unterscheiden sich die Bedingungen erheblich zwischen Küste, Hügelland und höher gelegenen Weinbergen. Trockenheit und Hitze können ebenso zur Herausforderung werden wie intensive Niederschläge in einzelnen Jahrgängen.
Zahlreiche toskanische Betriebe arbeiten heute biologisch oder biodynamisch und verbinden diese Bewirtschaftung mit einer stärkeren Beschäftigung mit einzelnen Lagen und Böden.
Klimawandel und Sangiovese
Steigende Temperaturen verändern auch den Weinbau in der Toskana. In besonders warmen Gebieten wird es wichtiger, Frische und Säure in den Trauben zu erhalten.
Höhenlagen, kühlere Expositionen, Bodenpflege und der richtige Lesezeitpunkt gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.
Gerade Sangiovese lebt von seinem Zusammenspiel aus reifer Frucht, Säure und Tannin. Die Erhaltung dieses Gleichgewichts gehört deshalb zu den zentralen Aufgaben des modernen toskanischen Weinbaus.
Toskanischer Wein bei WEIN KUSCH
Unser Sortiment zeigt mehrere sehr unterschiedliche Seiten der Toskana. Einen Schwerpunkt bilden Chianti und Chianti Classico – vom klassischen Chianti bis zu gereiften Chianti-Classico-Riserva-Weinen.
Mit Chianti Rufina, Bolgheri Rosso und Montecucco Rosso sind außerdem eigenständige Herkünfte vertreten, die zeigen, wie unterschiedlich Rotwein innerhalb der Toskana ausfallen kann. Toscana IGT ergänzt diese Auswahl um Weine außerhalb der klassischen DOCG-Strukturen.
Vernaccia di San Gimignano zeigt die weiße Seite der Region, während Vin Santo del Chianti eine der historischen Süßweintraditionen der Toskana repräsentiert.
Zu den bei WEIN KUSCH vertretenen Erzeugern gehören unter anderem San Michele, Casaloste, Grattamacco, Colle Massari und La Lastra. Damit reicht die Auswahl vom Sangiovese des Chianti bis zur Küsten-Toskana von Bolgheri.