Bordeaux Wein
Inhalt: 0.75 Liter (46,00 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (22,60 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (15,93 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (39,93 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (39,93 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (24,67 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (42,00 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (35,93 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (26,60 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (22,60 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (73,33 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (21,27 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (26,60 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (36,00 €* / 1 Liter)
Inhalt: 0.75 Liter (23,93 €* / 1 Liter)
Bordeaux – eine der großen Weinregionen der Welt
Bordeaux ist weit mehr als der Name einiger berühmter Châteaux. Rund um die Gironde und ihre beiden Quellflüsse Garonne und Dordogne erstreckt sich eine der vielfältigsten und historisch bedeutendsten Weinlandschaften Frankreichs.
Weltberühmt wurde Bordeaux vor allem durch seine Rotweine. Typisch sind Cuvées, in denen mehrere Rebsorten miteinander verbunden werden. Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc bilden dabei das Rückgrat, ergänzt unter anderem durch Petit Verdot und in kleineren Anteilen weitere traditionelle Sorten.
Gleichzeitig produziert Bordeaux trockene Weißweine, Rosé, Crémant und einige der berühmtesten edelsüßen Weine der Welt. Zwischen einfachem Bordeaux AOP und jahrzehntelang reifenden Spitzenweinen liegt deshalb eine enorme stilistische und preisliche Bandbreite.
Gironde, Garonne und Dordogne – die Landkarte verstehen
Wer Bordeaux verstehen möchte, beginnt am besten mit den Flüssen. Südöstlich der Stadt Bordeaux fließen Garonne und Dordogne durch die Weinlandschaft. Nördlich der Stadt vereinigen sie sich zur Gironde, einem breiten Mündungstrichter zum Atlantik.
Diese Flüsse teilen das Gebiet in verschiedene Weinlandschaften. Vereinfacht spricht man vom linken Ufer – der Rive Gauche – und vom rechten Ufer – der Rive Droite. Zwischen Garonne und Dordogne liegt Entre-deux-Mers.
Diese Einteilung ist nicht nur geografisch. Unterschiedliche Böden und historische Entwicklungen haben dazu geführt, dass auf beiden Seiten andere Rebsorten und Weinstile besonders wichtig wurden.
Rive Gauche und Rive Droite – links oder rechts?
Am linken Ufer liegen unter anderem Médoc, Haut-Médoc, Margaux, Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe sowie südlich der Stadt Graves und Pessac-Léognan.
Auf den berühmten Kiesböden des linken Ufers spielt Cabernet Sauvignon häufig die Hauptrolle. Er bringt Struktur, Tannin, dunkle Frucht und ein erhebliches Reifepotenzial mit.
Auf dem rechten Ufer liegen unter anderem Saint-Émilion, Pomerol, Lalande-de-Pomerol, Fronsac und die sogenannten Satelliten von Saint-Émilion. Hier besitzen Ton und Kalk eine größere Bedeutung und Merlot ist besonders stark vertreten. Cabernet Franc ergänzt viele der großen Cuvées.
Warum Bordeaux fast immer eine Cuvée ist
Anders als in Regionen, in denen einzelne Rebsorten den Weinbau dominieren, gehört das Verschneiden verschiedener Rebsorten zur klassischen Bordeaux-Tradition.
Das hat nicht nur stilistische Gründe. Merlot reift früher, Cabernet Sauvignon später. Cabernet Franc besitzt wiederum andere aromatische und strukturelle Eigenschaften. Unterschiedliche Reifezeitpunkte können in einem wechselhaften maritimen Klima das Risiko verteilen.
Gleichzeitig kann jede Sorte etwas anderes zur fertigen Cuvée beitragen: Merlot häufig Fülle und Frucht, Cabernet Sauvignon Struktur und Tannin, Cabernet Franc Frische und Würze und Petit Verdot Farbe und zusätzliche Struktur.
Merlot – die große Sorte des rechten Ufers
Merlot gehört zu den prägenden Rebsorten von Bordeaux und ist besonders auf dem rechten Ufer von zentraler Bedeutung.
Auf den Ton- und Kalkböden rund um Saint-Émilion und Pomerol entstehen aus Merlot einige der berühmtesten Rotweine der Welt. Die Sorte kann viel Frucht und Körper entwickeln und besitzt meist weichere Tannine als Cabernet Sauvignon.
Merlot ist allerdings keineswegs auf das rechte Ufer beschränkt. Auch in zahlreichen Weinen des Médoc sowie in Bordeaux- und Bordeaux-Supérieur-Cuvées spielt er eine wichtige Rolle.
Cabernet Sauvignon – Struktur vom linken Ufer
Cabernet Sauvignon ist besonders eng mit den großen Kieslagen des Médoc verbunden. Kies und Schotter können sich schnell erwärmen und Wasser gut ableiten – Eigenschaften, die der spät reifenden Sorte entgegenkommen.
Cabernet-geprägte Bordeaux besitzen in ihrer Jugend häufig deutliches Tannin und eine feste Struktur. Gute Weine können sich über viele Jahre oder Jahrzehnte entwickeln.
Gerade dieses Reifepotenzial hat entscheidend zum internationalen Ruf von Bordeaux beigetragen.
Cabernet Franc – mehr als eine Nebenrolle
Cabernet Franc steht mengenmäßig hinter Merlot und Cabernet Sauvignon, ist für den Charakter vieler Bordeaux-Weine aber ausgesprochen wichtig.
Besonders auf dem rechten Ufer kann er einen bedeutenden Anteil der Cuvée ausmachen. Er bringt häufig Frische, florale und würzige Aromen sowie zusätzliche Spannung in den Wein.
Daneben gehören Petit Verdot, Malbec und Carménère zum historischen Rebsortenspektrum der Region, auch wenn ihre Flächen deutlich kleiner sind.
Médoc und Haut-Médoc
Das Médoc erstreckt sich auf der Halbinsel zwischen Atlantik und Gironde nördlich der Stadt Bordeaux. Besonders die kiesreichen Terrassen nahe der Gironde gehören zu den berühmtesten Rotweinterroirs der Welt.
Neben den übergeordneten Appellationen Médoc und Haut-Médoc existieren hier sechs bekannte kommunale Appellationen: Margaux, Moulis-en-Médoc, Listrac-Médoc, Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe.
Die Weine sind überwiegend Cabernet-geprägte Cuvées, doch die genaue Zusammensetzung unterscheidet sich von Château zu Château und von Jahrgang zu Jahrgang.
Margaux – Finesse im Médoc
Margaux liegt im südlichen Teil des Haut-Médoc und besitzt einige der bekanntesten Kieslagen der Region.
Die Weine werden traditionell häufig mit Finesse, Duftigkeit und einer besonders feinen Tanninstruktur verbunden. Auch hier bleibt Cabernet Sauvignon meist die entscheidende Rebsorte, ergänzt vor allem durch Merlot.
Château Margaux gab der Appellation ihren berühmtesten Namen, doch zahlreiche weitere Châteaux prägen das Gebiet.
Saint-Julien – klein und hoch angesehen
Saint-Julien liegt zwischen Margaux und Pauillac. Die Appellation ist vergleichsweise klein, besitzt aber eine außergewöhnlich hohe Dichte historisch bedeutender Weingüter.
Cabernet Sauvignon bildet auch hier meist das Rückgrat der Weine. Klassische Saint-Julien verbinden Struktur und Reifefähigkeit mit einer häufig sehr ausgewogenen Stilistik.
Pauillac – Heimat großer Cabernet-Weine
Pauillac gehört zu den berühmtesten Namen des gesamten Bordeaux. Mächtige Kiesablagerungen und die Nähe zur Gironde schaffen hervorragende Bedingungen für Cabernet Sauvignon.
Drei der fünf heute als Premier Cru Classé geführten Rotweingüter der Klassifikation von 1855 liegen hier: Château Lafite Rothschild, Château Latour und Château Mouton Rothschild.
Die klassische Stilistik von Pauillac steht für Struktur, dunkle Frucht, markantes Tannin und großes Reifepotenzial.
Saint-Estèphe – der Norden des Haut-Médoc
Saint-Estèphe bildet die nördlichste der vier besonders bekannten kommunalen Appellationen entlang der Gironde. Die Böden enthalten neben Kies vielerorts höhere Tonanteile.
Traditionell entstehen hier kraftvolle, strukturierte Cabernet-Cuvées. Moderne Weinbereitung und ein höherer Merlot-Anteil können allerdings auch früh zugänglichere Stilrichtungen hervorbringen.
Graves und Pessac-Léognan
Südlich der Stadt Bordeaux liegen Graves und die darin gelegene Appellation Pessac-Léognan. Der Name Graves leitet sich von den charakteristischen Kies- und Schotterböden ab.
Eine Besonderheit dieser Gegend ist, dass sowohl bedeutende Rotweine als auch hochwertige trockene Weißweine entstehen. Bei den Rotweinen spielen Cabernet Sauvignon und Merlot die Hauptrollen.
Die trockenen Weißweine werden vor allem aus Sauvignon Blanc und Sémillon erzeugt. Sie können frisch und aromatisch ausfallen, hochwertige Exemplare aber auch im Holz ausgebaut werden und bemerkenswert gut reifen.
Saint-Émilion – Kalk, Ton und Merlot
Saint-Émilion liegt auf dem rechten Ufer und gehört neben dem Médoc zu den bekanntesten Weinlandschaften von Bordeaux. Merlot und Cabernet Franc stehen hier im Mittelpunkt.
Die Geologie ist komplex. Kalksteinplateaus, Ton-Kalk-Böden, sandigere Bereiche und unterschiedliche Hanglagen sorgen für erhebliche Unterschiede zwischen den Weinbergen.
Deshalb gibt es auch nicht den einen Saint-Émilion-Stil. Je nach Standort, Rebsortenanteilen und Ausbau reichen die Weine von zugänglich und fruchtbetont bis zu tiefen, strukturierten Rotweinen mit jahrzehntelangem Reifepotenzial.
Saint-Émilion Grand Cru ist nicht automatisch Grand Cru Classé
Eine der häufigsten Bordeaux-Verwechslungen steckt bereits auf dem Etikett. Saint-Émilion und Saint-Émilion Grand Cru sind Appellationen mit unterschiedlichen Produktionsvorschriften.
Grand Cru Classé beziehungsweise Premier Grand Cru Classé bezeichnet dagegen ein Weingut innerhalb der gesonderten Saint-Émilion-Klassifikation.
Ein Saint-Émilion Grand Cru ist deshalb nicht automatisch ein klassifiziertes Château. Für Käufer ist diese Unterscheidung wichtig, weil die Begriffe ähnlich klingen, aber etwas Unterschiedliches bedeuten.
Pomerol – klein, berühmt und ohne offizielle Klassifikation
Pomerol ist im Vergleich zum Médoc ausgesprochen klein, gehört aber zu den prestigeträchtigsten Rotweinherkünften der Welt. Merlot prägt die meisten Weine, häufig ergänzt durch Cabernet Franc.
Tonreiche Böden spielen eine besondere Rolle. Einige der begehrtesten Bordeaux-Weine entstehen hier aus vergleichsweise kleinen Rebflächen.
Bemerkenswert ist, dass Pomerol keine offizielle Château-Klassifikation wie das Médoc oder Saint-Émilion besitzt. Der Ruf eines Weinguts ergibt sich hier vielmehr aus seiner Geschichte, seinen Weinbergen, der Qualität und der Marktreputation.
Fronsac, Lalande-de-Pomerol und die Satelliten
Neben Saint-Émilion und Pomerol bietet das rechte Ufer eine Reihe weniger berühmter, aber interessanter Appellationen. Dazu gehören Fronsac und Canon-Fronsac sowie Lalande-de-Pomerol.
Rund um Saint-Émilion liegen außerdem die vier sogenannten Satelliten-Appellationen Montagne-Saint-Émilion, Lussac-Saint-Émilion, Puisseguin-Saint-Émilion und Saint-Georges-Saint-Émilion.
Merlot spielt auch hier meist die Hauptrolle. Für Bordeaux-Fans können diese Herkünfte besonders interessant sein, weil sie ähnliche Rebsorten und teilweise vergleichbare geologische Voraussetzungen bieten, ohne das Preisniveau der berühmtesten Nachbarn erreichen zu müssen.
Entre-deux-Mers – zwischen zwei Flüssen
Entre-deux-Mers bedeutet sinngemäß „zwischen zwei Meeren“, bezeichnet geografisch jedoch die große Landschaft zwischen Garonne und Dordogne.
Besonders bekannt ist die Herkunft für trockene Weißweine. Sauvignon Blanc, Sémillon und Muscadelle gehören zu den klassischen Sorten.
In der weitläufigen Region wachsen allerdings ebenfalls viele rote Trauben. Je nach genauer Herkunft erscheinen diese Weine unter anderen Bordeaux-Appellationen.
Bordeaux Blanc – die unterschätzte weiße Seite
Obwohl Bordeaux weltweit vor allem für Rotwein steht, besitzt die Region eine lange Weißweintradition.
Sauvignon Blanc liefert Frische, Säure und intensive Aromatik. Sémillon kann Körper, Textur und Reifefähigkeit beitragen, während Muscadelle in kleineren Anteilen zusätzliche florale Noten liefern kann.
Das Spektrum reicht von unkomplizierten, frischen Bordeaux Blanc bis zu komplexen, im Holz ausgebauten Weißweinen aus Pessac-Léognan und Graves.
Sauternes, Barsac und die großen Süßweine
Südlich von Bordeaux entstehen einige der berühmtesten edelsüßen Weine der Welt. Sauternes und Barsac profitieren von besonderen mikroklimatischen Bedingungen.
Feuchtigkeit und morgendliche Nebel begünstigen in geeigneten Jahren die Entwicklung von Botrytis cinerea, der sogenannten Edelfäule. Sie lässt die Beeren Wasser verlieren und konzentriert Zucker, Säure und Aromastoffe.
Sémillon ist für diese Weine besonders wichtig, ergänzt insbesondere durch Sauvignon Blanc. Die Lese erfolgt häufig in mehreren Durchgängen, weil nur optimal befallene Beeren geerntet werden sollen.
Auch jenseits von Sauternes gibt es Süßwein
Bordeaux besitzt mehrere kleinere Appellationen für süße Weißweine. Dazu gehören unter anderem Cadillac, Loupiac, Sainte-Croix-du-Mont und Côtes de Bordeaux Saint-Macaire.
Diese Herkünfte stehen international deutlich weniger im Rampenlicht als Sauternes, können aber ausgesprochen interessante Süßweine hervorbringen.
Gerade für Weinfreunde, die Bordeaux abseits der berühmtesten Namen entdecken möchten, lohnt sich deshalb ein Blick auf diese kleineren Appellationen.
Bordeaux AOP und Bordeaux Supérieur
Nicht jeder Bordeaux trägt einen berühmten Ortsnamen. Bordeaux AOP bildet eine breite regionale Herkunft und kann Weine aus einem großen Teil des Anbaugebiets umfassen.
Bordeaux Supérieur unterliegt gegenüber der Basisappellation zusätzlichen Anforderungen. Die Bezeichnung ist jedoch keine Château-Klassifikation und sagt nicht automatisch aus, dass ein Wein besser ist als jeder Wein einer anderen Appellation.
Gerade in diesen übergeordneten Herkünften findet sich eine enorme Bandbreite – vom unkomplizierten Alltagswein bis zu ambitionierten, handwerklich erzeugten Bordeaux.
Was bedeutet eigentlich „Château“?
Château bedeutet wörtlich Schloss. Wer bei jedem Bordeaux-Château einen prächtigen Adelssitz erwartet, wird allerdings schnell überrascht.
Im Bordeaux hat sich der Begriff als traditionelle Bezeichnung für ein Weingut beziehungsweise einen Weinbaubetrieb etabliert. Ein tatsächliches Schloss ist dafür nicht erforderlich.
Deshalb kann hinter einem Château sowohl ein weltberühmtes historisches Anwesen als auch ein kleiner Familienbetrieb stehen.
England und der Aufstieg von Bordeaux
Die internationale Bedeutung Bordeaux' ist eng mit dem Handel verbunden. Durch die Verbindung Aquitaniens mit der englischen Krone im Mittelalter entwickelte sich England zu einem entscheidenden Absatzmarkt.
Große Mengen Wein wurden über den Hafen von Bordeaux nach England verschifft. Der dort als „Claret“ bekannte Wein wurde zu einem festen Bestandteil der englischen Weinkultur.
Bordeaux war deshalb schon früh nicht nur Weinregion, sondern internationales Handelszentrum. Diese Verbindung von Weinproduktion, Handel und Export prägt die Region bis heute.
Négociants, Courtiers und der Bordeauxhandel
Historisch entwickelte Bordeaux eine besondere Handelsstruktur. Châteaux produzierten den Wein, während Händler – die Négociants – einen großen Teil der internationalen Vermarktung übernahmen.
Dazwischen arbeiten traditionell Courtiers als Makler und Vermittler. Dieses System wird häufig als Place de Bordeaux bezeichnet.
Besonders bei prestigeträchtigen Weinen spielt es noch heute eine bedeutende Rolle und unterscheidet Bordeaux von vielen Weinregionen, in denen Erzeuger ihre Weine überwiegend selbst vermarkten.
Die berühmte Klassifikation von 1855
Anlässlich der Pariser Weltausstellung von 1855 ließ Napoleon III. bedeutende Bordeaux-Weine klassifizieren. Grundlage waren damals vor allem Reputation und Marktpreise der Châteaux.
Bei den Rotweinen wurden die klassifizierten Güter in fünf Stufen von Premier Cru bis Cinquième Cru eingeteilt. Die Liste umfasst 60 Châteaux aus dem Médoc und als einzige Ausnahme Château Haut-Brion aus dem heutigen Pessac-Léognan.
Eine eigene Einteilung erhielten die edelsüßen Weine aus Sauternes und Barsac. Insgesamt umfasst die Klassifikation heute 88 klassifizierte Châteaux: 61 bei den Rotweinen und 27 bei den Süßweinen.
Die fünf Premiers Crus Classés
Heute stehen fünf Rotweingüter an der Spitze der 1855er-Klassifikation: Château Lafite Rothschild, Château Latour, Château Margaux, Château Haut-Brion und Château Mouton Rothschild.
Mouton Rothschild ist dabei eine historische Ausnahme: Das Château wurde 1973 vom Deuxième Cru zum Premier Cru heraufgestuft. Ansonsten blieb die Hierarchie von 1855 bemerkenswert stabil.
Bei den Süßweinen nimmt Château d'Yquem als Premier Cru Supérieur eine Sonderstellung ein.
Bordeaux hat nicht nur eine Klassifikation
Einer der größten Irrtümer rund um Bordeaux besteht darin, sämtliche Begriffe wie Grand Cru Classé oder Cru Bourgeois als Teil einer einzigen Rangliste zu verstehen.
Tatsächlich existieren mehrere voneinander unabhängige Systeme. Neben der Klassifikation von 1855 gibt es eine eigene Klassifikation der Crus Classés de Graves, die Saint-Émilion-Klassifikation sowie die Systeme der Crus Bourgeois und Crus Artisans im Médoc.
Die Regeln unterscheiden sich erheblich. Manche Systeme sind historisch weitgehend unveränderlich, andere werden regelmäßig neu bewertet.
Die Klassifikation von Saint-Émilion
Saint-Émilion besitzt seit 1955 ein eigenes Klassifikationssystem. Anders als die Liste von 1855 ist dieses System ausdrücklich auf regelmäßige Neubewertungen ausgelegt.
Die aktuelle Klassifikation wurde 2022 veröffentlicht. Sie unterscheidet zwischen Grands Crus Classés, Premiers Grands Crus Classés und an der Spitze Premiers Grands Crus Classés A.
Damit kann sich der Status eines Château im Laufe der Zeit verändern – ein grundlegender Unterschied zur historischen 1855er-Klassifikation.
Crus Classés de Graves
Auch Graves besitzt ein eigenes Klassifikationssystem. Die heute klassifizierten Güter befinden sich sämtlich innerhalb der Appellation Pessac-Léognan.
Eine Besonderheit besteht darin, dass ein Château für seinen Rotwein, seinen trockenen Weißwein oder für beide klassifiziert sein kann.
Château Haut-Brion besitzt dabei eine besondere Stellung: Es gehört sowohl zu den Graves Crus Classés als auch zur historischen Klassifikation von 1855.
Crus Bourgeois – Qualität im Médoc jenseits von 1855
Im Médoc existieren zahlreiche hochwertige Weingüter, die nicht Bestandteil der 1855er-Klassifikation sind. Für einen Teil dieser Châteaux spielt die Klassifikation der Crus Bourgeois du Médoc eine wichtige Rolle.
Anders als 1855 wird diese Klassifikation regelmäßig erneuert. Die aktuelle, 2025 veröffentlichte Einteilung umfasst 170 Châteaux und gilt für fünf Jahre.
Für Weinfreunde ist Cru Bourgeois deshalb eine interessante Orientierung bei der Suche nach klassischen Médoc-Weinen außerhalb der berühmtesten und häufig teuersten Namen.
Zweitweine – Bordeaux unterhalb des Grand Vin
Viele bekannte Châteaux erzeugen neben ihrem Grand Vin einen sogenannten Zweitwein. Dafür können beispielsweise Trauben jüngerer Reben oder Partien verwendet werden, die stilistisch nicht für den Hauptwein vorgesehen sind.
Ein Zweitwein ist deshalb nicht einfach ein schlechterer Jahrgang des Grand Vin, sondern ein eigenständiger Wein des jeweiligen Gutes.
Gerade bei renommierten Châteaux können Zweitweine einen interessanten Einstieg bieten. Sie tragen die Handschrift und Herkunft des Weinguts, sind häufig früher zugänglich und liegen preislich unter dem Grand Vin.
Warum der Jahrgang in Bordeaux so wichtig ist
Bordeaux besitzt ein maritim beeinflusstes Klima. Der Atlantik mildert Temperaturextreme, bringt aber gleichzeitig wechselhafte Witterung und Niederschläge.
Zeitpunkt und Menge von Regen, Temperaturen während der Reife sowie Bedingungen während der Lese können den Charakter eines Jahrgangs erheblich beeinflussen.
Hinzu kommt die unterschiedliche Reife der Rebsorten. Ein Jahrgang kann für früh reifenden Merlot andere Voraussetzungen bieten als für spät reifenden Cabernet Sauvignon. Pauschale Jahrgangsurteile für ganz Bordeaux sollten deshalb immer mit Vorsicht betrachtet werden.
Warum Bordeaux-Weine reifen können
Die berühmtesten Bordeaux-Weine sind für ihre lange Entwicklungsfähigkeit bekannt. Tannin, Säure, Konzentration und ein sorgfältiger Ausbau schaffen bei geeigneten Weinen die Voraussetzungen dafür.
Junge Cabernet-geprägte Weine können zunächst fest und verschlossen wirken. Mit der Flaschenreife verändern sich Frucht und Struktur, und es entwickeln sich komplexere Reifearomen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Bordeaux jahrelang gelagert werden muss. Ein großer Teil der Produktion ist für einen deutlich früheren Genuss bestimmt.
Holzfass – Tradition und Stilmittel
Barriques gehören eng zur Vorstellung klassischer Bordeaux-Weine. Besonders hochwertige Rotweine werden häufig über längere Zeit in französischer Eiche ausgebaut.
Neue Fässer können Aromen, Tannin und Struktur beitragen. Wie stark dieser Einfluss ausfällt, hängt vom Anteil neuer Fässer, ihrer Toastung und der Dauer des Ausbaus ab.
Moderne Bordeaux müssen jedoch keineswegs stark nach Holz schmecken. Viele Erzeuger setzen heute zurückhaltender auf neues Holz oder arbeiten ergänzend mit größeren Fässern, Amphoren und anderen Ausbaugefäßen.
Bordeaux im Wandel
Bordeaux ist eine historische Weinregion, aber keineswegs statisch. Veränderte Trinkgewohnheiten, wirtschaftlicher Druck und der Klimawandel stellen viele Betriebe vor neue Herausforderungen.
Gleichzeitig hat sich die Stilistik vieler Weine verändert. Neben kraftvollen, konzentrierten Bordeaux findet man zunehmend Weine, bei denen Frische, moderate Extraktion und ein zurückhaltender Holzeinsatz stärker in den Mittelpunkt rücken.
Auch kleinere Châteaux und weniger bekannte Appellationen gewinnen dadurch an Interesse. Bordeaux muss heute nicht zwangsläufig Grand Cru, jahrzehntelange Kellerreife und einen dreistelligen Flaschenpreis bedeuten.
Biologischer Weinbau in Bordeaux
Auch im Weinberg verändert sich Bordeaux. Immer mehr Betriebe beschäftigen sich mit biologischer, biodynamischer oder anderweitig nachhaltiger Bewirtschaftung.
Das maritime Klima macht den Pflanzenschutz anspruchsvoll: Feuchtigkeit und Niederschläge können den Druck durch Pilzkrankheiten erhöhen. Biologische Bewirtschaftung stellt deshalb andere Anforderungen als in sehr trockenen Weinregionen.
Trotzdem zeigen inzwischen Betriebe unterschiedlicher Größen und Preisklassen, dass ökologisch orientierter Weinbau auch unter Bordeaux-Bedingungen möglich ist.
Klimawandel – neue Bedingungen für alte Rebsorten
Steigende Temperaturen verändern auch Bordeaux. In warmen Jahren erreichen die Trauben heute häufig höhere Reifegrade als noch vor einigen Jahrzehnten.
Das kann spät reifenden Cabernet Sauvignon begünstigen, gleichzeitig aber zu höheren Alkoholwerten und einem Verlust an Frische führen. Auch Trockenheit und extreme Wetterereignisse werden wichtiger.
Rebsortenwahl, Lesezeitpunkt, Bodenbewirtschaftung und Weinbereitung werden deshalb neu bewertet. Bordeaux befindet sich trotz seiner langen Tradition in einem kontinuierlichen Anpassungsprozess.
Bordeauxwein bei WEIN KUSCH
Bordeaux gehört zu den besonders breit vertretenen französischen Regionen in unserem Sortiment. Statt uns ausschließlich auf die berühmtesten Namen zu konzentrieren, verbinden wir klassische Appellationen und gereifte Weine mit kleineren Châteaux und weniger bekannten Herkünften.
Einen besonderen Stellenwert besitzt Château Perayne, dessen Weine wir direkt importieren. Daneben führen wir mehrere Weine von Château l'Escarderie sowie eine wechselnde Auswahl weiterer Châteaux und Jahrgänge.
Dadurch reicht unser Bordeaux-Sortiment von Pomerol, Lalande-de-Pomerol, Saint-Émilion und Montagne-Saint-Émilion auf dem rechten Ufer über Margaux, Médoc, Haut-Médoc, Saint-Estèphe, Pauillac und Saint-Julien bis nach Graves und Pessac-Léognan. Auch trockene Weißweine, gereifte Bordeaux und Süßweine gehören zur Auswahl.
Gerade bei Bordeaux lohnt sich deshalb der Blick über einzelne berühmte Châteaux hinaus: Herkunft, Jahrgang, Rebsorten, Klassifikation und Reifezustand können wichtiger sein als allein der Bekanntheitsgrad eines Namens.