Wein aus Sardinien
Sardinien – eigenständige Weinkultur mitten im Mittelmeer
Sardinien ist nicht nur geografisch vom italienischen Festland getrennt. Auch seine Weinkultur besitzt einen ausgesprochen eigenständigen Charakter. Über Jahrhunderte haben sich auf der Insel Rebsorten, Anbaumethoden und Weintraditionen erhalten, die sich deutlich von vielen Regionen des italienischen Festlands unterscheiden.
Cannonau und Vermentino sind heute die bekanntesten Rebsorten der Insel. Daneben gehören Carignano, Bovale, Monica, Nuragus, Nasco, Malvasia und Semidano zur vielfältigen sardischen Rebsortenwelt.
Sonne und mediterrane Wärme prägen den Weinbau. Gleichzeitig sorgen Wind, Höhenlagen und die unterschiedlichen Landschaften der Insel dafür, dass sardischer Wein keineswegs zwangsläufig schwer oder alkoholreich sein muss.
Eine Insel mit vielen unterschiedlichen Weinlandschaften
Sardinien ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel des Mittelmeers. Der Weinbau verteilt sich über sehr unterschiedliche Gebiete – von küstennahen Ebenen bis zu hügeligen und bergigen Landschaften im Landesinneren.
Dadurch entstehen erhebliche Unterschiede bei Temperatur, Niederschlag, Wind und Höhenlage. Auch die Böden sind ausgesprochen vielfältig: Granit, Kalk, Sand, Ton und vulkanisch geprägte Formationen kommen auf der Insel vor.
Sardinien lässt sich deshalb nicht auf ein einziges Terroir oder einen einzigen Weinstil reduzieren.
Wind ist ein wichtiger Faktor
Neben Sonne und Wärme gehört Wind zu den prägenden Faktoren des sardischen Weinbaus.
Regelmäßige Luftbewegung kann die Hitze in den Weinbergen abmildern und nach Niederschlägen für ein schnelleres Abtrocknen der Trauben sorgen. Das ist gerade unter mediterranen Bedingungen für den Weinbau von Bedeutung.
Gleichzeitig sind manche Standorte sehr stark dem Wind ausgesetzt. Reberziehung, Lage und Ausrichtung des Weinbergs spielen deshalb eine wichtige Rolle.
Cannonau – Sardiniens bekannteste rote Rebsorte
Cannonau ist die wichtigste rote Rebsorte Sardiniens und eng mit der Weinidentität der Insel verbunden.
Die Sorte bringt typischerweise Weine mit roten Früchten, reifen Kirschen, mediterranen Kräutern und Gewürzen hervor. Je nach Standort, Ertrag und Ausbau können die Weine saftig und zugänglich oder kräftig, komplex und lagerfähig sein.
Gerade sorgfältig erzeugter Cannonau verbindet mediterrane Reife mit überraschender Frische und kann mit zunehmender Flaschenreife deutlich an Komplexität gewinnen.
Ist Cannonau dasselbe wie Grenache?
Cannonau gehört genetisch zur gleichen Rebsorte, die in Frankreich als Grenache Noir und in Spanien als Garnacha Tinta bekannt ist.
Trotzdem sollte Cannonau nicht einfach als „sardischer Grenache“ verstanden werden. Die lange Anbaugeschichte auf Sardinien, das Klima, die Böden und traditionelle Weinbaumethoden haben einen eigenständigen regionalen Weinstil entstehen lassen.
Herkunft ist deshalb auch bei genetisch identischen Rebsorten entscheidend für den Charakter des fertigen Weines.
Cannonau di Sardegna DOC
Cannonau di Sardegna ist die wichtigste geschützte Herkunft für Cannonau auf der Insel. Die DOC erstreckt sich grundsätzlich über Sardinien.
Für Cannonau di Sardegna müssen mindestens 85 Prozent Cannonau verwendet werden. Innerhalb der DOC existieren zusätzlich geografische Unterzonen.
Neben jüngeren Rotweinen gibt es auch Riserva-Versionen, bei denen längere Reife und ein entsprechend strukturierterer Stil im Mittelpunkt stehen können.
Vermentino – die weiße Seite Sardiniens
Vermentino ist die wichtigste weiße Rebsorte der Insel und bildet den Gegenpol zum roten Cannonau.
Typische Weine können Zitrusfrucht, gelbe Früchte, Blüten und mediterrane Kräuter zeigen. Besonders charakteristisch ist häufig eine frische, würzige und leicht salzig wirkende Stilistik.
Dabei reicht die Bandbreite vom unkomplizierten sommerlichen Weißwein bis zu deutlich strukturierteren und komplexeren Weinen.
Vermentino di Sardegna und Vermentino di Gallura
Auf Sardinien begegnen Weintrinker zwei besonders wichtigen Herkunftsbezeichnungen für Vermentino.
Vermentino di Sardegna DOC kann auf der gesamten Insel erzeugt werden. Vermentino di Gallura DOCG stammt dagegen ausschließlich aus der historischen Gallura im Nordosten Sardiniens.
Vermentino di Gallura besitzt als einzige sardische Weinherkunft DOCG-Status und muss zu mindestens 95 Prozent aus Vermentino bestehen.
Carignano – Spezialität aus dem Südwesten
Eine weitere bedeutende rote Rebsorte Sardiniens ist Carignano. International ist sie vor allem unter den Namen Carignan beziehungsweise Cariñena bekannt.
Auf Sardinien ist sie besonders mit dem Sulcis im Südwesten der Insel verbunden. Carignano del Sulcis besitzt eine eigene DOC.
Dort können alte Reben auf trockenen, teilweise sandigen Standorten konzentrierte, würzige Rotweine hervorbringen.
Bovale – weniger bekannt, typisch sardisch
Bovale gehört zu den traditionellen roten Rebsorten Sardiniens und ist außerhalb der Insel deutlich weniger bekannt als Cannonau.
Die Sorte kann Farbe, Säure und würzige Frucht in einen Wein bringen und wird sowohl in Cuvées als auch reinsortig verwendet.
Gerade solche weniger international bekannten Sorten machen einen wesentlichen Teil der eigenständigen sardischen Weinkultur aus.
Alte Reben und traditionelle Erziehungsformen
In verschiedenen Teilen Sardiniens findet man noch alte Rebanlagen und traditionelle, niedrige Buschreben.
Diese Erziehungsformen sind gut an trockene, sonnige und windige Bedingungen angepasst. Das Laub kann die Trauben vor intensiver Sonneneinstrahlung schützen.
Die Bewirtschaftung solcher Weinberge ist arbeitsintensiv, alte Reben können jedoch besonders konzentrierte und charaktervolle Trauben hervorbringen.
Bio-Wein auf Sardinien
Das mediterrane Klima bietet interessante Voraussetzungen für biologischen Weinbau. Sonne, Trockenheit und regelmäßiger Wind können den Krankheitsdruck im Weinberg reduzieren.
Gleichzeitig stellen lange Trockenperioden, extreme Hitze und Wasserknappheit die Winzer vor zunehmende Herausforderungen.
Bodenpflege, Biodiversität und der Erhalt von Wasser im Boden gewinnen deshalb auch auf Sardinien immer stärker an Bedeutung.
Sarcidano – Wein aus dem Herzen Sardiniens
Im Landesinneren Sardiniens liegt das Sarcidano. Hier treffen kühlere Einflüsse aus Richtung des Gennargentu auf die wärmere Luft des Campidano.
Die Landschaft besitzt eine außergewöhnliche geologische Vielfalt. Sandige, kalkhaltige, tonige und vulkanisch geprägte Böden liegen teilweise auf engem Raum nebeneinander.
Genau hier, bei Gergei, befindet sich die Tenuta Olianas.
Olianas – autochthone Rebsorten im Mittelpunkt
Olianas bewirtschaftet rund 30 Hektar Weinberge im Sarcidano und konzentriert sich besonders auf traditionelle sardische Rebsorten.
Dazu gehören Cannonau und Vermentino ebenso wie Bovale, Carignano, Nasco, Malvasia, Semidano und weitere regionale Sorten.
Das Weingut arbeitet biologisch und biodynamisch und ist Demeter-zertifiziert. Ziel ist es, Biodiversität im Weinberg zu fördern und die Eigenheiten der unterschiedlichen Rebsorten und Standorte herauszuarbeiten.
Amphoren – alte Idee, moderner Einsatz
Eine Besonderheit von Olianas ist der Einsatz von Terrakotta-Amphoren neben Stahltanks und Holzfässern.
Für ausgewählte Weine werden sowohl georgische als auch toskanische Terrakotta-Amphoren verwendet. Ein Teil davon befindet sich zur natürlichen Temperaturregulierung unter der Erde.
Die Amphore ermöglicht einen anderen Ausbau als Holz, ohne dem Wein die typischen Röstaromen eines Holzfasses mitzugeben. Dadurch können Rebsorte, Frucht und Herkunft besonders unmittelbar im Mittelpunkt stehen.
Bio und biodynamisch – was ist der Unterschied?
Biologischer und biodynamischer Weinbau sind nicht dasselbe. Biologischer Weinbau folgt verbindlichen gesetzlichen Vorgaben für die Bewirtschaftung und Weinbereitung.
Biodynamische Landwirtschaft geht darüber hinaus und betrachtet den landwirtschaftlichen Betrieb stärker als zusammenhängendes System. Bei Olianas werden biologische und biodynamische Grundsätze in der eigenen BioIntegrale-Philosophie miteinander verbunden.
Wie schmeckt Wein aus Sardinien?
Sardischer Wein wird häufig mit mediterraner Wärme und kräftiger Frucht verbunden. Das trifft einen Teil der Weine, erzählt aber längst nicht die ganze Geschichte.
Cannonau kann reife rote Früchte, Kräuter, Gewürze und weiche Tannine zeigen. Vermentino verbindet dagegen häufig Zitrus, florale Aromen, Kräuter und eine frische, würzige Stilistik.
Höhenlage, Wind und Boden können beiden Rebsorten eine Frische verleihen, die man angesichts des warmen Inselklimas nicht unbedingt erwarten würde.
Welcher sardische Wein passt zum Essen?
Cannonau passt hervorragend zu gegrilltem und geschmortem Fleisch, Lamm, mediterranen Kräutern und gereiftem Käse.
Vermentino ist ein klassischer Begleiter zu Fisch, Meeresfrüchten, Antipasti und mediterranem Gemüse. Seine Frische funktioniert außerdem sehr gut zu Pasta- und Risottogerichten mit Fisch oder Kräutern.
Strukturiertere sardische Rotweine eignen sich besonders gut für kräftige mediterrane Küche und langsam geschmorte Gerichte.
Wein aus Sardinien bei WEIN KUSCH
Unser Sardinien-Sortiment ist bewusst klein und konzentriert sich auf ausgewählte Weine, die den eigenständigen Charakter der Insel zeigen.
Einen Schwerpunkt bilden die biologisch und biodynamisch erzeugten Weine von Olianas aus Gergei im Sarcidano. Das Weingut verbindet traditionelle sardische Rebsorten mit einer modernen, herkunftsorientierten Weinbereitung.
Damit zeigt unsere Auswahl trotz ihrer kleinen Größe zentrale Seiten der sardischen Weinwelt: mediterrane Rebsorten, eigenständige Herkünfte und einen Weinbau, der eng mit der Landschaft und den Traditionen der Insel verbunden ist.