Montepulciano
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Montepulciano – eine der prägenden roten Rebsorten Mittelitaliens
Die rote Rebsorte Montepulciano ist besonders eng mit Mittelitalien und vor allem den Abruzzen verbunden. Dort bildet sie die Grundlage des Montepulciano d’Abruzzo und gehört zu den wichtigsten Rebsorten der Region.
Auch in den benachbarten Marken besitzt Montepulciano große Bedeutung. Dort findet sich die Sorte unter anderem in bekannten Herkunftsweinen wie Rosso Conero und Rosso Piceno.
Trotz ihres Namens darf die Rebsorte nicht mit der toskanischen Stadt Montepulciano und dem dort erzeugten Vino Nobile di Montepulciano verwechselt werden. Diese Namensgleichheit gehört zu den hartnäckigsten Verwechslungen der italienischen Weinwelt.
Woher stammt die Rebsorte Montepulciano?
Montepulciano ist eine alte italienische Rotweinsorte, deren Geschichte besonders eng mit Mittelitalien verbunden ist. Heute liegen ihre wichtigsten Anbaugebiete auf der östlichen Seite des Apennins.
Vor allem die Abruzzen sind zum Synonym für die Rebsorte geworden. Daneben besitzt sie in den Marken eine lange Tradition und wird auch in weiteren Regionen Mittel- und Süditaliens angebaut.
Die genaue historische Entstehung der Sorte lässt sich nicht so eindeutig rekonstruieren wie bei einigen genetisch intensiv untersuchten internationalen Rebsorten. Ihre heutige geografische Verankerung in Mittelitalien ist dagegen eindeutig.
Ist Montepulciano eine Rebsorte oder eine Stadt?
Beides – allerdings handelt es sich um zwei voneinander unabhängige Dinge. Montepulciano ist der Name einer roten Rebsorte und gleichzeitig der Name einer historischen Stadt in der Toskana.
Genau daraus entsteht die häufige Verwechslung zwischen Montepulciano d’Abruzzo und Vino Nobile di Montepulciano. Beim ersten bezeichnet Montepulciano die verwendete Rebsorte, beim zweiten bezeichnet Montepulciano die Herkunft des Weines.
Ist Vino Nobile di Montepulciano aus der Rebsorte Montepulciano?
Nein. Vino Nobile di Montepulciano stammt aus der gleichnamigen Stadt in der Toskana, wird aber überwiegend aus Sangiovese erzeugt. Lokal wird Sangiovese dort traditionell auch Prugnolo Gentile genannt.
Die Rebsorte Montepulciano spielt für die Definition des Vino Nobile di Montepulciano also nicht die namensgebende Rolle. Der Name bezieht sich auf die Stadt und das Anbaugebiet.
Montepulciano d’Abruzzo funktioniert genau umgekehrt: Hier bezeichnet Montepulciano tatsächlich die Rebsorte, während Abruzzo die geografische Herkunft angibt.
Was ist Montepulciano d’Abruzzo?
Montepulciano d’Abruzzo ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung für Rotwein aus den Abruzzen. Die Rebsorte Montepulciano bildet die Grundlage dieser Weine und prägt damit einen großen Teil der regionalen Rotweinproduktion.
Innerhalb des großen Anbaugebietes existieren unterschiedliche geografische Bedingungen. Weinberge können sich hinsichtlich Höhenlage, Entfernung zur Adriaküste, Exposition und Boden deutlich unterscheiden.
Entsprechend beschreibt „Montepulciano d’Abruzzo“ eine Herkunft und Rebsortengrundlage, aber keinen einzigen festgelegten Geschmack.
Warum sind die Abruzzen für Montepulciano so wichtig?
Zwischen dem Apennin und der Adriaküste besitzen die Abruzzen sehr unterschiedliche Landschafts- und Klimabedingungen. Gebirge und Meer liegen teilweise nur vergleichsweise kurze Entfernungen voneinander entfernt.
Dadurch entstehen verschiedene Höhenlagen, Expositionen und Temperaturverläufe. Auch die Böden unterscheiden sich innerhalb der Region.
Für die Rebsorte Montepulciano bedeutet diese Vielfalt, dass sie unter deutlich unterschiedlichen Bedingungen kultiviert werden kann. Gerade deshalb ist es wenig sinnvoll, sämtliche Weine der Region auf einen vermeintlich typischen Stil zu reduzieren.
Was ist Montepulciano d’Abruzzo Colline Teramane?
Colline Teramane ist eine geografisch enger gefasste Herkunft innerhalb der Abruzzen und besitzt mit Montepulciano d’Abruzzo Colline Teramane DOCG einen eigenen geschützten Status.
Das Gebiet liegt im nördlichen Teil der Abruzzen in der Provinz Teramo. Die Herkunftsbezeichnung steht damit für einen deutlich kleineren geografischen Raum als die übergeordnete Montepulciano-d’Abruzzo-Appellation.
Solche engeren Herkunftsbezeichnungen zeigen, dass bei italienischem Wein nicht nur die Rebsorte, sondern auch die konkrete geografische Herkunft eine zentrale Rolle spielt.
Welche Bedeutung hat Montepulciano in den Marken?
Auch in den Marken gehört Montepulciano zu den wichtigen roten Rebsorten. Besonders im mittleren und südlichen Teil der Region begegnet sie in verschiedenen geschützten Herkunftsweinen.
Dabei wird die Sorte sowohl mit hohem eigenem Anteil als auch gemeinsam mit anderen Rebsorten verarbeitet. Besonders häufig begegnet sie zusammen mit Sangiovese.
Die Marken zeigen damit eine andere regionale Tradition derselben Rebsorte als die benachbarten Abruzzen.
Was ist Rosso Conero?
Rosso Conero ist eine geschützte Rotweinherkunft in den Marken rund um den Monte Conero südlich von Ancona. Montepulciano ist dort die zentrale rote Rebsorte.
Die Nähe zur Adriaküste, die Landschaft rund um den Monte Conero und die lokalen Bodenverhältnisse schaffen andere Voraussetzungen als in vielen Weinbergen der Abruzzen.
Rosso Conero ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, warum Montepulciano nicht ausschließlich mit Montepulciano d’Abruzzo gleichgesetzt werden sollte.
Was ist Rosso Piceno?
Rosso Piceno beziehungsweise Piceno ist eine weitere traditionelle Rotweinherkunft der Marken. Hier wird Montepulciano insbesondere gemeinsam mit Sangiovese verwendet.
Die Kombination zweier Rebsorten zeigt zugleich, dass Montepulciano nicht nur als Grundlage reinsortiger oder nahezu reinsortiger Weine Bedeutung besitzt.
Cuvées gehören ebenso zur regionalen Geschichte der Sorte wie Weine mit sehr hohem Montepulciano-Anteil.
Welche Eigenschaften besitzt die Rebsorte Montepulciano?
Die Rebsorte besitzt einen vergleichsweise langen Vegetationszyklus und erreicht ihre Reife eher spät. Dadurch benötigt sie geeignete Standorte und ausreichend Zeit für die Entwicklung der Trauben.
Montepulciano kann gute Erträge hervorbringen und besitzt das Potenzial für farbintensive Rotweine mit deutlicher phenolischer Struktur.
Wie sich diese Eigenschaften im fertigen Wein zeigen, hängt jedoch wesentlich von Ertrag, Standort, Traubenreife und Kellerarbeit ab.
Warum ist die späte Reife bei Montepulciano wichtig?
Später reifende Rebsorten benötigen eine ausreichend lange Vegetationsperiode, damit Zucker, Säure, Aromavorstufen und phenolische Bestandteile der Trauben einen passenden Entwicklungsstand erreichen können.
Für Montepulciano sind deshalb warme und gut geeignete Standorte von Bedeutung. Gleichzeitig können Unterschiede in Höhenlage und Exposition den Reifeverlauf verändern.
Späte Reife bedeutet dabei nicht automatisch höhere Qualität. Entscheidend ist, dass die Trauben unter den jeweiligen Bedingungen vollständig und ausgewogen ausreifen können.
Welche Rolle spielt die Höhenlage?
Gerade in Mittelitalien können sich Weinberge innerhalb kurzer geografischer Entfernungen auf sehr unterschiedlichen Höhen befinden.
Mit der Höhenlage verändern sich unter anderem Temperaturverlauf, Sonneneinstrahlung und die Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen. Dadurch können sich auch Reifedauer und Lesezeitpunkt verändern.
Höhenlage allein ist jedoch kein Qualitätsmerkmal. Exposition, Boden, Wind, Wasserverfügbarkeit und Bewirtschaftung müssen immer gemeinsam betrachtet werden.
Welche Rolle spielen Apennin und Adria?
Die Weinlandschaften der Abruzzen und Marken werden sowohl vom Apennin als auch von der Nähe zur Adria beeinflusst.
Gebirge, Täler, Küstenlage und Luftbewegungen schaffen unterschiedliche lokale Bedingungen. Weinberge in Küstennähe besitzen deshalb nicht zwangsläufig denselben Temperatur- und Reifeverlauf wie höher gelegene Standorte im Landesinneren.
Für Montepulciano entsteht dadurch innerhalb eines vergleichsweise kompakten geografischen Raums eine große Bandbreite möglicher Standorte.
Welche Rolle spielt der Ertrag bei Montepulciano?
Die Rebsorte kann produktiv sein. Der Ertrag gehört deshalb zu den Faktoren, die im Weinberg bewusst gesteuert werden können.
Hohe Erträge verteilen die verfügbaren Ressourcen der Rebe auf eine größere Traubenmenge. Für konzentriertere Weinstile werden deshalb häufig geringere Erträge angestrebt.
Niedriger Ertrag bedeutet jedoch nicht automatisch bessere Qualität. Entscheidend ist ein sinnvolles Verhältnis zwischen Standort, Blattfläche, Wasserversorgung, Traubenmenge und gewünschtem Reifegrad.
Wie schmeckt Montepulciano?
Weine aus der Rebsorte können eine intensive Farbe, deutliche Frucht und eine ausgeprägte Gerbstoffstruktur entwickeln. Häufig werden dunkle und rote Frucht, würzige oder kräuterige Eindrücke beschrieben.
Diese Angaben sind mögliche sensorische Ausprägungen und kein festgelegtes Geschmacksprofil. Herkunft, Ertrag, Reifegrad, Maischearbeit und Ausbau können den fertigen Wein erheblich verändern.
Ein unkompliziert erzeugter Montepulciano d’Abruzzo für den frühen Genuss muss deshalb stilistisch wenig mit einem strukturierten, lange ausgebauten Wein aus einer enger gefassten Herkunft gemeinsam haben.
Warum kann Montepulciano so dunkel sein?
Die Rebsorte besitzt das Potenzial für intensiv gefärbte Rotweine. Die Farbstoffe befinden sich vor allem in den Beerenschalen und werden während der Rotweinbereitung extrahiert.
Wie viel Farbe tatsächlich in den Wein gelangt, hängt unter anderem von Reifegrad, Dauer des Maischekontakts, Temperatur und Art der Extraktion ab.
Eine dunkle Farbe ist dabei kein Qualitätsmerkmal. Farbintensität und Qualität eines Weines sollten nicht miteinander gleichgesetzt werden.
Hat Montepulciano viele Tannine?
Die Rebsorte kann eine deutliche Gerbstoffstruktur hervorbringen. Wie kräftig diese Tannine später wahrgenommen werden, hängt jedoch stark von der Reife der Trauben und der Vinifikation ab.
Dauer und Intensität der Maischearbeit bestimmen mit, wie viele phenolische Bestandteile aus Schalen und Kernen extrahiert werden.
Ausbau und Flaschenreife können die sensorische Wirkung der Gerbstoffe anschließend weiter verändern.
Ist Montepulciano immer ein kräftiger Rotwein?
Nein. Die Rebsorte besitzt zwar gute Voraussetzungen für farbintensive und strukturierte Rotweine, daraus folgt aber kein festgelegter Weinstil.
Ertrag, Lesezeitpunkt und eine zurückhaltende Extraktion können ebenso zu zugänglicheren Weinen führen. Umgekehrt lassen sich aus reifem Ausgangsmaterial auch konzentrierte und langlebige Weine erzeugen.
Die Spannweite ist einer der Gründe, weshalb Montepulciano d’Abruzzo sowohl im unkomplizierten Alltagssegment als auch bei anspruchsvollen, herkunftsbezogenen Weinen zu finden ist.
Ist Montepulciano immer fruchtig?
Fruchteindrücke können bei jungen Weinen deutlich hervortreten, sind aber nur ein Teil des möglichen sensorischen Spektrums.
Herkunft, Reifegrad, Gärführung, Holzfassausbau und Flaschenreife können würzige, kräuterige, erdige oder andere Eindrücke stärker hervortreten lassen.
Gerade gereifte Weine zeigen, warum eine Rebsorte nicht dauerhaft über zwei oder drei Fruchtaromen definiert werden sollte.
Kann Montepulciano als Rosé ausgebaut werden?
Ja. Aus der roten Rebsorte werden nicht ausschließlich Rotweine erzeugt. In den Abruzzen besitzt mit Cerasuolo d’Abruzzo auch ein eigenständiger Roséweinstil aus Montepulciano eine geschützte Herkunft.
Für Rosé ist der Kontakt zwischen Most und Beerenschalen kürzer beziehungsweise anders gesteuert als bei klassischer Rotweinbereitung. Dadurch gelangen weniger Farbstoffe und Gerbstoffe in den Wein.
Die gleiche Rebsorte kann somit vollkommen unterschiedliche Weinarten hervorbringen.
Wird Montepulciano reinsortig ausgebaut?
Ja. Besonders in den Abruzzen entstehen zahlreiche Weine mit sehr hohem oder vollständigem Montepulciano-Anteil.
In anderen Herkunftsgebieten wird die Sorte dagegen auch traditionell mit anderen Rebsorten kombiniert. In den Marken ist insbesondere die Verbindung mit Sangiovese von Bedeutung.
Weder Reinsortigkeit noch Cuvée sind für sich genommen Qualitätsmerkmale. Beide können Teil einer regionalen Weintradition sein.
Wie wird Montepulciano vinifiziert?
Bei der klassischen Rotweinbereitung werden die Trauben auf der Maische vergoren. Dabei können Farbe, Gerbstoffe und weitere Bestandteile aus den Beerenschalen in den Wein übergehen.
Temperatur, Dauer der Maischegärung und Intensität der Extraktion gehören zu den wichtigsten stilprägenden Entscheidungen im Keller.
Nach der Gärung kann der Wein in Edelstahl, Beton, großen Holzfässern oder kleineren Fässern weiter ausgebaut werden.
Wird Montepulciano im Holzfass ausgebaut?
Das hängt vom gewünschten Weinstil ab. Strukturierte Montepulciano-Weine können in großen Holzfässern, Barriques oder anderen Holzgebinden reifen.
Neues Holz kann zusätzliche sensorische Eindrücke und Gerbstoffe beitragen. Größere oder bereits gebrauchte Fässer wirken häufig zurückhaltender.
Holz ist jedoch keine Voraussetzung für hochwertigen Montepulciano. Auch ein Ausbau in neutraleren Behältern kann bewusst gewählt werden.
Kann Montepulciano lange reifen?
Strukturierte Weine aus der Rebsorte können ein gutes Reifepotenzial besitzen. Gerbstoffe, Säure, Konzentration und Ausbau bilden dabei wichtige Voraussetzungen.
Während der Flaschenreife können sich Gerbstoffe, Aromatik und Textur verändern. Primäre Fruchteindrücke können zurücktreten und andere Reifearomen stärker hervortreten.
Die mögliche Lagerdauer lässt sich jedoch nicht allein anhand der Rebsorte bestimmen. Herkunft, Jahrgang, Vinifikation und Lagerbedingungen sind ebenso wichtig.
Ist Montepulciano dasselbe wie Sangiovese?
Nein. Montepulciano und Sangiovese sind zwei eigenständige italienische Rebsorten.
Die Verwechslung entsteht vor allem durch den Vino Nobile di Montepulciano, der nach der toskanischen Stadt Montepulciano benannt ist und überwiegend aus Sangiovese erzeugt wird.
In den Marken können Montepulciano und Sangiovese dagegen tatsächlich gemeinsam in einer Cuvée vorkommen.
Montepulciano d’Abruzzo oder Vino Nobile di Montepulciano – was ist der Unterschied?
Die beiden Weine haben trotz der ähnlichen Namen grundsätzlich unterschiedliche Identitäten.
Montepulciano d’Abruzzo stammt aus den Abruzzen und wird aus der Rebsorte Montepulciano erzeugt. Vino Nobile di Montepulciano stammt dagegen aus der toskanischen Stadt Montepulciano und basiert überwiegend auf Sangiovese.
Beim einen bezeichnet Montepulciano also die Rebsorte, beim anderen den Herkunftsort.
Rebsorte ist nicht gleich Weinstil
Montepulciano zeigt besonders deutlich, warum der Name einer Rebsorte noch keine vollständige Beschreibung des fertigen Weines liefert.
Dieselbe Sorte wächst in den Abruzzen, in den Marken und weiteren Teilen Italiens. Innerhalb dieser Regionen unterscheiden sich Höhenlage, Exposition, Böden, Temperaturverlauf und Wasserhaushalt.
Hinzu kommen Ertrag, Lesezeitpunkt, Maischearbeit und Ausbau. Montepulciano bezeichnet deshalb zunächst die genetische Rebsorte – ob daraus ein leichterer, fruchtbetonter Rotwein, ein Rosé oder ein strukturierter, langlebiger Wein entsteht, entscheidet das gesamte Zusammenspiel von Herkunft und menschlicher Arbeit.
Welches Essen passt zu Montepulciano?
Die passende Speisenbegleitung hängt vom konkreten Weinstil ab. Frischere und weniger extrahierte Montepulciano-Weine können beispielsweise zu Pasta, Pizza, Pilzgerichten, mediterranem Gemüse oder Geflügel passen.
Strukturiertere Varianten mit ausgeprägteren Gerbstoffen können kräftigere Fleischgerichte, Lamm, Rind oder Schmorgerichte begleiten.
Bei Cerasuolo d’Abruzzo und anderen roséfarbenen Interpretationen ergeben sich wiederum vollkommen andere Kombinationsmöglichkeiten. Entscheidend ist deshalb der konkrete Wein – nicht allein die Rebsorte.