Sangiovese
Sangiovese ist die meistangebaute rote Rebsorte Italiens und untrennbar mit den Weinlandschaften Mittelitaliens verbunden. Besonders in der Toskana bildet sie die Grundlage einiger der bekanntesten Herkunftsweine des Landes – von Chianti und Chianti Classico bis zu Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano.
Trotz dieser gemeinsamen Rebsorte können die Weine ausgesprochen unterschiedlich ausfallen. Sangiovese reagiert sensibel auf Standort, Klima, Ertrag und Reifegrad; hinzu kommen unterschiedliche Traditionen und Entscheidungen im Keller. Die Sorte lässt sich deshalb kaum auf ein einziges Geschmacksbild reduzieren: Ihre besondere Bedeutung liegt vielmehr darin, wie unterschiedlich sie Herkunft und Weinbereitung zum Ausdruck bringen kann.
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Sangiovese – Italiens große rote Rebsorte
Kaum eine rote Rebsorte ist so eng mit Italien verbunden wie Sangiovese. Ihre besondere Bedeutung besitzt die Sorte in Mittelitalien und vor allem in der Toskana. Dort bildet sie die Grundlage zahlreicher berühmter Herkunftsweine.
Chianti Classico, Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano tragen unterschiedliche Namen und folgen unterschiedlichen Produktionsregeln – doch in allen drei Fällen spielt Sangiovese die zentrale Rolle.
Gerade diese Vielfalt zeigt, warum die Rebsorte nicht mit einem einzigen Geschmacksprofil gleichgesetzt werden sollte. Standort, Klima, Ertrag, Reifegrad und Weinbereitung können aus Sangiovese sehr unterschiedliche Weine entstehen lassen.
Woher stammt Sangiovese?
Sangiovese ist eine historische italienische Rebsorte, deren Entwicklung eng mit dem Weinbau Mittelitaliens verbunden ist.
Besonders stark ist ihre historische und heutige Verankerung in der Toskana. Darüber hinaus besitzt die Sorte auch in anderen Teilen Mittelitaliens eine große Bedeutung, beispielsweise in der Emilia-Romagna, Umbrien und den Marken.
Über Jahrhunderte entstanden regional unterschiedliche Bezeichnungen und Ausprägungen. Das erklärt, warum Sangiovese auf Weinetiketten nicht immer unter genau diesem Namen erscheint.
Was bedeutet der Name Sangiovese?
Der Name wird traditionell häufig mit dem italienischen Ausdruck „sangue di Giove“, also „Blut des Jupiter“, in Verbindung gebracht.
Solche historischen Namensdeutungen sind allerdings nicht mit einer eindeutig dokumentierten Entstehung des Rebsortennamens gleichzusetzen. Bei alten Rebsorten haben sich Namen, Schreibweisen und regionale Bezeichnungen über lange Zeiträume entwickelt.
Für die heutige Einordnung ist deshalb vor allem entscheidend, dass unter dem Namen Sangiovese eine Rebsorte mit zahlreichen regionalen Traditionen und unterschiedlichen biotypischen Ausprägungen zusammengefasst wird.
Ist Brunello eine eigene Rebsorte?
Nein. Brunello ist in Montalcino die lokale Bezeichnung für Sangiovese.
Ein Brunello di Montalcino wird nach dem Produktionsreglement aus Sangiovese erzeugt. Das zuständige Konsortium bezeichnet die Rebsorte ausdrücklich als Sangiovese, in Montalcino „Brunello“ genannt.
Wer Brunello und Sangiovese als zwei verschiedene Rebsorten betrachtet, vergleicht daher tatsächlich eine lokale Bezeichnung mit dem übergeordneten Rebsortennamen.
Was ist Prugnolo Gentile?
Prugnolo Gentile ist die traditionelle lokale Bezeichnung für Sangiovese in Montepulciano in der Toskana.
Im offiziellen Produktionsreglement des Vino Nobile di Montepulciano wird die Rebsorte ausdrücklich als „Sangiovese, lokal Prugnolo Gentile genannt“ bezeichnet.
Auch hier handelt es sich also nicht um eine völlig andere Rebsorte, sondern um eine regionale Bezeichnung innerhalb der Sangiovese-Welt.
Warum gibt es so viele unterschiedliche Sangiovese-Typen?
Bei einer alten und über große Gebiete verbreiteten Rebsorte entstehen im Laufe der Zeit zahlreiche genetische Varianten. Reben werden vegetativ über Stecklinge vermehrt, und spontane Mutationen können über Generationen erhalten und weitervermehrt werden.
Winzer haben zudem über Jahrhunderte jene Rebstöcke ausgewählt, deren Eigenschaften für ihre jeweiligen Standorte und Produktionsziele besonders geeignet erschienen.
Deshalb sollte Sangiovese nicht als vollkommen einheitliches Pflanzenmaterial verstanden werden. Klon, Standort und Bewirtschaftung können gemeinsam erheblichen Einfluss auf die Trauben und damit auf die Möglichkeiten der Weinbereitung haben.
Was bedeuten Sangiovese Grosso und Sangiovese Piccolo?
Historisch wurden innerhalb der Rebsorte verschiedene Typen unter Bezeichnungen wie Sangiovese Grosso und Sangiovese Piccolo unterschieden.
Diese Begriffe sind jedoch nicht mit zwei klar voneinander getrennten modernen Rebsorten gleichzusetzen. Innerhalb von Sangiovese existiert eine große klonale Vielfalt, und traditionelle regionale Namen überschneiden sich teilweise mit dieser historischen Einteilung.
Für Verbraucher ist daher meist die konkrete Herkunft eines Sangiovese aussagekräftiger als eine pauschale Einteilung in „Grosso“ oder „Piccolo“.
Wo wird Sangiovese angebaut?
Das Zentrum der Rebsorte liegt in Italien. Besonders wichtig ist Sangiovese in der Toskana sowie in Teilen der Emilia-Romagna und weiterer mittelitalienischer Regionen.
Durch die internationale Bekanntheit italienischer Sangiovese-Weine wurde die Sorte inzwischen auch außerhalb Italiens gepflanzt.
Dennoch ist ihre kulturelle und weinrechtliche Bedeutung bis heute besonders eng mit Italien und den traditionellen Herkunftsgebieten Mittelitaliens verbunden.
Warum ist Sangiovese in der Toskana so wichtig?
Die Toskana beherbergt gleich mehrere international bekannte Herkunftsbezeichnungen, in denen Sangiovese die Hauptrolle spielt.
Dazu gehören unter anderem Chianti und Chianti Classico, Brunello di Montalcino, Rosso di Montalcino, Vino Nobile di Montepulciano und Morellino di Scansano.
Die Unterschiede zwischen diesen Weinen entstehen dabei nicht nur durch unterschiedliche Regeln der Herkunftsbezeichnungen. Auch Höhenlage, Exposition, Böden, Mikroklima und die Entscheidungen der Erzeuger verändern den Charakter des fertigen Weines.
Ist Chianti immer Sangiovese?
Sangiovese ist die zentrale Rebsorte der Chianti-Weine, muss aber nicht zwangsläufig die einzige Rebsorte in der Cuvée sein.
Die genaue vorgeschriebene Zusammensetzung hängt von der jeweiligen Herkunftsbezeichnung ab. Besonders wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Chianti DOCG und Chianti Classico DOCG.
Beide besitzen eigene Produktionsregeln und eigene geografische Herkunftsgebiete. „Chianti Classico“ ist deshalb nicht einfach eine höhere Qualitätsstufe eines beliebigen Chianti.
Wie viel Sangiovese steckt in Chianti Classico?
Für Chianti Classico DOCG schreibt das Produktionsreglement einen Sangiovese-Anteil von mindestens 80 Prozent vor.
Ein Chianti Classico darf auch vollständig aus Sangiovese bestehen. Bis zu 20 Prozent können aus anderen zugelassenen roten Rebsorten bestehen.
Damit kann bereits innerhalb einer einzigen Herkunftsbezeichnung die Zusammensetzung variieren. Hinzu kommen Unterschiede durch Lage, Jahrgang, Erträge und Ausbau.
Was ist Chianti Classico?
Chianti Classico DOCG bezeichnet Wein aus dem historischen Kerngebiet zwischen Florenz und Siena.
Die Herkunft besitzt ein eigenes Produktionsreglement. Sangiovese bildet mit mindestens 80 Prozent die Grundlage der Weine.
Die Bezeichnung „Classico“ verweist hier also auf ein definiertes historisches Herkunftsgebiet und sollte nicht lediglich als allgemeines Qualitätsversprechen verstanden werden.
Was ist Brunello di Montalcino?
Brunello di Montalcino ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung aus dem Gebiet der Gemeinde Montalcino in der Toskana.
Nach dem geltenden Produktionsreglement wird Brunello di Montalcino aus Sangiovese erzeugt, der in Montalcino traditionell Brunello genannt wird.
Die Herkunftsbezeichnung verbindet die Rebsorte mit klar definiertem Gebiet sowie Vorgaben zu Ertrag, Ausbau und Reife. Ein Brunello ist deshalb nicht einfach „ein Sangiovese mit anderem Namen“, sondern ein Herkunftswein mit eigenen Regeln.
Ist Brunello di Montalcino 100 Prozent Sangiovese?
Ja. Für Brunello di Montalcino ist Sangiovese die vorgeschriebene Rebsorte.
Gerade deshalb ist der Vergleich verschiedener Brunello-Weine besonders interessant: Obwohl dieselbe Rebsorte verwendet wird, können sich die Weine durch Lage, Jahrgang, Bewirtschaftung, Selektion und Ausbau deutlich voneinander unterscheiden.
Die gemeinsame Rebsorte garantiert also keineswegs einen einheitlichen Geschmack.
Was ist Rosso di Montalcino?
Auch Rosso di Montalcino wird aus Sangiovese erzeugt, der im Gebiet traditionell Brunello genannt wird.
Die Herkunft ist ebenfalls auf Montalcino begrenzt, besitzt aber andere Produktions- und Reiferegeln als Brunello di Montalcino.
Rosso di Montalcino ist daher keine andere Rebsorte, sondern eine eigenständige Herkunftsbezeichnung mit einem anderen regulatorischen Rahmen.
Was ist Vino Nobile di Montepulciano?
Vino Nobile di Montepulciano ist ein toskanischer DOCG-Wein aus dem Gebiet der Gemeinde Montepulciano. Die wichtigste Rebsorte ist Sangiovese, dort traditionell Prugnolo Gentile genannt.
Das Produktionsreglement schreibt mindestens 70 Prozent Sangiovese vor. Ergänzend dürfen im zulässigen Rahmen weitere dafür zugelassene Rebsorten verwendet werden.
Seit der Einführung der zusätzlichen Bezeichnung „Pieve“ gelten für Vino Nobile di Montepulciano Pieve noch strengere Vorgaben, darunter ein Mindestanteil von 85 Prozent Sangiovese.
Ist Vino Nobile di Montepulciano aus Montepulciano-Trauben?
Nein – und genau hier sorgt der italienische Weinbau regelmäßig für Verwirrung.
Montepulciano ist in „Vino Nobile di Montepulciano“ der Name der toskanischen Stadt und des Herkunftsgebiets. Die wichtigste Rebsorte des Weines ist Sangiovese beziehungsweise Prugnolo Gentile.
Die Rebsorte Montepulciano ist dagegen eine eigenständige rote Rebsorte, die besonders mit Mittelitalien und beispielsweise den Abruzzen verbunden ist.
Was ist der Unterschied zwischen Sangiovese und Montepulciano?
Sangiovese und Montepulciano sind zwei unterschiedliche Rebsorten.
Die häufige Verwechslung entsteht vor allem durch den Vino Nobile di Montepulciano. Bei diesem Wein bezeichnet Montepulciano jedoch die Herkunft und nicht die Rebsorte.
Beim Montepulciano d'Abruzzo ist es genau andersherum: Dort bezeichnet Montepulciano tatsächlich die Rebsorte, während Abruzzo die Herkunft angibt.
Was ist Morellino di Scansano?
Morellino ist die traditionelle Bezeichnung für Sangiovese im Gebiet von Scansano im Süden der Toskana.
Auch hier zeigt sich, wie stark lokale Namen die italienische Weinkultur prägen. Ein Wein kann auf dem Etikett einen traditionsreichen Herkunftsnamen tragen, ohne dass der allgemein bekannte Rebsortenname Sangiovese besonders hervorgehoben wird.
Wer die regionalen Synonyme kennt, erkennt deshalb leichter, wie weit die Sangiovese-Familie innerhalb Italiens tatsächlich reicht.
Wächst Sangiovese nur in der Toskana?
Nein. Obwohl die Toskana international am stärksten mit Sangiovese verbunden wird, besitzt die Rebsorte auch außerhalb der Region eine lange Tradition.
Besonders wichtig ist sie in der Emilia-Romagna. Darüber hinaus findet man Sangiovese in weiteren Regionen Mittelitaliens.
Unterschiedliche klimatische Bedingungen und regionale Weinbautraditionen können dort wiederum andere Interpretationen hervorbringen als in der Toskana.
Wann reift Sangiovese?
Sangiovese gehört nicht zu den besonders früh reifenden roten Rebsorten. Eine ausreichend lange Vegetationsperiode ist deshalb für eine ausgewogene Traubenreife wichtig.
Dabei geht es nicht allein um Zucker. Säure, phenolische Reife, Beerenschalen und Kerne entwickeln sich ebenfalls während der Reifeperiode.
Der optimale Lesezeitpunkt ist daher immer eine Abwägung zwischen unterschiedlichen Komponenten und hängt stark von Standort und Jahrgang ab.
Welche Rolle spielt die Säure bei Sangiovese?
Eine markante Säurestruktur gehört zu den wichtigen Eigenschaften der Rebsorte und kann den Weinen Frische und Spannung verleihen.
Wie deutlich diese Säure später wahrgenommen wird, hängt allerdings vom gesamten Aufbau des Weines ab. Alkohol, Extrakt, Gerbstoffe, Reife und gegebenenfalls Restzucker beeinflussen die Balance.
Eine analytisch vorhandene Säure lässt sich deshalb nicht unmittelbar in eine einfache sensorische Beschreibung übersetzen.
Welche Rolle spielen Tannine bei Sangiovese?
Sangiovese kann Weine mit deutlich wahrnehmbarer Gerbstoffstruktur hervorbringen.
Tannine stammen vor allem aus Beerenschalen und Kernen und können während der Rotweinbereitung extrahiert werden. Bei einem Ausbau im Holz können weitere Gerbstoffe hinzukommen.
Wie kräftig die Tanninstruktur eines Sangiovese ausfällt, ist daher nicht allein genetisch festgelegt. Reifegrad, Maischearbeit und Ausbau spielen eine erhebliche Rolle.
Wie schmeckt Sangiovese?
Sangiovese wird häufig mit roten Fruchteindrücken, Kräutern, Gewürzen und einer ausgeprägten Säure- und Gerbstoffstruktur beschrieben.
Solche Begriffe können hilfreiche Orientierung geben, sollten aber nicht als festes Aromaprogramm verstanden werden. Nicht jeder Sangiovese muss nach Kirsche, Kräutern oder einer bestimmten Gewürznote riechen.
Herkunft, Traubenreife, Jahrgang und Ausbau können die sensorische Wahrnehmung erheblich verändern.
Schmeckt Sangiovese immer nach Kirsche?
Nein. Kirsche gehört zwar zu den häufig verwendeten Assoziationen in Beschreibungen von Sangiovese-Weinen, ist aber kein zwingendes Erkennungsmerkmal der Rebsorte.
Aromatische Eindrücke entstehen aus zahlreichen chemischen Verbindungen und werden zusätzlich individuell wahrgenommen.
Ein hochwertiger Sangiovese muss deshalb keineswegs einer vorgegebenen Aromaliste entsprechen.
Warum können Sangiovese-Weine so unterschiedlich sein?
Schon innerhalb der Toskana unterscheiden sich Höhenlagen, Expositionen, Böden und Mikroklimata erheblich.
Hinzu kommen unterschiedliche Erträge, Lesezeitpunkte und Weinbereitungsmethoden. Ein Sangiovese, der früh gelesen und zurückhaltend extrahiert wird, besitzt andere Voraussetzungen als spät gelesenes, konzentriertes Traubenmaterial mit langer Maischegärung.
Auch die Wahl des Ausbaugefäßes kann den fertigen Wein deutlich verändern.
Welche Böden sind typisch für Sangiovese?
Eine einzelne „Sangiovese-Bodenart“ gibt es nicht. Schon in der Toskana wächst die Rebsorte auf sehr unterschiedlichen geologischen Formationen.
Begriffe wie Galestro und Alberese begegnen häufig in Beschreibungen toskanischer Weinberge. Sie bezeichnen bestimmte lokale geologische beziehungsweise bodenkundliche Zusammenhänge und sollten nicht als direkte Geschmacksangaben verstanden werden.
Boden beeinflusst unter anderem Wasserhaushalt, Durchwurzelung, Nährstoffversorgung und Wärmebedingungen. Daraus entsteht jedoch kein „Bodenaroma“, das direkt in die Traube übertragen wird.
Was bedeutet Galestro?
Galestro ist ein Begriff, der besonders im toskanischen Weinbau häufig auftaucht. Gemeint sind brüchige, schiefrig-mergelige Gesteinsformationen, die in verschiedenen Teilen der Region vorkommen.
Solche Untergründe können die Wasserführung und Durchwurzelung eines Weinbergs beeinflussen.
Wenn ein Sangiovese als von Galestro geprägt beschrieben wird, sollte das deshalb als Aussage über seinen Standort verstanden werden – nicht als Behauptung, der Wein schmecke buchstäblich nach Gestein.
Was bedeutet Alberese?
Alberese bezeichnet kalkreiche Gesteinsformationen, die insbesondere im Chianti-Gebiet eine wichtige Rolle spielen.
Wie bei Galestro beeinflusst der geologische Untergrund die Bedingungen, unter denen die Rebe wächst. Wasserverfügbarkeit, Durchwurzelung und Mikroklima wirken gemeinsam mit zahlreichen weiteren Faktoren.
Die Begriffe Alberese und Galestro helfen daher bei der Beschreibung einer Herkunft, sind aber keine Geschmacksrichtungen.
Wird Sangiovese sortenrein ausgebaut?
Ja. Einige der berühmtesten Sangiovese-Weine werden ausschließlich aus dieser Rebsorte erzeugt.
Brunello di Montalcino ist dafür das bekannteste Beispiel. Auch Chianti Classico kann zu 100 Prozent aus Sangiovese bestehen.
Gleichzeitig besitzt die Rebsorte eine lange Tradition als Hauptbestandteil von Cuvées. Beides ist daher historisch und qualitativ vollkommen legitim.
Mit welchen Rebsorten wird Sangiovese verschnitten?
Welche Partner verwendet werden dürfen oder üblich sind, hängt stark von Herkunft und Produktionsreglement ab.
Traditionelle toskanische Partner sind beispielsweise Canaiolo und Colorino. In moderneren Cuvées finden sich außerdem internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc oder Merlot.
Eine Cuvée ist dabei keineswegs automatisch weniger hochwertig als ein reinsortiger Wein. Entscheidend ist, welche stilistische und strukturelle Funktion die einzelnen Rebsorten im fertigen Wein übernehmen.
Waren früher weiße Rebsorten im Chianti erlaubt?
Ja. Die Geschichte der Chianti-Cuvée ist komplexer als die heutige Vorstellung eines fast ausschließlich roten Sangiovese-Weines vermuten lässt.
Historische Mischungen konnten neben roten Sorten auch weiße Rebsorten wie Trebbiano Toscano und Malvasia Bianca enthalten.
Die heutigen Regeln des Chianti Classico unterscheiden sich davon deutlich: Dort sind für den möglichen Anteil neben Sangiovese nur zugelassene rote Rebsorten vorgesehen.
Was sind Super Tuscans?
Der Ausdruck „Super Tuscan“ ist keine eigenständige gesetzliche Herkunftsbezeichnung.
Der Begriff etablierte sich für hochwertige toskanische Weine, die insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bewusst außerhalb damaliger traditioneller Rezepturen oder Herkunftsvorschriften erzeugt wurden.
Manche dieser Weine basieren auf Sangiovese, andere auf internationalen Rebsorten oder auf Cuvées aus beiden Welten. „Super Tuscan“ sagt deshalb nicht automatisch etwas über die verwendete Rebsorte aus.
Warum wird Sangiovese mit Cabernet oder Merlot kombiniert?
Unterschiedliche Rebsorten bringen unterschiedliche strukturelle und aromatische Voraussetzungen in eine Cuvée ein.
Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc oder Merlot können deshalb gezielt mit Sangiovese kombiniert werden. Welche Wirkung das im fertigen Wein hat, hängt jedoch von Reifegrad, Anteilen und Ausbau ab.
Es wäre zu einfach, jeder Sorte eine einzige feste Aufgabe wie „Farbe“, „Frucht“ oder „Weichheit“ zuzuschreiben. Cuvée-Komposition ist wesentlich komplexer.
Wird Sangiovese im Holzfass ausgebaut?
Ja. Holz spielt bei vielen hochwertigen Sangiovese-Weinen eine wichtige Rolle.
Dabei kommen unterschiedliche Fassgrößen und Holzarten zum Einsatz. Traditionelle große Fässer wirken anders auf einen Wein als kleine neue Barriques.
Größe, Alter und Toasting des Fasses sowie die Dauer des Ausbaus beeinflussen Sauerstoffkontakt, Gerbstoffentwicklung und mögliche Holzaromen.
Was ist besser: großes Holz oder Barrique?
Keine der beiden Ausbauformen ist grundsätzlich hochwertiger.
Ein großes, mehrfach belegtes Fass besitzt im Verhältnis zum Wein weniger Holzoberfläche und gibt meist weniger ausgeprägte Holzaromen ab. Ein kleines, neues Barrique kann den Wein deutlich stärker beeinflussen.
Welches Gefäß sinnvoll ist, hängt vom Ausgangsmaterial und vom gewünschten Stil ab. Das Fass ist ein Werkzeug des Winzers und keine Qualitätsstufe.
Kann Sangiovese lange reifen?
Hochwertige Sangiovese-Weine können ein erhebliches Reifepotenzial besitzen.
Säure, Gerbstoffstruktur, Konzentration und Weinbereitung können gemeinsam Voraussetzungen für eine lange Entwicklung schaffen. Besonders strukturierte Herkunftsweine aus geeigneten Lagen können über viele Jahre reifen.
Daraus folgt allerdings nicht, dass jeder Sangiovese lange gelagert werden sollte. Viele Weine sind bewusst für einen früheren Genuss erzeugt.
Wie verändert sich Sangiovese mit der Flaschenreife?
Während der Flaschenreife verändern sich sowohl die aromatische Wahrnehmung als auch die Struktur des Weines.
Frische Fruchteindrücke können in den Hintergrund treten, während sich komplexere Reifearomen entwickeln. Gleichzeitig können sich Gerbstoffe sensorisch integrieren.
Wie schnell und in welche Richtung diese Entwicklung verläuft, hängt vom konkreten Wein, vom Jahrgang und von den Lagerbedingungen ab.
Ist alter Sangiovese automatisch besser?
Nein. Alter allein ist kein Qualitätsmerkmal.
Ein Wein muss zunächst genügend Struktur und Konzentration besitzen, um von längerer Flaschenreife profitieren zu können. Andere Sangiovese-Weine sind gerade in ihrer Jugend besonders zugänglich.
Außerdem ist die Frage, ob frische oder gereifte Aromatik bevorzugt wird, immer auch eine persönliche Geschmacksentscheidung.
Was bedeutet Riserva bei Sangiovese?
„Riserva“ ist keine allgemeine Rebsortenbezeichnung und bedeutet nicht überall dasselbe.
Der Begriff ist an die Regeln der jeweiligen Herkunftsbezeichnung gebunden. Dort können beispielsweise längere vorgeschriebene Reifezeiten oder weitere Anforderungen gelten.
Ein „Sangiovese Riserva“ sollte deshalb immer im Zusammenhang mit seiner konkreten Herkunft betrachtet werden.
Ist Sangiovese immer ein kräftiger Rotwein?
Nein. Die Rebsorte kann strukturierte und langlebige Rotweine hervorbringen, ist aber nicht auf diesen Stil festgelegt.
Ertrag, Traubenreife, Maischestandzeit, Extraktion und Ausbau können das Gewicht und die Struktur des Weines erheblich verändern.
Deshalb können auch schlankere, frischere und für den früheren Genuss gedachte Sangiovese-Weine entstehen.
Ist Sangiovese immer trocken?
Die international bekanntesten Sangiovese-Rotweine sind überwiegend trocken, die Rebsorte selbst schreibt jedoch keinen bestimmten Süßegrad vor.
Der Geschmack eines fertigen Weines hängt von der Weinbereitung und gegebenenfalls von den Regeln seiner Herkunftsbezeichnung ab.
Auch hier sollte daher zwischen den Eigenschaften der Rebsorte und dem Stil des fertigen Weines unterschieden werden.
Rebsorte ist nicht gleich Weinstil
Sangiovese zeigt besonders eindrucksvoll, wie wenig eine Rebsortenbezeichnung allein über einen fertigen Wein verrät.
Chianti Classico, Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano basieren alle wesentlich auf derselben Rebsorte und können dennoch ausgesprochen unterschiedlich wirken.
Wer Sangiovese verstehen möchte, sollte deshalb Herkunft, Jahrgang und Erzeuger mindestens ebenso aufmerksam betrachten wie den Namen der Rebsorte.
Welches Essen passt zu Sangiovese?
Die Säure- und Gerbstoffstruktur vieler Sangiovese-Weine macht sie zu vielseitigen Speisenbegleitern.
Je nach Stil können sie beispielsweise zu Pasta mit kräftigen Tomatensaucen, geschmortem oder gebratenem Fleisch, Wild, Pilzgerichten und gereiftem Käse passen.
Ein junger, frischer Sangiovese verlangt dabei nach einer anderen Begleitung als ein lange gereifter Brunello. Entscheidend bleibt der konkrete Wein und nicht allein die Rebsorte.