Burgunder Wein
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Burgund – wenn Herkunft wichtiger wird als die Rebsorte
Kaum eine Weinregion der Welt stellt die Herkunft so konsequent in den Mittelpunkt wie Burgund. Während auf vielen internationalen Weinetiketten die Rebsorte den ersten Hinweis auf den Stil eines Weines liefert, stehen im Burgund häufig Namen wie Chablis, Meursault, Pommard oder Gevrey-Chambertin im Vordergrund.
Dahinter steckt eine jahrhundertealte Idee: Wein soll nicht nur nach einer Rebsorte schmecken, sondern die Eigenschaften seines Herkunftsortes möglichst präzise widerspiegeln. Unterschiede in Boden, Hangneigung, Höhe, Ausrichtung und Mikroklima können deshalb darüber entscheiden, welchen Namen ein Wein tragen darf.
Aus diesem Prinzip ist eines der kleinteiligsten Herkunftssysteme der Weinwelt entstanden. Rund 30.000 Hektar Rebfläche verteilen sich auf zahlreiche Orte, Appellationen, Climats und Lieux-dits. Pinot Noir und Chardonnay prägen den größten Teil der Region, ergänzt insbesondere durch Aligoté und Gamay.
Was gehört eigentlich zum Burgund?
Das Weinbaugebiet Burgund zieht sich über rund 230 Kilometer von Norden nach Süden. Es besteht nicht aus einer geschlossenen Rebfläche, sondern aus mehreren voneinander getrennten Weinlandschaften.
Im Norden liegen Chablis und der Grand Auxerrois. Weiter südlich folgen die Côte de Nuits und die Côte de Beaune mit ihren jeweiligen Hautes Côtes. Daran schließen sich Côte Chalonnaise und Mâconnais an. Weitere burgundische Weinberge finden sich unter anderem im Couchois und Châtillonnais.
Schon diese enorme Nord-Süd-Ausdehnung erklärt, warum ein Chardonnay aus Chablis ganz anders wirken kann als ein Chardonnay aus dem südlichen Mâconnais.
Die Qualitätspyramide: Régionale, Village, Premier Cru und Grand Cru
Die burgundischen Herkunftsbezeichnungen lassen sich vereinfacht als Pyramide verstehen. Die breite Basis bilden regionale Appellationen. Darüber folgen die Village-Appellationen und innerhalb vieler dieser Orte besonders klassifizierte Premier-Cru-Weinberge. An der Spitze stehen die eigenständigen Grand-Cru-Appellationen.
Burgund besitzt heute 84 Appellations d'Origine Contrôlée. Dazu gehören sieben regionale Appellationen, 44 Village-Appellationen und 33 Grand-Cru-Appellationen.
Je weiter man sich in dieser Herkunftspyramide nach oben bewegt, desto enger wird die geografische Herkunft definiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass automatisch jeder Village-Wein besser als jeder regionale Bourgogne sein muss. Erzeuger, Jahrgang und konkrete Weinbergsarbeit bleiben entscheidend.
Was bedeutet Bourgogne auf dem Etikett?
Steht lediglich eine regionale Bourgogne-Appellation auf der Flasche, stammt der Wein aus einem größeren zugelassenen Gebiet innerhalb Burgunds. Diese Weine bilden den Einstieg in die Herkunftssystematik.
Gerade gute Bourgogne Chardonnay und Bourgogne Pinot Noir können einen hervorragenden Zugang zur Stilistik eines Erzeugers bieten. Manche stammen aus interessanten Parzellen oder von jüngeren Rebanlagen, ohne den Namen einer berühmten Village-Appellation zu tragen.
Neben diesen bekannten Bezeichnungen existieren weitere regionale Appellationen und geografische Ergänzungen. Burgund ist deshalb schon auf seiner vermeintlichen Basisstufe deutlich differenzierter, als es zunächst erscheint.
Village – wenn der Ort auf die Flasche kommt
Die nächste wichtige Stufe bilden die Village-Appellationen. Hier ist die Herkunft auf einen bestimmten Ort oder ein eng definiertes Gebiet begrenzt.
Namen wie Chablis, Meursault, Pommard, Volnay, Gevrey-Chambertin, Vosne-Romanée oder Pouilly-Fuissé sind deshalb nicht in erster Linie Marken oder Weingutsnamen, sondern geschützte Herkunftsbezeichnungen.
Bereits zwischen benachbarten Gemeinden können sich Böden, Exposition und Stilistik deutlich verändern. Genau diese Unterschiede bilden den Kern des burgundischen Herkunftsgedankens.
Premier Cru – besondere Climats innerhalb eines Ortes
Innerhalb vieler Village-Appellationen sind bestimmte Climats als Premier Cru klassifiziert. Auf dem Etikett steht dann beispielsweise der Ortsname zusammen mit „Premier Cru“ und häufig zusätzlich der Name des jeweiligen Climats.
Premier Cru ist damit keine Auszeichnung für ein Weingut, sondern an eine genau definierte Herkunft gebunden. Ein Erzeuger kann gleichzeitig einfachen Village-Wein sowie Weine aus einem oder mehreren Premier-Cru-Climats erzeugen.
Diese Unterscheidung ist wichtig: Im Burgund wird in erster Linie der Weinberg klassifiziert – nicht das Château oder die Domaine.
Grand Cru – die Spitze der Herkunftspyramide
Die Grand Crus bilden die engste und prestigeträchtigste Herkunftsstufe Burgunds. Anders als bei einem Premier Cru steht auf dem Etikett meist nur noch der Name des Grand Cru selbst.
Namen wie Chambertin, Musigny, Clos de Vougeot, Romanée-Conti, Montrachet oder Corton-Charlemagne sind eigenständige Appellationen.
Grand Cru bedeutet allerdings auch hier nicht, dass jede Flasche automatisch identisch schmeckt. Ein Grand Cru kann unter verschiedenen Eigentümern aufgeteilt sein. Unterschiedliche Parzellen, Rebalter, Weinbergsarbeit und Kellerphilosophien sorgen dafür, dass selbst Weine aus demselben Grand Cru unterschiedliche Charaktere besitzen können.
Was ist ein Climat?
Der Begriff Climat ist einer der Schlüssel zum Verständnis Burgunds. Gemeint ist nicht das Klima im meteorologischen Sinn, sondern eine exakt abgegrenzte Weinbergsparzelle, die über einen eigenen Namen und eine historisch gewachsene Identität verfügt.
Boden, Untergrund, Hangneigung, Exposition, Höhenlage und die Geschichte der Bewirtschaftung verbinden sich zu einer spezifischen Herkunft. Manche Climats besitzen Premier-Cru- oder Grand-Cru-Status, andere nicht.
Die Climats der Côte de Nuits und Côte de Beaune wurden 2015 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Damit wurde nicht ein einzelner Weinberg ausgezeichnet, sondern eine über Jahrhunderte entwickelte Kulturlandschaft, in der Herkunft außergewöhnlich fein differenziert wird.
Climat und Lieu-dit – ist das dasselbe?
Beide Begriffe bezeichnen benannte geografische Einheiten, sind jedoch nicht vollständig gleichbedeutend. Ein Lieu-dit ist ein traditioneller Flurname beziehungsweise eine geografisch benannte Parzelle.
Der burgundische Begriff Climat geht darüber hinaus und verbindet die klar abgegrenzte Parzelle mit ihrer weinbaulichen Geschichte und ihrem Terroir.
Für den Weinkäufer bedeutet das vor allem: Je konkreter der Weinbergsname auf dem Etikett wird, desto genauer lässt sich die Herkunft des Weines nachvollziehen.
Warum sind die Weinberge so stark zerstückelt?
Ein charakteristisches Merkmal Burgunds ist die extreme Parzellierung. Ein einzelnes Climat kann zahlreichen verschiedenen Eigentümern gehören, die jeweils nur wenige Rebzeilen bewirtschaften.
Historische Besitzteilungen, die Enteignung kirchlicher Güter während der Französischen Revolution und das französische Erbrecht haben diese Struktur über Generationen verstärkt.
Deshalb können von demselben berühmten Weinberg zahlreiche unterschiedliche Weine verschiedener Domaines existieren. Die Frage „Welcher Erzeuger?“ ist im Burgund folglich fast genauso wichtig wie die Frage „Welcher Weinberg?“.
Mönche, Klöster und die Entstehung der Weinlandschaft
Weinbau existiert in Burgund bereits seit der Antike. Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Weinbergslandschaft hatten später kirchliche Orden.
Besonders Benediktiner und Zisterzienser verfügten über umfangreichen Weinbergsbesitz. Über Generationen beobachteten sie Unterschiede zwischen einzelnen Parzellen und entwickelten die Bewirtschaftung der Weinberge weiter.
Das 1098 gegründete Kloster Cîteaux und der Zisterzienserorden sind eng mit dieser Geschichte verbunden. Der berühmte Clos de Vougeot erinnert bis heute an die Bedeutung der Zisterzienser für den burgundischen Weinbau.
Pinot Noir – die rote Seele Burgunds
Pinot Noir ist die entscheidende rote Rebsorte Burgunds. Die dünnschalige Sorte reagiert sensibel auf Standort, Witterung und Ertrag und kann deshalb große Unterschiede zwischen einzelnen Herkünften zeigen.
Burgundischer Pinot Noir muss nicht besonders dunkel oder schwer sein. Duft, Frische, feines Tannin und eine transparente Frucht können ebenso wichtig sein wie Konzentration.
Je nach Herkunft reicht das Spektrum von unkomplizierten Bourgogne Pinot Noir bis zu komplexen, langlebigen Premier und Grand Crus der Côte de Nuits und Côte de Beaune.
Chardonnay – eine Rebsorte, unzählige Gesichter
Chardonnay ist die wichtigste weiße Rebsorte Burgunds und zeigt hier eine bemerkenswerte stilistische Bandbreite.
Ein Chablis kann kühl, geradlinig und von deutlicher Frische geprägt sein. In Meursault, Puligny-Montrachet oder Chassagne-Montrachet entstehen einige der komplexesten und langlebigsten trockenen Chardonnay-Weine der Welt. Weiter südlich im Mâconnais zeigt die Sorte wiederum andere Facetten.
Ausbau im Edelstahl, gebrauchte oder neue Holzfässer, Hefelager und Reifezeit beeinflussen den Stil zusätzlich. „Burgunder Chardonnay“ beschreibt deshalb keineswegs einen einzigen Geschmack.
Aligoté – die zweite weiße Seite Burgunds
Aligoté stand lange deutlich im Schatten des Chardonnay, gehört aber fest zur Weintradition Burgunds. Heute nimmt die Sorte rund sechs Prozent der Rebfläche ein.
Bourgogne Aligoté wird reinsortig aus Aligoté erzeugt. Frische und eine lebendige Säure prägen viele dieser Weine. Bei alten Reben, geeigneten Standorten und sorgfältiger Weinbereitung kann Aligoté jedoch deutlich mehr Tiefe und Komplexität entwickeln, als sein früheres Image als einfacher Alltagswein vermuten lässt.
Eine besondere Stellung besitzt Bouzeron an der Côte Chalonnaise: Es ist eine eigene Village-Appellation für Aligoté.
Gamay und Bourgogne Passe-tout-grains
Auch Gamay gehört zur burgundischen Rebsortenlandschaft, wenngleich Pinot Noir und Chardonnay den internationalen Ruf der Region bestimmen.
Eine traditionelle Besonderheit ist Bourgogne Passe-tout-grains. Hier werden Pinot Noir und Gamay gemeinsam verwendet. Damit gehört die Appellation zu den Ausnahmen von der Vorstellung, burgundische Weine seien grundsätzlich reinsortig.
Auch Crémant de Bourgogne kann aus mehreren zugelassenen Rebsorten erzeugt werden. Das Burgund ist also stark vom Prinzip des sortenreinen Weins geprägt – aber nicht ausnahmslos.
Chablis – Chardonnay im kühlen Norden
Chablis liegt deutlich nördlich der Côte d'Or im Département Yonne. Die Weinberge gruppieren sich rund um den Fluss Serein und sind ausschließlich dem Chardonnay gewidmet.
Das kühlere Klima sorgt traditionell für eine ausgeprägte Frische. Besonders bekannt sind die kalk- und mergelreichen Böden der Region, die den Charakter der Weine entscheidend mitprägen.
Die Herkunftspyramide reicht von Petit Chablis über Chablis und Chablis Premier Cru bis zu Chablis Grand Cru. Allein Chablis Premier Cru umfasst 40 klassifizierte Climats.
Petit Chablis – mehr als nur „kleines Chablis“
Petit Chablis bildet eine eigene Appellation und darf nicht einfach als minderwertiger Chablis verstanden werden. Die Weinberge liegen häufig auf anderen geologischen Formationen und Expositionen als die klassischen Chablis-Lagen.
Stilistisch stehen Frische, Zitrusfrucht und ein direkter, unkomplizierter Chardonnay-Charakter häufig im Vordergrund. Petit Chablis kann deshalb gerade jung einen ausgesprochen animierenden Einstieg in die Region bieten.
Chablis Premier Cru und Grand Cru
Bei Chablis Premier Cru wird die Herkunft enger. Der Name eines Premier-Cru-Climats kann zusätzlich auf dem Etikett erscheinen. Bekannte Namen sind beispielsweise Fourchaume, Montée de Tonnerre, Montmains und Vaillons.
Die Grand-Cru-Weinberge befinden sich auf einem besonders exponierten Hang am rechten Ufer des Serein bei Chablis. Chablis Grand Cru bildet eine eigene Appellation mit mehreren benannten Climats.
Diese Weine besitzen häufig mehr Konzentration und benötigen mehr Zeit, ohne ihren typischen Chablis-Charakter zu verlieren.
Die Côte d'Or – das berühmte Herz Burgunds
Südlich von Dijon beginnt die Côte d'Or. Der langgezogene Hang gliedert sich in Côte de Nuits im Norden und Côte de Beaune im Süden.
Auf vergleichsweise kleiner Fläche konzentrieren sich hier zahlreiche weltberühmte Village-, Premier-Cru- und Grand-Cru-Herkünfte. Schon geringe Veränderungen von Hanglage, Untergrund oder Exposition können historisch zu einer eigenen Abgrenzung geführt haben.
Die Côte d'Or ist deshalb der vielleicht deutlichste Ausdruck des burgundischen Gedankens, dass Herkunft bis auf die einzelne Parzelle beschrieben werden kann.
Côte de Nuits – große Herkunft für Pinot Noir
Die Côte de Nuits beginnt südlich von Dijon und reicht bis in die Umgebung von Nuits-Saint-Georges. Sie ist vor allem für große Pinot-Noir-Weine bekannt.
Gemeinden wie Gevrey-Chambertin, Morey-Saint-Denis, Chambolle-Musigny, Vougeot, Vosne-Romanée und Nuits-Saint-Georges besitzen einen legendären Ruf.
Viele der berühmtesten roten Grand Crus Burgunds liegen auf diesem schmalen Streifen. Trotzdem unterscheiden sich die Weine deutlich: Kraft, Duftigkeit, Tannin und Finesse können sich von Ort zu Ort und sogar von Climat zu Climat verändern.
Côte de Beaune – Chardonnay und Pinot Noir nebeneinander
Südlich der Côte de Nuits beginnt die Côte de Beaune. Sie ist besonders berühmt für Chardonnay, besitzt gleichzeitig aber bedeutende Rotweinherkünfte.
Meursault, Puligny-Montrachet und Chassagne-Montrachet stehen international für große Weißweine. Pommard und Volnay sind dagegen vor allem für Pinot Noir bekannt.
Rund um den Corton-Hügel begegnen sich beide Welten besonders eindrucksvoll: Hier entstehen sowohl rote Corton Grand Cru als auch große weiße Grand Crus wie Corton-Charlemagne.
Meursault – berühmter Chardonnay ohne eigenen Grand Cru
Meursault gehört zu den bekanntesten Weißweinorten Burgunds. Bemerkenswert ist, dass die Gemeinde trotz ihres weltweiten Renommees keinen eigenen Grand Cru besitzt.
Zahlreiche Premier Crus und hoch angesehene Village-Lagen können dennoch außergewöhnlich komplexe Chardonnay-Weine hervorbringen.
Meursault wird häufig mit einer kraftvolleren, texturierten Chardonnay-Stilistik verbunden. Wie immer im Burgund hängen Charakter und Gewicht jedoch stark von Lage, Erzeuger und Ausbau ab.
Pommard und Savigny-lès-Beaune
Auch die Côte de Beaune ist wichtig für Pinot Noir. Pommard gehört zu ihren berühmtesten Rotweinorten und wird traditionell mit strukturierten, langlebigen Weinen verbunden.
Nördlich von Beaune liegt Savigny-lès-Beaune. Die Gemeinde besitzt zahlreiche unterschiedliche Climats und erzeugt vor allem Rotwein aus Pinot Noir, daneben aber auch Weißwein.
Solche Herkünfte zeigen, warum die einfache Gleichung „Côte de Nuits gleich Rotwein, Côte de Beaune gleich Weißwein“ zu kurz greift.
Corton-Charlemagne – Chardonnay mit Grand-Cru-Status
Corton-Charlemagne gehört zu den berühmtesten weißen Grand Crus Burgunds. Die Weinberge liegen am Corton-Hügel nördlich von Beaune.
Der Name verbindet sich historisch mit Karl dem Großen, dessen Besitz in der Gegend Teil der Überlieferung rund um den Weinberg ist. Heute steht Corton-Charlemagne vor allem für Chardonnay mit großer Struktur, Tiefe und erheblichem Reifepotenzial.
Gute Exemplare können sich über Jahrzehnte entwickeln. Gereifte Flaschen zeigen deshalb eine völlig andere Seite des Chardonnay als junge, primärfruchtige Weißweine.
Côte Chalonnaise – Burgund jenseits der berühmtesten Namen
Südlich der Côte de Beaune beginnt die Côte Chalonnaise. Hier finden sich bekannte Orte wie Rully, Mercurey, Givry, Montagny und Bouzeron.
Pinot Noir und Chardonnay spielen auch hier die Hauptrollen, während Bouzeron eine besondere Heimat des Aligoté darstellt. Grand-Cru-Appellationen gibt es an der Côte Chalonnaise nicht, wohl aber zahlreiche Premier-Cru-Herkünfte.
Für Weinfreunde ist die Region besonders interessant, weil sie burgundische Herkunft und Rebsortencharakter häufig abseits der extremen Preise der berühmtesten Côte-d'Or-Lagen bietet.
Mâconnais – Burgund wird südlicher
Das Mâconnais bildet den südlichen großen Abschnitt der burgundischen Weinlandschaft. Das Klima ist wärmer als im Chablis oder an der Côte d'Or, und die Landschaft wirkt zunehmend südlich.
Chardonnay steht klar im Mittelpunkt. Bedeutende Herkünfte sind unter anderem Pouilly-Fuissé, Saint-Véran, Pouilly-Vinzelles, Pouilly-Loché und Viré-Clessé.
Die Kalkfelsen von Solutré und Vergisson gehören zu den markantesten Landschaftsmerkmalen der Region.
Pouilly-Fuissé – Chardonnay aus dem Mâconnais
Pouilly-Fuissé gehört zu den bekanntesten Weißweinherkünften des südlichen Burgunds. Chardonnay ist hier die zugelassene Rebsorte.
Das wärmere Klima kann reifere Frucht und mehr Fülle ermöglichen, während Kalkstein und unterschiedliche Hanglagen für Frische und Struktur sorgen können.
Seit dem Jahrgang 2020 besitzt Pouilly-Fuissé zudem offiziell ausgewiesene Premier-Cru-Climats. Damit wurde die schon lange wahrgenommene Differenzierung einzelner Weinberge auch im Appellationssystem verankert.
Crémant de Bourgogne – die schäumende Seite
Burgund erzeugt nicht nur Stillwein. Crémant de Bourgogne wird nach traditioneller Flaschengärung hergestellt und kann aus mehreren in der Region zugelassenen Rebsorten entstehen.
Chardonnay und Pinot Noir spielen dabei eine wichtige Rolle, je nach Herkunft und Cuvée können aber auch andere zugelassene Sorten beteiligt sein.
Stilistisch reicht das Spektrum von frischen, unkomplizierten Schaumweinen bis zu länger gereiften, komplexeren Cuvées.
Domaine, Maison und Négociant – wer hat den Wein gemacht?
Neben der Herkunft begegnen auf Burgunderetiketten Begriffe wie Domaine und Maison. Sie geben Hinweise auf die Struktur des Erzeugers, sind aber keine Qualitätsstufen.
Eine Domaine arbeitet traditionell vor allem mit eigenen beziehungsweise selbst bewirtschafteten Weinbergen. Ein Négociant oder eine Maison kann zusätzlich Trauben, Most oder Wein von anderen Winzern erwerben und daraus eigene Weine erzeugen oder vermarkten.
Beide Modelle können hervorragende Weine hervorbringen. Gerade wegen der stark zerstückelten Weinbergsstruktur besitzt der Handel mit Trauben und Wein in Burgund eine lange Tradition.
Warum Burgund so teuer geworden ist
Einige Burgunder gehören heute zu den teuersten Weinen der Welt. Ein wesentlicher Grund ist die Kombination aus internationaler Nachfrage und extrem begrenzter Produktion.
Ein berühmter Grand Cru umfasst teilweise nur wenige Hektar und ist zusätzlich unter mehreren Besitzern aufgeteilt. Die einzelne Domaine kann deshalb von einer begehrten Herkunft manchmal nur eine sehr kleine Zahl Flaschen erzeugen.
Das enorme Preisniveau einzelner Spitzenweine sollte jedoch nicht mit Burgund insgesamt gleichgesetzt werden. Regionale Appellationen, weniger berühmte Orte, Côte Chalonnaise, Mâconnais und andere Herkünfte können interessante Alternativen zu den ikonischen Namen bieten.
Jahrgang und Reife im Burgund
Der Jahrgang spielt in Burgund eine wichtige Rolle. Frost, Hagel, Regen, Hitze und Trockenheit können sowohl Erntemenge als auch Charakter der Weine stark beeinflussen.
Gute Pinot-Noir- und Chardonnay-Weine können über viele Jahre reifen. Wie lange, hängt jedoch nicht allein von der Klassifikationsstufe ab. Erzeuger, Weinberg, Jahrgang, Flaschenlagerung und Ausbau sind mindestens ebenso wichtig.
Gereifte Burgunder entwickeln sich häufig deutlich weg von der Primärfrucht. Gerade bei alten Flaschen sind deshalb Herkunft, Lagerhistorie und Zustand entscheidend.
Klimawandel – Burgunds Weinberge verändern sich
Der Klimawandel stellt auch Burgund vor neue Herausforderungen. Frühere Lesezeitpunkte, Hitzeperioden, Trockenheit und Frühjahrsfröste verändern die Bedingungen in vielen Weinbergen.
Gleichzeitig können höher gelegene oder früher kühlere Standorte an Bedeutung gewinnen. Die Frage, welche Exposition für eine Rebsorte ideal ist, muss unter veränderten klimatischen Bedingungen teilweise neu bewertet werden.
Gerade in einer Region, deren Herkunftssystem über Jahrhunderte aus feinsten Standortunterschieden entstanden ist, sind diese Veränderungen besonders spannend.
Biologischer und biodynamischer Weinbau
Zahlreiche burgundische Betriebe beschäftigen sich heute intensiv mit biologischer und biodynamischer Bewirtschaftung. Gerade bei hochwertigen Parzellen steht die Gesundheit der Böden zunehmend im Mittelpunkt.
Die Bedingungen sind allerdings anspruchsvoll. Feuchtigkeit, Pilzdruck, Frost und die extreme Kleinteiligkeit der Weinberge verlangen viel Handarbeit und eine genaue Beobachtung jeder Parzelle.
Gleichzeitig passt eine intensive Beschäftigung mit dem Boden sehr gut zur Grundidee Burgunds: Wenn der Wein seinen konkreten Herkunftsort ausdrücken soll, spielt der Umgang mit diesem Boden eine zentrale Rolle.
Burgunder Wein bei WEIN KUSCH
Unser Burgund-Sortiment bildet unterschiedliche Seiten der Region ab. Neben Bourgogne Chardonnay und Bourgogne Pinot Noir führen wir Aligoté sowie Weine aus konkreten Herkünften wie Petit Chablis, Chablis Premier Cru, Pouilly-Fuissé, Savigny-lès-Beaune, Pommard und Meursault.
Mit Weinen von Philippe Goulley und Château de Melin finden sich dabei auch biologisch arbeitende Erzeuger in unserer Auswahl. Domaine de la Vougeraie ergänzt das Sortiment mit Weinen aus biodynamisch bewirtschafteten Weinbergen der Côte d'Or.
Daneben führen wir wechselnde Weine und einzelne Raritäten verschiedener Erzeuger und Jahrgänge. Dazu gehören auch gereifte Burgunder aus unserem Raritätenbestand.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das Reifepotenzial der Region an alten Flaschen aus großen Herkünften: Mit gereiftem Corton-Charlemagne Grand Cru führen wir beispielsweise eine der berühmtesten Chardonnay-Herkünfte Burgunds auch als Rarität.
Gerade im Burgund lohnt es sich deshalb, nicht ausschließlich nach bekannten Namen oder Klassifikationen zu kaufen. Rebsorte, konkrete Herkunft, Erzeuger, Jahrgang und gewünschter Weinstil ergeben gemeinsam das wesentlich vollständigere Bild.